Nacht soll wieder zur Nacht werden
Von Stefan Gyr, Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 03.02.2010 7 Kommentare
Künstliche Lichter: Auch das Triago-Gebäude der Planzer Transport AG und das Ikea-Einrichtungszentrum im Einkaufsgebiet Grüssen sollen nachts dunkel werden. (Bild: Tino Briner)
Umfrage
Aufgrund der Lichtverschmutzung will Pratteln, Licht in der Nacht in Gewerbegebäude verbieten. Sind sie dafür, dass Firmen in der Nacht nicht beleuchtet werden?
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von bazonline.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS). Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
In Pratteln soll es künftig zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens verboten sein, Gebäude von aussen und Schaufenster ununterbrochen zu beleuchten. Ausgenommen sind Strassen- und Weihnachtsbeleuchtungen. Untersagt werden soll zudem der Einsatz von Skybeamern, Laser-Scheinwerfern und ähnlichen himmelwärts gerichteten Lichtquellen. Diese Regelung findet sich im neuen Polizeireglement der Gemeinde Pratteln, das der Einwohnerrat am Montagabend in erster Lesung beraten hat.
Die SVP und die FDP versuchten, die neuen Vorschriften abzuschwächen: Sie beantragten, das Beleuchtungsverbot auf die Zeit zwischen ein und fünf Uhr morgens zu beschränken und äussere Beleuchtungsvorrichtungen von dieser Vorschrift auszunehmen. Der Antrag wurde aber mit 19 gegen 16 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt, weil die SP und die Fraktion der Unabhängigen und Grünen Rückendeckung von der CVP erhielten.
Kaum Widerstand
Das Amt für Umwelt und Energie Baselland (AUE) begrüsst den Prattler Entscheid. «Es macht keinen Sinn, dass Dienstleistungsgebäude die ganze Nacht durch beleuchtet sind», sagt Sabine Stöcklin von der AUE-Fachstelle Energie. Laut Stöcklin ist Pratteln besonders von den Auswirkungen des Lichtsmogs betroffen, weil dort viele Gewerbegebäude ihre Aussenbeleuchtung brennen lassen.
Die eine Seite des Entscheids beruht auf Energiesparüberlegungen. Die andere Seite auf Lichtsmog. Theo Wirth von der Organisation Darksky Schweiz: «Man kann sich doch wirklich fragen, was das bringen soll, wenn die Reklamebeleuchtung die ganze Nacht zu sehen ist.» Darksky lobt den Prattler Entscheid. Neben Coldrerio im Tessin und Baar im Kanton Zug ist Pratteln die dritte Schweizer Gemeinde mit einer solchen Nachtlichtverordnung. Beim Gewerbe stösst die neue Regelung auf wenig Widerstand: Esther Hofstetter, Filialleiterin des Möbelhauses Pfister im Prattler Einkaufsgebiet Grüssen: «Wir schalten die Beleuchtung nach Mitternacht bereits ein paar Stunden aus.
SP-Initiative hängig
Ausserdem macht der Entscheid aus Überlegungen des Energiesparens durchaus Sinn.» Ebenfalls nichts gegen den Entscheid hat das benachbarte Einrichtungszentrum Ikea. «Wir schalten die Beleuchtung bereits zwischen Mitternacht und fünf Uhr aus», sagt Mediensprecherin Sonja Blöchlinger. Stein des Anstosses war die Planzer Transport AG in Pratteln gewesen. Der Firmensitz ist die ganze Nacht hell beleuchtet. Planzer wollte gegenüber der BaZ keinen Kommentar abgeben.
Noch immer hängig ist in Pratteln eine vor zwei Jahren eingereichte SP-Initiative zur «Vermeidung von unnötigen Lichtemissionen», die von 747 Stimmberechtigten unterzeichnet worden ist. Die SP will damit nach eigenen Angaben die zunehmende Energieverschwendung und die nächtliche Lichtüberflutung einschränken und so einen Beitrag zum Schutz von Umwelt, Mensch und Tier leisten. Der Einwohnerrat lehnte die nicht formulierte Volksinitiative im vergangenen April ab. Der Gemeinderat wollte zwar aus Unbehagen über die Gesetzesflut von einem eigenen Reglement gegen die Lichtverschmutzung nichts wissen, doch er unterstützte das Anliegen der Initianten.
Er unterbreitete deshalb dem Einwohnerrat einen Gegenvorschlag, der im Parlament Zustimmung fand: Danach sollten die «wesentlichen» Forderungen der Initiative in das Polizeireglement eingebaut werden, was jetzt geschehen ist. Der zuständige Gemeinderat Ruedi Brassel (SP) rief denn auch am Montagabend den Einwohnerrat auf, im Polizeireglement diese Bestimmungen stehen zu lassen, «sie nicht unnötig einzuengen». Ob die SP ihre Initiative zurückzieht, ist gegenwärtig noch offen. Das Initiativkomitee will laut SP-Einwohnerrat Kurt Lanz abwarten, wie die zweite Lesung des Polizeireglements ausgeht, die voraussichtlich am 29. März abgehalten wird. (Basler Zeitung)
Erstellt: 03.02.2010, 08:02 Uhr
KOMMENTAR SCHREIBEN
7 KOMMENTARE
Pures Imponiergehabe, passt zur imposanten Fassade des Transportunternehmers. Hintendran ist die Ökobilanz ja auch schiter: CO2-Ausstoss, Lärm, Strassenschäden, Luftschadstoffe, Feinstaub... ... und an Herrn M.F. Baumgartner: da bräuchte Pratteln wohl 1000 Bijoutiers, um annähernd so viel Lichtsmog in die Nacht zu strahlen wie ein einziger der Grossbetriebe, die da im Gespräch sind !
Als Amateurastronom bin ich für Licht aus in der Nacht. Das muss gesamtschweizerisch geregelt werden. Man denke an den Energieaufwand um Insekten an Lampen verrecken zu lassen, Vögel in die Irre zu führen, Menschen den Schlaf zu stehlen, den Sternenhimmel zu konkurenzieren. All dies wegen der Reklame und Stadtbehörden, die ihre "Werke" beleuchtet sehen wollen. Die Menschheit spinnt immer mehr.
@Walther: Sie können ja bei Ihnen zuhause das Licht brennen lassen als Ausgleich. Wo ist der Schaden, wenn die Beleuchtung nicht ganze Nacht an ist? Wenn das Selbstkasteiung sein soll, dann scheinen wir wirklich sehr verwöhnt zu sein.
Können die Menschen nicht mehr leben ohne permanente Wahnvorstellung die Welt in den Abgrund zu stürzen.? Das Abstellen von ein paar Neonfunzeln bringt nicht mal eine Kommastelleneinsparung. Unsere Städte sind nachts schon mager beleuchtet, was soll man da noch abstellen. Dies ist Ausdruck einer Gesellschaft die nur noch Erfüllung in Selbstkasteiung findet. Traurig.
Hurraaa ! ......Jedem Kaff sein eigenes Polizeireglement.. Was unterscheidet ein Gewerbegebäude von einem Bijouterie-Laden ? Der letzgenannte Ladenbesitzer verplichtet sich gegenüber seiner Versicherung, das Schaufenster zwecks versuchter Einbrüche zu erhellen. Energie sparen in Ehren, aber wo fängt der gute Willen an und wo hört er auf ?
Finde ich eine gute Sache. Weniger aus umwelttechnischen als aus ästhetischen Gründen. Heute kann man die Schönheit des Sternhimmels nur noch erahnen. Und so schön sind die Gewerbebauten auch wieder nicht, dass man sie der Menscheit 24h/Tag zumuten muss. Hoffe, dass sich das schweizweit durchsetzt. Drittklassige Architektur muss nicht ausgeleuchtet werden.
Bravo Pratteln, Ihr geht mit dem guten Beispiel voran. Die Vögel, vorallem in den Zug-Zeiten, leiden am meisten an der sinnlosen überdimensionierten Beleuchtung unserer Städte u. Dörfer. Es gibt keine Argumente, weshalb Häuser u. Reklamen die ganze Nacht brennen müssen. Auch das ist wieder ein Ausdruck von unserem überbordenden Wohlstand, der immer mehr zum Fluch wird anstatt zum Segen!
Basel
- 18:06Nackt in Zelle: Rechtsprofessor kritisiert Gefängnisleitung
- 17:30Basler Forscher finden schützende Elemente gegen Blutkrebs
- 15:04Mann im eigenen Haus überfallen
- 13:12Nackte Tatsachen bei Brand an der Heuwaage
- 12:01Motorradfahrer schlittert unter Auto
- 11:52Jugendliche mit Eiern und Brandsatz beworfen
Meistgelesen in der Rubrik Basel
Bildungsbeilage
Leserfotos
ZISCH - Zeitung in der Schule
Reinacher Zeitung online
Publireportage
Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung
ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.
Wetter:






