Basel
Nik Hartmann und die empfängnisbereiten Amazonen
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 17.08.2012 3 Kommentare
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Nik Hartmann ist ein Mann des Volkes. Die Frauen liegen ihm zu Füssen, Männer wollen mit ihm ein Bier trinken und Eltern wünschen sich ihn zum Schwiegersohn. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Die Sendungen des 40-jährigen sind mir kaum bekannt, den TV-Liebling kenne ich vom Titelblatt der Schweizer Illustrierten an der Coop-Kasse.
Da sitzt er nun und berichtet von seinen Erlebnissen vor und hinter der Kamera, vor allem natürlich von denen bei den SF-Quotenbolzen «SF bi de Lüt» und «Über Stock und Stein». Den Bart hat er zu Hause gelassen. Die rund 180 meist etwas älteren Besucher im gut gefüllten Arlesheimer Forum Würth hängen Hartmann an den Lippen. «Jabba sitzt jetzt ausgestopft bei uns in Zug», erklärt der Entertainer den Verbleib seiner unlängst verstorbenen Hündin, welche ihn vier Mal drei Monate lang über Stock und Stein durch «die schönste Kulisse der Welt» begleitet hatte. Ist natürlich ein Scherz.
Die Amazonen von Schwarzsee
Die Hundedame wurde «nach dreizehn erfüllten Jahren und einem tollen Leben» wegen einer Magenverdrehung eingeschläfert und kremiert. Dass sich die Mischlingshündin zum TV-Star und Publikumsliebling mauserte, sei kein Marketing-Gag gewesen, sondern Zufall. «Ja, du darfst drei Monate weg – aber nimm wenigstens den Hund mit», soll seine Frau Carla vor der ersten Staffel «Über Stock und Stein» gesagt haben.
Hartmann springt laufend von vorgelesenen Wanderpassagen zu Plaudereien aus dem Nähkästchen. Und zurück. Auch für Slapstick-Einlagen ist er sich nicht zu schade – etwa als Roger-Schawinski-Imitator oder indem der Fernsehstar seinen gemächlichen Wander-Schritt demonstriert, den er sich für die SF-Kamera aneignen musste. Natürlich sind diese Blicke hinter die TV-Kulisse besonders spannend. Wenn Hartmann einen herzhaften Empfang «der zeugungs- und empfängnisbereiten Bevölkerungsgruppe» in einer abgelegenen Gegend im freiburgischen Schwarzsee schildert und dabei den Vergleich zu abgeschiedenen Amazonas-Völkern zieht, bleibt kein Auge trocken. «Habe ich das wirklich geschrieben?!», witzelt Hartmann, dessen Humor und Understatement sich wie ein roter Faden durch den Abend ziehen.
«75 bis 80 Prozent sind wir auch wirklich gewandert»
Als Schlager-Sternchen Melanie Oesch einmal auf einer Wanderung wie gewohnt ihr Schoggistängeli ins Schwöbli bohrte, hätten er und seine ebenfalls knapp aus der Pubertät gekommenen SF-Kollegen das natürlich «wahnsinnig lustig gefunden». Weniger lustig war bei den Drehs teilweise das launische Wetter und die damit verbundenen Konsequenzen. Da kann schon einmal das Auto oder ein Helikopter zum Einsatz kommen. Diese kleinen Mogeleien, von denen der TV-Zuschauer normalerweise nichts mitbekommt, kostet und schmückt Hartmann genussvoll aus. Sie ja schliesslich das Salz in der Suppe, wenn es darum geht, das Erlebte in einem Wandertagebuch zweitzuverwerten. Auch das ist Konvergenz. «Aber 75 bis 80 Prozent der vorgegebenen Route sind wir auch wirklich gewandert», stellt Hartmann klar. «Und wir waren immer selber auf dem Gipfel.»
Dem 40-Jährigen ist durchaus bewusst, dass er mit seinen insgesamt zwölf Monaten «Über Stock und Stein» einen Traumjob gefasst hatte. «Es war einfach nur schön», erinnert sich Hartmann, «wenn wir das Gefühl gehabt hätten, wir arbeiten, hätte das nicht funktioniert». Er sei jedenfalls sehr dankbar, dass er seine Füsse während vier mal drei Monaten habe amortisieren dürfen.
Nach kurzlebigen eineinhalb Stunden Wandern und Witzeln quer durch die Schweiz lädt Hartmann die Anwesenden im Forum Würth augenzwinkernd zum «Apéro auf meine Kosten». Allgemeines Gelächter. Er hat sie bis zuletzt im Sack, die 180 Anwesenden. Ich kann nachvollziehen, warum. Höchste Zeit also für ein Bier mit Hartmann. Aber der ist mit glühendem Handgelenk damit beschäftigt, seine Bücher zu signieren. Nik Hartmann «bi de Lüt». Und sie sind bei ihm. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.08.2012, 12:15 Uhr
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3 Kommentare
Dass N. Hartmann ein begnadeter Werbeprofi in eigener Sache ist, dürfte bekannt sein. Jeder, der noch ein wenig rüstig und nicht zu faul zum wandern ist, kann quer durch die CH latschen, kein Problem. Dazu braucht es weder einen grosse Hund mit roter Schärpe (Shaba) noch Begleitung. Anonsten kommen bei mir seine Sprüche nicht so recht an, weil er aus Ziri kommt? Was der kann, kann ich schon lange. Antworten
Basel
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