Basel
Türkischer Metzger prellt viele Bauern
Von Franziska Laur. Aktualisiert am 28.03.2009 9 Kommentare
Enttäuscht. Ein Metzger hat Erhard Wächter nur Dreck und Schulden hinterlassen.
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Das 900-Seelen-Dorf Oeschgen schmiegt sich an den Fuss des Frickbergs. Eben noch befand sich die Gemeinde im Festtaumel, denn einer der Ihren – Alex Hürzeler – wurde zum Regierungsrat gewählt. Nun ist es ruhiger geworden; an diesem regnerischen Freitagmorgen wagen sich nur die Pöstlerin und ein Hundehalter auf die Dorfstrasse.
Erstaunlich ruhig sind auch diejenigen, die von einem türkischen Metzger noch Geld zugute haben. «Vergangenen Samstag ist er verschwunden und hat mir einen Haufen Dreck hinterlassen. Eine Monatsmiete ist er mir auch noch schuldig», sagt Erhard Wächter. Sein hofeigenes Schlachthaus hat er für viel Geld modernisiert. Viele Jahre arbeitete sein Sohn dort. Seit er fortgezogen ist, muss der 60-jährige Erhard Wächter es fremdvermieten. «Ich habe es ausgeschrieben. Zunächst kam ein Jugoslawe, doch schon mit ihm hatte ich kein Glück», sagt der gesundheitlich angeschlagene Mann.
«Selten habe ich jemanden so schuften sehen»
Darauf sei ein korrekt wirkender 28-jähriger Türke erschienen und habe mit ihm gleich einen Vertrag bis zum Jahr 2016 abschliessen wollen. «Noch selten habe ich jemanden so schuften sehen», sagt Wächter. Der Türke habe tonnenweise Fleisch verarbeitet und den Bauern zunächst auch gute Preise für die Tiere bezahlt. Dies sprach sich in der Region herum. Immer mehr Landwirte brachten ihre schlachtreifen Tiere nach Oeschgen.
Nach drei Monaten aber hinterlässt der Metzger viele Gläubiger. Rund 150 000 Franken seien ausstehend, schätzt Wächter. Der neue Metzger habe auf ihn sehr seriös gewirkt, sagt auch Bauer Mike Ehrsam. Und da auch er die Metzgerei in der Nähe schätzt, hat er dem Türken eine Kuh gebracht. Die 1950 Franken – wie üblich in der Branche per Handschlag besiegelt – ist ihm der Türke noch schuldig. Schade, denn gerade bei Notschlachtungen sei das nahe gelegene Schlachthaus wichtig. Solche Einrichtungen gebe es nicht viele, so Ehrsam.
Schriften noch da
Die Schriften des Türken seien noch in Oeschgen deponiert, sagt Gemeindeschreiber Roger Wernli. Da er erst vor drei Monaten vom Kanton Thurgau hergezogen ist, sei auch die Bewilligung des Migrationsamtes noch ausstehend. Tele M1 hat recherchiert, dass der Türke schon im Thurgau eine Schlachterei betrieb; auch dort lediglich drei Monate.
Wernli vermutet, dass der junge Türke Hals über Kopf abgereist ist, weil das kantonale Veterinäramt auf den 23. März ein Schlachtverbot über ihn verhängte. Stimmt, sagt die Aargauer Kantonsveterinärin Erika Wunderlin. Er habe Vorschriften der Lebensmittelverordnung nicht eingehalten. Am Schlachthaus sei es nicht gelegen: «Das ist ja neu.» Man habe den Mann vorgewarnt und ihm eine Frist gesetzt. Nun werde auch ermittelt, ob er einen Teil der Schlachtungen schwarz durchgeführt hat.
Wie der Laufenburger Bezirksamtmann Pius Suter sagt, wird der 28-Jährige nun zur Verhaftung ausgeschrieben. «Vorerst werden wir uns auf die Schweiz konzentrieren. Falls wir ihn hier nicht finden, müssen wir ihn international ausschreiben lassen.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 28.03.2009, 22:59 Uhr
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9 Kommentare
Wieso Profitdenken? Wenn ein Bauer - der das ganze Jahr über täglich schuftet - seine Kuh in der Nähe zum Schlachthof bringen will? Handschlag ist in dieser Branche einfach immer noch üblich und bei über 90% der Fälle problemlos! Und der Vermieter des Lokals sagt ja, dass der Metzger zuerst korrekt gearbeitet hat! Wieso also soll das richtig sein, wenn diese Leute nun alle so betrogen wurden??? Antworten
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