Basel

Weisses Gift schockiert Allschwil

Von Franziska Laur. Aktualisiert am 01.12.2011 5 Kommentare

Die Gemeinde fordert eine rasche Sanierung der Müllhalde im Elsass – und Transparenz vom Kanton.

Insektizid. Aus dem Loch in der Mitte holte Ugine Kuhlmann in Huningue den kontaminierten Kies und brachte ihn nach Hagenthal-Le-Bas (Foto aus 70er-Jahren).

Insektizid. Aus dem Loch in der Mitte holte Ugine Kuhlmann in Huningue den kontaminierten Kies und brachte ihn nach Hagenthal-Le-Bas (Foto aus 70er-Jahren).

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Wegen Gift im Lörzbach fordert Allschwil ein Fisch- und Tränkverbot vom Kanton Baselland. Braucht es für den Lörzbach Sofortmassnahmen?

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Beschaulich plätschert der Lörzbach vor sich hin. Nichts deutet in der idyllischen Gegend darauf, dass in diesem kleinen Gewässer giftige Substanzen schwimmen. Der Bach ist verseucht mit Hexachlorcycolhexan (HCH).

«Wir sind überrascht und verärgert», sagt Anton Lauber, Gemeindepräsident von Allschwil. Nun stelle sich heraus, dass auch der Lörzbach belastet sei und das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) schon lange darüber Bescheid wusste. Und dies nachdem man endlich erreicht habe, dass die Deponien Roemisloch und Le Letten saniert wurden. «Das ist erschreckend», sagt Lauber zu diesem neuen Schlag. Der Gemeinderat berief gestern Nachmittag eine Krisensitzung ein. Fazit: Man erwarte vom Kanton, dass er ein provisorisches Fisch- und Tränkverbot entlang des Lörzbaches erlasse. Ausserdem müsse er dringend mit den französischen Behörden Kontakt aufnehmen und eine Sanierung der kontaminierten Stelle fordern.

Umweltschützer schlagen Alarm

Alarm geschlagen hatten die Umweltschützer von Pinguin Planet und der selbstständige Baselbieter Umweltexperte Martin Forter. Wie sie mitteilen, lagert auf einem privaten Firmengelände im elsässischen Hagenthal-le-Bas seit 1972 Beton und Kies des einstigen Hüninger Firma Ugine Kuhlmann – belastet mit dem krebserregenden HCH.

Gewässerexperte Adrian Auckenthaler von AUE wehrt sich gegen den Vorwurf, schon lange über die Belastung informiert gewesen zu sein: «Wir haben in den Jahren 2004 und 2005 vier Screenings durchgeführt. In einer der Proben haben wir Spuren von HCH gefunden», sagt er. Erst wenn bei drei Screenings dieselbe Substanz gefunden werde, könne man davon ausgehen, dass sie tatsächlich im Wasser vorkommt. «Es gab deshalb keinen Anlass, weitere Massnahmen durchzuführen», sagt Auckenthaler. Man werde nun zusammen mit dem Veterinäramt Nachkontrollen durchführen – und mit den französischen Behörden die Situation prüfen.

In offenem Gelände abgelagert

Dies begrüsst Gemeindepräsident Anton Lauber – doch es reicht ihm nicht. «Ich will nun vom Kanton möglichst schnell wissen, wie die Sanierung angepackt wird», sagt er. Dies dürfte allerdings noch eine Weile dauern. Immerhin wussten die französischen Behörden seit dem Jahr 1972 von der Verunreinigung des Lörzbaches und taten nichts. In früheren Zeiten war es durchaus üblich, Giftmüll im freien Gelände zu entsorgen. Weder Behörden noch Bevölkerung waren sensibilisiert. Ganze Absenkungen wurden mit kontaminiertem Müll aufgefüllt, oben weideten Kühe, die Bevölkerung trank die Milch. Damals hatte man auch noch nicht die feinen Messgeräte von heute. Die Situation mit dem kontaminierten Material in Hagenthal-Le-Bas allerdings ist auch aus dem Grunde unschön, weil unter der Ebene im Elsass ein riesiger Grundwasserstrom liegt.

Der Lörzbach selbst fliesst nur etwa über einen Kilometer auf Allschwiler Boden. Eine unmittelbare Gefahr für die Menschen bestehe zwar nicht, sagt Lauber. Die Gemeinde Allschwil bezieht schon seit dem Jahr 2005 kein Trinkwasser mehr aus der Wasserfassung in Schönenbuch, sondern aus der Hard. Für die Umwelt ist der Müll eine grosse Belastung. «Dieser Beton liegt offen herum», sagt Martin Forter. Er enthalte bis zu 750 Gramm hochgiftiges HCH pro Kilo. «Das ist enorm», sagt er. Seit Jahren wasche der Regen das HCH ständig aus. Es kontaminiere so die umliegenden Wiesen und im Talgrund den Lörzbach. Dort würden die Fische vergiftet. Gefährdet seien auch die Fischer.

Auf der Schweizer Strecke wird der Lörzbach allerdings nicht übermässig genutzt. Die Anwohner des einzigen grossen Hofes am Lörzbach beispielsweise, Ruedi und Elisabeth Mosimann von der Lörzbachmühle, beziehen das Wasser für ihre 40 Simmentaler Kühe wie für die Bewässerung der Felder aus der Trinkwasserversorgung von Allschwil. Trotzdem: Die Kiesdeponie in Hagental-Le-Bas muss sofort saniert werden. Darin sind sich Allschwil und die Umweltschützer einig. (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.12.2011, 07:28 Uhr

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5 Kommentare

Adrian Waldner

01.12.2011, 08:04 Uhr
Melden 1 Empfehlung

750 Gramm CH in einem Kilo was? Beton? Dann ist es etwas Beton in viel HCH. Irgend etwas stimmt da nicht. Antworten


Clive Thomas

01.12.2011, 09:16 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Das AUE ist ein reiner Saftladen. Da wird nur vertuscht und verdeckt und die heile Welt vorgespielt. Das AUE schont die Verschmutzer auf Kosten der Bevölkerung. Eine RIESENSAUEREI - Aber im Banenenkanton Baselland ist das jederzeit möglich und mit dem jetzigen Finanzloch leider auch Realität !!! Antworten



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