Rote Köpfe wegen Glockengeläut

Die römisch-katholische Kirchgemeinde Breitenbach-Fehren-Schindelboden sieht sich mit Lärmbeschwerden konfrontiert. Jetzt will sie handeln.

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Die Klagen über nächtliche Ruhestörung in Breitenbach und Fehren nehmen zu. Schuld daran sind aber nicht Nachtbuben, die ihr Unwesen treiben. Auf den Nerv geht immer mehr Leuten das Glockengeläut. Jede Viertelstunde geben die Glocken ein Lebenszeichen von sich. Morgens um sechs wird dann der Tag eingeläutet. Zu viel Lärm, wie Anwohner der Kirchen in Breitenbach und Fehren finden. Kirchgemeindepräsident Kaspar Sutter will deshalb die Kirchgemeindeversammlung entscheiden lassen, wie häufig die Glocken noch läuten sollen. Wie er der BaZ bestätigt, stehen zwei Varianten im Vordergrund: «Entweder wir belassen es bei der jetzigen Regelung oder wir stellen den Glockenbetrieb zwischen 22 und 07 Uhr ein.» Dadurch würde auch das Geläut morgens um sechs Uhr in Zukunft entfallen.

Der Kirchgemeinderat hat an seiner Sitzung von gestern Abend die beiden Varianten diskutiert und stellt sich hinter den Vorschlag seines Präsidenten Kaspar Sutter. Demnach werden die Stimmberechtigten an ihrer Versammlung vom 3. Dezember darüber entscheiden, ob die Glocken in Breitenbach und Fehren in Zukunft gleich häufig läuten sollen wie bis anhin oder aber der Glockenbetrieb reduziert wird. Sutter könnte sich mit einer reduzierten Variante durchaus zufriedengeben. «Die rechtliche Situation ist diffizil», sagt er. «Wir müssen damit rechnen, dass im Fall einer Klage Lärmmessungen durchgeführt werden. Der Ausgang eines gerichtlichen Verfahrens ist völlig offen.» Der FdP-Politiker möchte mit dem Glockengeläut nicht polarisieren. «Wir sind eine Kirche und streben nach Versöhnung», sagt er.

Als wenig realistisch schätzt der scheidende Kantonsrat Sutter Massnahmen zur Lärmbeschränkung im Glockenturm ein. Abklärungen in den beiden Glockentürmen hätten ergeben, dass dafür die Kosten rund 50 000 Franken betragen würden. «Der Lärmminderungseffekt ist aber minim und löst die Probleme nicht», ist Sutter überzeugt.

Eine Umfrage des Kirchenrats in der Region hat ergeben, dass bereits einige Kirchgemeinden ihr Geläut reduziert haben. «In Dornach hat die Betriebseinstellung ab 22 Uhr keine negativen Folgen gehabt», weiss Sutter. Es sei zu keinen Reklamationen von glockenfreundlichen Gläubigen gekommen.

Aktuell geworden war das Thema in Breitenbach, als ein Vermieter bei Sutter vorgesprochen hatte. Er hatte angegeben, dass eine Mieterin wegen des Glockengeläuts die Wohnung gekündigt habe. Auch ein Restaurant-Besitzer, der Hotelzimmer vermietet, war vorstellig geworden. Übernachtungsgäste würden sich zunehmend über die Glocken ärgern, hatte er beanstandet. Auch in Fehren sei es in letzter Zeit vermehrt zu Reklamationen gekommen. Das Bundesgericht hatte sich in diesem Frühling hinter nächtliches Glockengeläut gestellt. Es gewichtete in seinem Urteil die althergebrachte Tradition stärker als das Ruhebedürfnis eines Einwohners von Gossau. Aus diesem Grund sei es zulässig, dass der Schall bei gekipptem und nicht bei offenem Fenster gemessen werde, argumentierten die höchsten Schweizer Richter. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 11.11.2008, 16:21 Uhr)

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