Basel
Andere Kultur, andere Pflege
Von Dina Sambar. Aktualisiert am 22.11.2010 7 Kommentare
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Immer mehr Migranten kommen ins pflegebedürftige Alter. Brauchen Spitex und Pflegeheime fremdsprachige Betreuer, um Verständigungsschwierigkeiten zu vermeiden?
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Wenn sich Betreuer und Patient nicht verstehen, kann das zu Schwierigkeiten führen. Noch fallen diese kulturellen und sprachlichen Hindernisse nicht gross ins Gewicht, sagt Gaby Graf, Zentrumsleiterin der Spitex Birsfelden. Trotzdem kann sie sich vorstellen, was auf sie zukommen wird. Denn bereits jetzt betreut die Spitex Menschen, die aus völlig verschiedenen Kulturkreisen kommen. Heute steht ein Besuch bei der Familie Sivalingam aus Sri Lanka auf dem Programm. Als Drillingseltern bekommen diese automatisch Hilfe von der Gemeinde. «Am Anfang war es ganz schwierig ihnen zu erklären, was die Spitex macht. Wir wollten ihnen helfen, doch sie haben gar nicht verstanden, was wir wollen», erinnert sich Graf. Nach ersten Verständigungsschwierigkeiten hat die Familie die Spitexhilfe dann dankend angenommen.
Mangelhafte Deutschkenntnisse
Doch nicht immer verläuft die Verständigung zwischen den Kulturen reibungslos. Während es bei den Sivalingams um kleine Dinge ging, wie zum Beispiel den Vater davon zu überzeugen, dass Kinder auch bei kaltem Wetter aus dem Haus können, kann es in anderen Fällen schwieriger sein, Vertrauen aufzubauen. Spitex-Pflegefachfrau Michèle Lüdi erzählt von einem Fall, bei dem sie von einer indischen Familie nicht richtig in die Wohnung gelassen wurde, sondern ihrer Patientin eine Insulinspritze in einem absolut leeren Zimmer geben musste. Da die Frau kein Wort Deutsch oder Englisch verstand, konnte Lüdi ihr nichts erklären. Als die Blutzuckerwerte der Frau stiegen, stand Lüdi vor einem weiteren Problem: «Diese Werte haben mit dem Essverhalten zu tun. Doch sogar wenn ich ihre Sprache verstanden hätte, wäre es sehr schwierig gewesen, denn ich kenne ihre Esskultur nicht.» Manchmal kann die Spitex gar nicht helfen. Zum Beispiel wenn eine junge Pflegefachfrau von einem älteren Familienoberhaupt nicht anerkannt wird.
«Da werden in Zukunft sicher noch mehr Herausforderungen auf uns zukommen», sagt Gaby Graf, die in Birsfelden in einer Gemeinde mit überdurchschnittlich hohem Ausländeranteil tätig ist. Das sagt auch Giuseppe Ribaudo, Präsident von Pro Migrante, einem Verein für Migranten im Alter. Eine Studie, die Pro Migrante durchführen liess, bestätigte, dass die meisten ehemaligen italienischen und spanischen Gastarbeiter mangelhafte Deutschkenntnisse haben. Ähnliches gilt wohl auch für die erste Generation der türkischen Einwanderer.
Auch im Tod anders
Auch Alters- und Pflegeheime werden bald vor neuen Herausforderungen stehen, sagt Jürg Rohner, Präsident des Verbandes Baselbieter Alters-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen (BAP). Rohner wirft mehrere Fragen auf, mit denen sich Pflegeheime in Zukunft befassen müssen: «Als Erstes stellt sich die Frage der sprachlichen Verständigung. Muss man Personal aus den jeweiligen Ländern anstellen? Zweitens, ist die Küche für die neuen Essgewohnheiten eingerichtet?» Das Ganze gehe noch weiter bis hin zu religiösen Fragen: «In einem Pflegeheim stirbt man in der Regel. Ich habe mir sagen lassen, dass die Sterberituale bei Muslimen ganz anders sind. Auch darauf muss man sich vorbereiten», so Rohner.
«Bei den Migranten besteht der Wunsch, dass man in der Pflege und Betreuung auf ihre sprachlichen und kulturellen Eigenheiten eingeht», sagt Giuseppe Ribaudo. Er könnte sich vorstellen, dass Secondos diese Pflege übernehmen. «Das Isolationsrisiko ist gross, wenn die Kommunikation nicht gewährleistet ist. Für viele alte Menschen ist der halbstündige Spitex-Besuch der einzige Kontakt, den sie täglich haben», so Ribaudo. Diesem Wunsch sei die Spitex zum Teil schon nachgekommen, sagt Gaby Graf. Allerdings stelle sich dann wieder ein neues Problem: «Viele betagte Schweizer wollen keine ausländische Hauspflege», so die Zentrumsleiterin. Sowohl Spitex wie auch Pflegeheime werden bald Lösungen für diese Schwierigkeiten finden müssen: «Wir sind noch ganz am Anfang. Weil dieses Problem erst in den nächsten Jahren gehäuft auftreten wird, haben sich viele noch nicht damit befasst», so Rohner. Doch nun steht das Thema auf der Traktandenliste der Spitex-Fachveranstaltung, die diesen Dienstag in Liestal stattfindet, und bei der auch der BAP mitwirkt.
Die Familie Sivalingam wird von den sprachlichen Hürden im Alter wohl nicht betroffen sein. «Schreiben Sie, die Spitex ist gut. Die Kinder schauen deutsche Bücher an und lernen die Sprache», sagt Murugaiya Sivalingam auf Deutsch. Und auch seine Frau hat, wie Graf erfreut feststellt, ihr Deutsch enorm verbessert. (Basler Zeitung)
Erstellt: 22.11.2010, 07:23 Uhr
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7 Kommentare
Ich sehe nicht ein wieso ich mich als seconda jetzt auch noch für das Problem zur verfügung stellen lassen soll. Sollen sich doch die echten Schweizer um dieses Problem kümmern. Diese welche diese Leute vor 40 Jahren hergeholt haben...und immer noch das gefühl haben das diese Leute nach dieser Zeit nicht hierhergehören. Secondas sind Schweizer ob es Passt oder nicht..... Antworten
Ich denke immer noch, wer hier in der Schweiz sein will, der muss sich anpassen. Diese Aussage macht auch vor dem Alter kein halt. Wer seinen Traditionen oder speziellen Vorlieben nach betreut werden will, soll dies auch dort bekommen wo diese "Standart" sind. Dieser extreme Anpassungskurs den wier wieder einschlagen ist der Anfang von vielen Problemen, welche sich andere Kulturen nicht machen! Antworten
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