Basel

Arlesheimer Anwohner wollen SBB-Leitung bodigen

Eine neue Stromleitung sei nötig, damit den Loks auf dem Schienennetz nicht der Strom ausgehe, sagen die SBB. Die Anwohner werfen ihr aber eine «katastrophale Informationspolitik» vor und wehren sich gegen den Ausbau des Stromnetzes.

(Bild: Keystone)

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Als der Kran beim Bahnhof Dornach-Arlesheim in Stellung gebracht wurde, dachten sich die Anwohner noch nichts dabei. Denn das Bahnhofsgebiet ist schon seit Monaten eine Grossbaustelle. Am nächsten Morgen war die Empörung in der Arlesheimer Austrasse dann aber gross. Denn direkt nebenan stand plötzlich eine Reihe Betonmasten, 26 Meter hoch, und oben hing eine neue Hochspannungsleitung mit vier Leiterseilen.

Die Anwohner protestierten bei der Gemeinde, beim Stromunternehmen und bei den SBB und erfuhren schliesslich, dass die neue Übertragungsleitung über der Bahnlinie 132 Kilovolt (kV) hat – doppelt so viel wie die unauffällige Leitung von 1933, die sie ersetzen soll. «Unglaublich, was uns die SBB da in einer Nacht- und Nebelaktion vor die Haustüre gestellt hat», sagt ein Anwohner. Es habe einige öffentliche Informationen über die neue Verkehrsdrehscheibe Dornach-Arlesheim gegeben, von einer neuen Hochspannungsleitung sei aber nie die Rede gewesen: «Mit diesem Vorgehen können wir uns nicht abfinden.»

Ende Februar, knapp einen Monat nach der Installation, haben die SBB ein erstes Mal auf die Proteste reagiert. «Wir mussten feststellen, dass Sie leider nicht über den Baubeginn informiert wurden», erklärten die SBB damals in einem Rundschreiben an die «Anwohnerinnen und Anwohner der Baustelle Verkehrsdrehscheibe Arlesheim/Dornach». Die alte Leitung würde auf der gesamten Linie Muttenz–Delémont durch eine 132-kV-Leitung ersetzt. Der aktuelle Ausbau zwischen Arlesheim und Aesch sei vorgezogen worden, damit er zusammen mit der Neugestaltung der Verkehrsdrehscheibe ausgeführt werden könne.

Mit dieser Erklärung gibt man sich in Arlesheim aber nicht zufrieden. Das zeigte sich am Donnerstagabend bei einem Treffen mit der BaZ, zu dem 13 Anwohner erschienen, die namentlich aber nicht erwähnt werden möchten. «Es geht hier nicht um Einzelpersonen. Gegen diese Masten wehrt sich die ganze Austrasse», sagte ein Anwohner. «Wir sorgen uns um unsere Gesundheit, den Wert unserer Häuser und finden die Masten erst noch hässlich.»

In einem Schreiben werden sie die SBB nun auffordern, genauer über das Projekt zu informieren und Alternativen zu prüfen. Im Gegensatz zu den Fahrleitungen müssten die Übertragungsleitungen zwischen den Kraftwerken und Unterwerken nicht unbedingt entlang der Bahnlinien gebaut werden. Möglich wäre es auch, die Leitung in den Boden zu verlegen.

Die neuen Masten gleich wieder abreissen – das wollen die SBB aber keinesfalls. «Die132-Kilovolt-Leitung ist nötig, damit der zunehmende Bahnverkehr zuverlässig mit Strom versorgt werden kann», sagt SBB-Sprecher Roman Marti. Ihm zufolge müssten sich die Anwohner auch keine Sorgen wegen der elektromagnetischen Felder machen: «Das neue System hat eine sehr grosse Schutzwirkung», sagt er. Die Verordnung des Umweltschutzgesetzes über die nichtionisierenden Strahlen werde vollumfänglich eingehalten. Darum sei das Projekt am 23. Dezember 2008 vom Bundesamt für Verkehr bewilligt worden.

Zuvor, im August 2007, seien die Pläne auch in Arlesheim öffentlich aufgelegt worden. Damals reagierte in der Austrasse aber noch niemand. Eine Anwohnerin begründet das so: «Von einem Ersatz der alten Leitungen hat man vielleicht mal was gehört – aber wer hätte dabei schon an solche riesigen Masten gedacht?» (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.03.2009, 13:06 Uhr

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12 Kommentare

martin schuler

09.03.2009, 13:29 Uhr
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Alles wurde genau publiziert und öffentlich in den Zeitungen ausgeschrieben - uns an der Bahnhofstrasse in Dornach - (Fortsetzung der Austrasse, Arlesheim) war allen Anwohner klar, was hier gebaut wird/wurde. Ich kann diese Aufregung ganz und gar nicht verstehen. Martin P. Schuler, Gemeinderat, Dornach Antworten


Steve Walthard

07.03.2009, 21:36 Uhr
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Strom, Handys, Flugzeuge, Autobahnen etc. wollen wir alle, aber sobald die Infrastruktur in der Nähe des eigenen Wohnortes angepasst werden soll, gibt's tausend Ausreden, weshalb das an diesem Ort unmöglich gehen sollte. Unser Rechtsweg-Staat ist zum Tummelplatz der Egoisten geworden und wird sich noch zu Tode prozessieren... Antworten


Chris Schmidlin

07.03.2009, 19:42 Uhr
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Warum werden solche Hochspannungs-Leitungen nicht in den Boden verlegt? Es handelt sich ja offensichtlich um ein langfristiges Investment, da müssten die Mehrkosten doch keine Rolle spielen? Leitungen im Boden ja auch vor der Naturgewalt Sturm viel besser geschützt. Antworten


Sergio Viva

07.03.2009, 19:01 Uhr
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@All diejenigen, welche diese Masten inkl. Elektrosmog verharmlosen! Bin mir sehr sicher, dass diese Personen als Erste gegen diese hässlichen Masten einsprechen würden. Natürlich tun sie es nicht, weil sie nicht selber betroffen sind. Aber eben... Antworten


Michel Müller

07.03.2009, 14:09 Uhr
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Ich denke die Bevölkerung soll da mal nicht so überrascht tun denn alle die so sachen Interessiert gibt es regelmässig das Kantonsblatt zu kaufen wo alle Bauentscheide pupliziert werden und auch offengelegt ist wo man in die Pläne einsicht nehmen kann. Wie die SBB mitteilt die Pläne waren öffentlich aufgelegt. Antworten


Peter Rubin

07.03.2009, 13:47 Uhr
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Ich frage mich immer, wer war zuerst da die Bahn oder die Häuser? Tram und Zuglärm stören nicht, aber die Masten? Haben wir keine anderen Probleme? Antworten


Roland Schwaller

07.03.2009, 13:25 Uhr
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Als Anwohner war ich sehr erstaunt über die Ausmasse der Masten. Was jetzt aber viel wichtiger ist dass jemand ganz klar informiert. 1. Wie schädlich sind diese 132KV Leitungen. 2. Wieviel Wertverlust hat nun eine Immobilie. 3. Für Mieter, wieviel muss nun der Mietzins gesenkt werden. Die BAZ könnte doch die Leser über diese Fragen informieren und so den betroffen helfen. Antworten


erni schwarz

07.03.2009, 13:16 Uhr
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Zumstein@ Sie haben so Recht! Wenn es nach den linken ginge, müssten alle Bahn fahren. Nur dass die Bahn mit Strom fährt, will man nicht wahrhaben! Strom ist eben doch nicht so sauber wie alle denken. Wenn sich jedes Dorf gegen neue Leitungen wehrt, wird es in der Schweiz bald keine Bahn mehr geben! Also holt die alten Diesellok wieder heraus und lasst uns die guten und alten Zeiten hochleben Antworten


Peter Waldner

07.03.2009, 12:38 Uhr
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Die SBB mag ja Recht haben - die Stromversorgung ist nötig. Was aber spricht gegen Rücksichtnahme auf die Bevölkerung bezüglich Gestaltung und Information? Der öV ist nötig und wichtig, aber er gibt seinen (zu) mächtigen Betreibern nicht das Recht auf Verschandelung und Rücksichtslosigkeit. Bedenke, was ein einfacher Bürger nur schon alles einhalten muss, wenn er am eigenen Haus was verändern will Antworten


tino blocker

07.03.2009, 10:42 Uhr
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Es geht auch ohne Strom. Lasst die Bahn doch mit der Diesellok fahren. CO2 und Feinstaub sind offenbar weniger schlimm sind als eine Hochspannungsleitung. Antworten


Karl KELLER

07.03.2009, 10:36 Uhr
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wir werden immer wie mehr den Spielball der Grossen und träumen fröhlich weiter. es ist doch schon so bei den Banken, Versicherungen, Ernährung usw. und jetzt auch bei der SBB Antworten


Hans Zumstein

07.03.2009, 10:11 Uhr
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Tja, Bahnfahren wollen sie alle, wenn möglich mit einem 15 Min Taktfahrplan. Es ist ähnlich wie mit den mobil Telefon Antennen: Viele möchten via mobil Telefon immer noch mehr Dienstleistungen wie TV, Internet usw. Dass all diese Wünsche massive Ausbauten bei der Infrastruktur zur Folge haben, wollen viele nicht zur Kenntnis nehmen. Aber auch da gilt: dr' batze, s'weggli und s'uusegäld git's nitt! Antworten



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