Basel

Auf der Jagd nach Ehebrechern

Von Dina Sambar. Aktualisiert am 02.09.2012 13 Kommentare

Privatdetektiv Max Steiner erzählt, wie man betru?gerischen Partnern auf die Schliche kommt. Er hat einen krisensicheren Job.

Privatdetektiv Max Steiner verfolgt, fotografiert und belauscht Fremdgänger – bis er die Beweise fu?r den Betrug hat.

Privatdetektiv Max Steiner verfolgt, fotografiert und belauscht Fremdgänger – bis er die Beweise fu?r den Betrug hat.
Bild: Mischa Christen

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Ist mein Ehemann, meine Freundin treu? Schlagerstar Francine Jordi stellte sich diese Frage auch. Als ihr die nagende Unsicherheit keine Ruhe mehr liess, las sie in der Nacht heimlich eine verfängliche SMS ihres Partners Florian Ast. Es war das Ende der Vorzeige-Promi-Beziehung. Was Jordi getan hat, haben schon viele getan – obwohl das heimliche Lesen von fremden SMS moralisch fragwürdig ist. Die Kontrolle via elektronische Medien hat Einzug in unsere Gesellschaft erhalten. SMS- und E-Mailkontrolle sind nur der Anfang. Für 397 Euro kann man im Internet ein Programm kaufen, mit dem man nicht nur die SMS und E-Mails eines Telefons lesen kann, sondern auch aufgezeichnete Telefonate abhören, das Handy via GPS orten, den Umgebungston des Natels aufnehmen und Fotos schiessen. Der in Deutschland ansässige Versand verkauft dieses Produkt 700-mal – täglich! Allerdings nur für gewerbliche und behördliche Zwecke. Andere Online-Shops bieten vergleichbare Programme jedoch explizit auch Normalbürgern an. Lediglich eine kleine Notiz weist darauf hin, dass man doch bitte die Gesetzgebung im eigenen Land beachten solle.

Wer sich die Hände nicht selber dreckig machen will, beauftragt einen Privatdetektiv. In Zürich sei das richtig «in», sagt Max Steiner von der Privatdetektei Basilisk. In der Limmatstadt hat er doppelt so viele Aufträge wie in Basel, Bern und Luzern zusammen. Doch auch hier in der Region laufe das Geschäft nicht schlecht.

Wie auf Befehl klingelt sein Handy. Eine Frau will das Fahrzeug ihres Ehemannes mittels GPS überwachen lassen. Sie vermutet, dass er sie mit einer anderen Frau betrügt. «Das Problem ist, dass das Fahrzeug ihr gehören muss, damit wir das GPS-Gerät anbringen dürfen. Aber wenn sie verheiratet sind, gehört es ja irgendwie auch ihr. Es ist eine Grauzone», sagt Steiner. Er bittet die Frau, ihm ein Foto, Interessen und Gepflogenheiten ihres Ehemannes zu mailen.

Es braucht Unverfrorenheit

Die Handy-Überwachungsprogramme aus dem Internet sind für Steiner jedoch tabu: «Wir haben viele Anfragen, bei denen Kunden eine Handy-Überwachen wünschen. Davon lassen wir die Finger. Das ist höchst illegal.» Für den privaten Computer gilt dieses Tabu hingegen nicht. Jedoch muss der Auftraggeber schriftlich bestätigen, dass der Computer auch ihm gehört. «Ich installiere ein Programm, das jeden Tastenanschlag aufzeichnet und alle zwei Minuten einen Screenshot macht. Ich mache das zwar nicht gerne, komme aber nicht darum herum», so der Baselbieter Detektiv.

Steiner ist nicht nur Cyber-Detektiv. Er schleicht seinen Zielpersonen auch real nach. Verfolgt sie mit dem Auto, fotografiert sie mit dem Teleobjektiv, versteckt sich hinter Büschen und horcht Nachbarn aus. Dabei geht er bei Frauen deutlich vorsichtiger vor als bei Männern: «Frauen werden viel schneller misstrauisch, wenn sie ein Gesicht mehrmals sehen. Männer sind offenbar viel unbesorgter und vertrauen darauf, sowieso nicht entdeckt zu werden.»

Wichtigstes Hilfsmittel bei seinen Ermittlungen ist eine gute Portion Unverfrorenheit. Um unauffällig in ein Mehrfamilienhaus zu gelangen, verteilt er beispielsweise irgendwelche Flyer in Briefkästen. Geht die Zielperson an ihm vorbei, schiebt er einen Fuss in die Haustür und merkt sich, in welchen Stock sie geht. Danach lauscht er an der Wohnungstür, um zu erfahren, was im Innern von sich geht. Wieder so eine Grauzone. Für Detektive sei es enorm wichtig, die Grenzen dieser Grauzonen zu kennen und auszuloten, was noch möglich sei: «Solange mich niemand wegweist, darf ich an der Haustür lauschen. Doch ich darf in privatem Raum den Ton weder verstärken noch aufzeichnen», sagt Steiner. Das sei auch der Vorteil der Privatdetektive gegenüber Polizisten. Polizisten könnten es sich nicht leisten, beim Lauschen an ­einer Wohnungstür erwischt zu werden. Herzklopfen habe er aber schon, wenn er lausche: «Ich brauche eine verdammt gute Ausrede, wenn ein neugieriger Nachbar durch den Spion beobachtet, wie ich fünf Minuten an einer Wohnungstür klebe», sagt Steiner. Unverfrorenheit hilft auch in einer solchen Situation. «Ich kann mich beispielsweise als Zeuge Jehovas ausgeben und die Zeitschrift ‹Wachtturm› anbieten. Meist gehen die Türen dann sehr schnell wieder zu, ohne dass weiter nachgefragt wird», sagt Steiner.

Nachbarn als Hilfsspione

Solche Tricks hat der Privatdetektiv massenhaft auf Lager. So schafft er Kontakt zu Nachbarn, indem er vorgibt, ein Kurier zu sein, der dem Bespitzelten ein wichtiges Paket abgeben muss. «Nachbarn wissen viel mehr, als sie denken. Sie sind eine extrem gute Informationsquelle», sagt Steiner und erzählt von einer Aufgabe in der Detektivschule: «Wir mussten einen Nachbarn überzeugen, uns zum Kaffee einzuladen. Dabei erfährt man einiges.»

Wenn Steiner hingegen einen offiziellen Eindruck erwecken will, zückt er seine glänzende Privatdetektiv- Plakette, die aussieht wie eine amerikanische Polizeimarke. Er nennt sie schmunzelnd seine Hundemarke: «Die Leute denken, dass ich eine staatliche Funktion habe und erzählen mehr.» Die Tricks sind dieselben, egal ob er hinter einem untreuen Partner oder, wie an diesem Morgen, hinter einem notorischen Blaumacher her ist, der lieber in der Beiz ein Bier trinken geht, anstatt zu arbeiten. Kein schlechtes Gewissen

Skrupel, so ungehemmt im Leben fremder Leute rumzuschnüffeln, hat Steiner nicht: «Ich finde es nicht gut, wenn jemand Leute derart verschaukelt. Deshalb habe ich kein schlechtes Gewissen. Zudem müssen nur Leute Angst haben, die etwas zu verstecken haben.» Für ihn ist das Herumschnüffeln ein legitimes Mittel, das er, wenn Verdacht bestünde, durchaus auch bei seiner eigenen Frau anwenden würde. «Es wäre schizophren, wenn ich ausgerechnet bei mir und meiner Frau eine Ausnahme machen würde», findet Steiner. Auch die scherzhaften Sticheleien seiner Freunde, die ihn Spanner nennen, stören ihn nicht: «Das ist ja genau, was ich tue. Ich spanne. Wenn auch aus anderen Motiven.»

Wichtig sei jedoch, dass ein berechtigtes Interesse für eine Überwachung bestehe. Das kläre er im Vorfeld ab. «Die Dame, die vorher angerufen hat, verdächtigt ihren Ehemann, weil sein Fahrzeug viel zu viele gefahrene Kilometer anzeigt. Das ist ein plausibler Grund», sagt der Detektiv. Prophylaktisch dürfe er niemandem hinterherschnüffeln – weder im geschäftlichen noch im privaten Bereich: «Wenn eine Frau ihren Mann bespitzeln lassen will, nur weil er auf der Strasse anderen Frauen nachsieht, reicht das nicht», so Steiner. Die meisten Leute, denen er schlussendlich nachschleiche, könne er der Untreue überführen – Frauen gleich oft wie Männer. Absurde Fälle habe er trotzdem schon erlebt. Zum Beispiel einen betrogenen Betrüger. «Ein Wirt hat uns den Auftrag gegeben, seine Serviertochter zu observieren. Sie gehe einem unerlaubten Zweitverdienst nach. Am Schluss stellte sich heraus, dass die Kellnerin die Affäre des verheirateten Wirtes war. In Wahrheit wollte er wissen, ob seine Affäre ihn betrügt – was sie auch tat.»

Dies zu verkünden, sei die einzige Aufgabe, die er unangenehm finde an seinem Job: «Es ist zwar ein Erfolgserlebnis, jemanden in flagranti zu ertappen. Doch die Betrogenen mache ich in diesem Moment unglücklich. Es ist nicht schön mit anzusehen, wenn jemand weint.»

Max Steiner hat einen krisensicheren Job. Zwar sind die Dienstleistungen eines Detektivs ein Luxusgut (ein Tag kostet rund 800 bis 1000 Franken), doch Fremdgänger gibt es laut Studien zuhauf. Je nach Erhebung betrügen zwischen 30 bis 70 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen ihre Partner – Tendenz steigend. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.09.2012, 09:36 Uhr

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13 Kommentare

Sandra Grellinger

24.09.2012, 00:15 Uhr
Melden 31 Empfehlung 0

Vertrauen ist gut aber wenn s drauf ankommt ist Kontrolle besser. Naivität oder Gutgläubigkeit wird sich am Ende nicht auszahlen. Besser im richtigen Moment mit Klarheit einen Schluss strich ziehen als das ganze Leben vom eigenen Partner verarscht werden. Antworten


Giordano Bruni

02.09.2012, 19:19 Uhr
Melden 29 Empfehlung 0

Es gibt nur eine Lösung, weder beschattet zu werden, noch beschatten zu lassen: UNVERHEIRATET! Antworten



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