Basel
BLT-Chef bringt neue Idee in S-Bahn-Diskussion
Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 11.03.2009 13 Kommentare
Artikel zum Thema
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Ringbahn oder Herzstück? Eine S-Bahn quer durch die Basler Innenstadt oder eine Ringlinie, welche die bestehenden Gleise verwendet und die Elsässerbahn und die deutsche Bahn mit einem neuen Rheinübergang verbindet? Für BLT-Direktor Andreas Büttiker ist dies nicht die zentrale Frage. Viel wichtiger ist ihm, dass es nun zuerst eine Diskussion über die beiden Varianten gibt. Und dann einen eindeutigen Entscheid, hinter dem die ganze Region steht. Die Uneinigkeit, wie sie sich kürzlich im Ständerat zu einem Wisenberg-Vorstoss manifestiert hat, könne sich die Region nicht leisten, ist Büttiker überzeugt. Dass die Nordwestschweiz bisher nur relativ wenige Mittel aus dem Agglomerationsfonds des Bundes erhalten hat, sei mindestens zum Teil auf die politische Zerrissenheit der Region zurückzuführen. Eine S-Bahn aber sei ein Grossprojekt: «Nur bei Einigkeit werden dafür die Bundesmittel aus dem Agglomerationsprogramm fliessen», ist Büttiker überzeugt.
Der für seine Originalität bekannte BLT-Chef hat dabei ein Modell vor Augen, das in Basel bereits Grosses bewirkt hat: Für Grossvorhaben brauche es Leute, die über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus «mit Begeisterung die Sache vorantreiben». Konkret denkt Büttiker an die Kulisse, vor der die Regio-S-Bahn in den Basler Bahnhof SBB einfährt. Die grossen Bürogebäude, die hier auf ehemaligem Bahn- oder Brachareal entstanden sind, wären ohne die «Gruppe Bahnhof» nicht denkbar gewesen. Etwas ähnliches möchte Büttiker jetzt auch zur Weiterentwicklung der Regio-S-Bahn kreieren. Konkret schlägt er die Schaffung einer Gruppe Herzstück/Ringbahn vor. Diese müsse trinational sein und auch Vertreter aus dem Elsass und aus Südbaden umfassen.
Hochkarätige Delegation
Büttikers Vorschläge fallen in Basel auf fruchtbaren Boden. Bereits bisher sei in Koordination mit Baselland und den SBB geplant worden, sagt Alain Groff, Amtsleiter Mobilität beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement. Für die zukünftige Entwicklung werde aber «eine hochkarätige Behördendelegation geschaffen». Dieser würden auch Vertreter der Region Alsace, des Landkreises Lörrach und des Bundeslandes Baden-Württemberg angehören, verspricht Groff.
Büttiker selber hat sich zur Frage «Herzstück oder Ringbahn» noch keine abschliessende Meinung gebildet. Allerdings sei der Vorschlag der landrätlichen Baukommission für eine Ringbahn interessant. Besonders positiv sei, dass damit die Arbeitsplätze der Chemie besser erschlossen würden. Laut Groff lässt der Antrag der Basler Regierung zuhanden des Grossen Rates für das Herzstückprojekt Handlungsspielraum offen. Je nachdem, wie die politische Diskussion verlaufe, sei es möglich, auch die Variante Ringbahn vertieft zu prüfen. In etwa zwei Jahren müsse man sich aber auf eines der Vorhaben geeinigt haben. Dann soll der Kredit für ein Vorprojekt gesprochen werden.
Nur für Grossstädte
Die Ringbahnvariante sei bereits einer allerdings sehr generellen Überprüfung unterzogen worden, sagt Groff und lässt eine gewisse Skepsis durchblicken. Nur sehr grosse Städte hätten das nötige Verkehrsaufkommen für eine Ringbahn.
Die BaZ hat darum in der grössten Schweizer Stadt nachgefragt – beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Dominik Brühwiler, Leiter Verkehrsplanung beim ZVV, will sich zur Situation in Basel nicht äussern. Für Zürich habe es früher «sehr vage Vorstellungen von einer Ringbahn gegeben». Konkrete Projekte gebe es keine. Zürich konzentriere sich bei der S-Bahn hauptsächlich auf Durchmesserlinien, da diese das grösste Verkehrsaufkommen haben. Für ringähnliche Tangentialverbindungen seien Bus- oder (wie bei der Glatttalbahn) auch Tramverbindungen geeignet. Ring-S-Bahnen oder U-Bahnen kenne er nur von Grossstädten wie Berlin, London oder Tokio. (Basler Zeitung)
Erstellt: 11.03.2009, 11:31 Uhr
WRITE A COMMENT
13 Kommentare
Meine sogenannten "Behauptungen" stammen aus der Zweckmässigkeitsprüfung für das Herzstück, welche im Auftrag der Nordwestschweizer Regierungen erstellt worden ist. Dies sind offizielle Zahlen, welche aus Berechnungen mittels des Gesamtverkehrsmodells entstanden sind. Es bleibt: Am meisten Passagiere haben Durchmesserlinien, Ringlinien fallen dagegen klar ab (steht ja auch im BaZ-Artikel so). Antworten
@Tom Schneider: Ihren Behauptungen steht eine Umfrage unter Pendlern gegenüber, die vor ungefähr 3 Jahren von der BLT gemacht wurde: 2/3 der befragten ÖV-Benutzer möchte nicht durch die Stadt fahren - wohlgemerk jene, die in der Aglomeration arbeiten. Das spricht eine deutliche Sprache. Das natürlich die Basler Innerstadtgeschäfte keine Freude an diesem Ergebnis hat ist auch nachvollziehbar... Antworten
@Charly Bösch: Vielleicht weil die meisten Leute gar nicht aus dem Birstal ins Klybeck oder von Allschwil nach Schweizerhalle möchten? Fakt ist: Die Innerstadt ist und bleibt Fahrziel Nr. 1 - gem. Zweckmässigkeitsprüfung würden denn auch nur 16'000 Leute über den Nordbogen fahren, gegenüber ganzen 37'000 Leuten, die lieber Richtung Claraplatz fahren möchten. Ein eindeutiges Ergebnis. Antworten
Eine Ringbahn muss her. Warum in aller Welt müssen Pendler aus dem Birs- und Birsigtal umsverworgen durch die Innenstadt ins Klybek oder Sankt Johann? Oder von Allschwil durch die Innenstadt nach Muttenz oder Schweizerhalle? Die massgebenden Leute sollten doch mal richtig nachdenken. Will man der Innenstadt unbedingt mit einem Verkehrskollaps den Garaus machen? Da gibts doch nichts zu überlegen! Antworten
"Nur sehr grosse Städte haben das nötige Verkehrsaufkommen für eine Ringbahn", meint Groff. Aha, aber für eine milliardenteure U-Bahn zwischen den Bahnhöfen sind genug Passagiere vorhanden, oder was ? Das "Herzstück" bringt kaum mehr Kunden in die Innerstadt (Heimschaffen von Grosseinkäufen !). Die Ringbahn hingegen erschliesst Chemie, Industrie und Gewerbegebiete für Pendler und Besucher. Antworten
Ich finde eine ringbahn besser als eine Durchmesserbahn, aber ich frage mich wieso macht man nicht eine 8 soder gar eine doppel8. Ein Strang konnte ja über den Bhf SBB bzw. DB führen. Somit währe die Möglichkeit gegeben dass die Aglo einen Anschluss an den Bhf hat und trotzdem untereinander und mit den grossen Arbeitszentren verbunden wäre. Antworten
Herr Ott, ich bin mit Ihnen einig. Lieber bestehende Infrastrukturen nutzen und ausbauen als viel Geld aus dem Fenster werfen. Z.B. einen S-Bahnhof am Morgartenring, etc. - hätte man wirklich schon vor Jahrzehnten tun können, ja sogar müssen! Unterirdisch, quasi unterm Rhein durch macht keinen Sinn in einer Erdbeben gefährdeten Region (siehe Erdwärme-Projekt). Antworten
Die Idee einer Ringbahn habe ich schon vor über 30 Jahren in einem Leserbrief geäussert. Sie hätte den grossen Vorteil, dass u.a. die grossen Chemiefirmen direkt angeschlossen werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass diese z.T. schon bestehende Ringbahn (nur Einspurig immer in der gleichen Richtung befahren) billiger zu stehen kommt als der Bau einer U-Bahn. Antworten




Walter Helbling
Ring und Herz schliessen sich nicht aus - beide liessen sich später durchaus sinnvoll um das jeweils andere erzänzen. Vorderhand dürfte die Ringbahn (auch wenn sie "nur" 16'000 Fahrgäste anziehen sollte) das bessere Kosten-/Nutzen-Verhältnis erzielen, weil sie grösstenteils ja bereits besteht. Der Ausdruck "Ringbahn" passt übrigens nicht ganz - Vergleiche mit anderen solchen greifen ins Leere. Antworten