BLT-Chef bringt neue Idee in S-Bahn-Diskussion

Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 11.03.2009 13 Kommentare

Basel favorisiert eine S-Bahn durch die Innenstadt, die Baselbieter Baukommission postuliert eine Ringbahn. Mit einer trinationalen Gruppe soll nun eine gemeinsame Lösung gefunden werden: so wie damals beim Masterplan Bahnhof SBB.

Die grosse Frage für die Regio-S-Banh: Mitten durch die Stadt oder aussen herum?

Henry Muchenberger

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Ringbahn oder Herzstück? Eine S-Bahn quer durch die Basler Innenstadt oder eine Ringlinie, welche die bestehenden Gleise verwendet und die Elsässerbahn und die deutsche Bahn mit einem neuen Rheinübergang verbindet? Für BLT-Direktor Andreas Büttiker ist dies nicht die zentrale Frage. Viel wichtiger ist ihm, dass es nun zuerst eine Diskussion über die beiden Varianten gibt. Und dann einen eindeutigen Entscheid, hinter dem die ganze Region steht. Die Uneinigkeit, wie sie sich kürzlich im Ständerat zu einem Wisenberg-Vorstoss manifestiert hat, könne sich die Region nicht leisten, ist Büttiker überzeugt. Dass die Nordwestschweiz bisher nur relativ wenige Mittel aus dem Agglomerationsfonds des Bundes erhalten hat, sei mindestens zum Teil auf die politische Zerrissenheit der Region zurückzuführen. Eine S-Bahn aber sei ein Grossprojekt: «Nur bei Einigkeit werden dafür die Bundesmittel aus dem Agglomerationsprogramm fliessen», ist Büttiker überzeugt.

Der für seine Originalität bekannte BLT-Chef hat dabei ein Modell vor Augen, das in Basel bereits Grosses bewirkt hat: Für Grossvorhaben brauche es Leute, die über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus «mit Begeisterung die Sache vorantreiben». Konkret denkt Büttiker an die Kulisse, vor der die Regio-S-Bahn in den Basler Bahnhof SBB einfährt. Die grossen Bürogebäude, die hier auf ehemaligem Bahn- oder Brachareal entstanden sind, wären ohne die «Gruppe Bahnhof» nicht denkbar gewesen. Etwas ähnliches möchte Büttiker jetzt auch zur Weiterentwicklung der Regio-S-Bahn kreieren. Konkret schlägt er die Schaffung einer Gruppe Herzstück/Ringbahn vor. Diese müsse trinational sein und auch Vertreter aus dem Elsass und aus Südbaden umfassen.

Hochkarätige Delegation

Büttikers Vorschläge fallen in Basel auf fruchtbaren Boden. Bereits bisher sei in Koordination mit Baselland und den SBB geplant worden, sagt Alain Groff, Amtsleiter Mobilität beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement. Für die zukünftige Entwicklung werde aber «eine hochkarätige Behördendelegation geschaffen». Dieser würden auch Vertreter der Region Alsace, des Landkreises Lörrach und des Bundeslandes Baden-Württemberg angehören, verspricht Groff.

Büttiker selber hat sich zur Frage «Herzstück oder Ringbahn» noch keine abschliessende Meinung gebildet. Allerdings sei der Vorschlag der landrätlichen Baukommission für eine Ringbahn interessant. Besonders positiv sei, dass damit die Arbeitsplätze der Chemie besser erschlossen würden. Laut Groff lässt der Antrag der Basler Regierung zuhanden des Grossen Rates für das Herzstückprojekt Handlungsspielraum offen. Je nachdem, wie die politische Diskussion verlaufe, sei es möglich, auch die Variante Ringbahn vertieft zu prüfen. In etwa zwei Jahren müsse man sich aber auf eines der Vorhaben geeinigt haben. Dann soll der Kredit für ein Vorprojekt gesprochen werden.

Nur für Grossstädte

Die Ringbahnvariante sei bereits einer allerdings sehr generellen Überprüfung unterzogen worden, sagt Groff und lässt eine gewisse Skepsis durchblicken. Nur sehr grosse Städte hätten das nötige Verkehrsaufkommen für eine Ringbahn.

Die BaZ hat darum in der grössten Schweizer Stadt nachgefragt – beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Dominik Brühwiler, Leiter Verkehrsplanung beim ZVV, will sich zur Situation in Basel nicht äussern. Für Zürich habe es früher «sehr vage Vorstellungen von einer Ringbahn gegeben». Konkrete Projekte gebe es keine. Zürich konzentriere sich bei der S-Bahn hauptsächlich auf Durchmesserlinien, da diese das grösste Verkehrsaufkommen haben. Für ringähnliche Tangentialverbindungen seien Bus- oder (wie bei der Glatttalbahn) auch Tramverbindungen geeignet. Ring-S-Bahnen oder U-Bahnen kenne er nur von Grossstädten wie Berlin, London oder Tokio. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.03.2009, 11:31 Uhr

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13 Kommentare

Abdul R. Furrer

11.03.2009, 17:22 Uhr
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"Nur sehr grosse Städte haben das nötige Verkehrsaufkommen für eine Ringbahn", meint Groff. Aha, aber für eine milliardenteure U-Bahn zwischen den Bahnhöfen sind genug Passagiere vorhanden, oder was ? Das "Herzstück" bringt kaum mehr Kunden in die Innerstadt (Heimschaffen von Grosseinkäufen !). Die Ringbahn hingegen erschliesst Chemie, Industrie und Gewerbegebiete für Pendler und Besucher. Antworten


H. Hut

11.03.2009, 12:33 Uhr
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Typisch, für die Schweiz muss natürlich wieder eine sündhaft teure Lösung her. Erst wird diskutiert, dass kostet, schlussendlich entscheidet man sich für das teuerste Projekt. Dabei gibt es alternativen, wie z.B. eine Monorail wie in Sydney.... Antworten



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