Bald Radrennbahn im Baselbiet?
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Im Büro seines Veloladens im Herzen von Therwil hängt eine alte Doppelseite des Magazins der Basler Zeitung. Sie ist Hans Schrade gewidmet, dem Vorgänger von Fredy Zaugg. Dessen Namen der Laden immer noch trägt. Ein Foto zeigt Schrade auf einer Radrennbahn in einer Halle der damaligen Mustermesse, eine Holzbahn, die im Herbst montiert, im Sommer wieder zerlegt und eingelagert wurde.
Möchte Hans Schrade heute auf einer Radrennbahn seine schnellen Runden drehen, dann müsste er bis nach Aigle oder Genf reisen. Fredy Zaugg hat jetzt eine Vision: Er will eine Radrennbahn in der Region bauen. Und diese Vision beginnt langsam konkret zu werden. Mit einem rund 8000 Quadratmeter grossen Areal im Aescher Löhrenacker wäre bereits ein geeigneter Ort für den Bau des Velodroms gefunden. Der Gemeinderat arbeitet derzeit an einem Baurechtsvertrag. Wird dieser von der Gemeindeversammlung abgesegnet, steht dem Bau rein rechtlich nichts mehr im Wege.
Gewaltiges Echo
Während in Aesch am Baurechtsvertrag gearbeitet wird, rühren Fredy Zaugg und seine Mitstreiter, darunter der frühere Spitzenbanker Robert A. Jeker, kräftig die Werbetrommel. Über 1500 Mails sind verschickt worden, Inserate geschaltet, eine Homepage und eine Facebook-Gruppe – mit schon weit über 400 Mitgliedern – eingerichtet worden. Das Echo sei gewaltig, sagt Fredy Zaugg, Hunderte von Antworten habe er bereits erhalten – viel Zustimmung und viel Unterstützung. Der frühere Radprofi Stephan Mutter etwa schrieb, er freue sich heute schon auf packende Zweikämpfe. Und auf Facebook schrieb Olli Betschard: «Dann könnte ich endlich einmal den Stundenrekord ins Visier nehmen.»
Die positiven Reaktionen kamen aus der ganzen Deutschschweiz, aber auch aus der badischen und elsässischen Nachbarschaft. Die Speed-Inliner Basilisk aus Basel hätten ebenfalls bereits grosses Interesse angemeldet, sagt Zaugg weiter. Die Unihockeyspieler im Unteren Baselbiet könnten sich zudem vorstellen, auf dem Platz im Innern des Velodroms zu trainieren.
Abgespeckte Initiative
Die Initianten gehen heute von Baukosten von rund zehn Millionen Franken aus. Das Gebäude beherbergt die Radrennbahn, den Innenraum für Hallensportarten wie Fussball, Volleyball oder eben Unihockey, Büros, Umkleidekabinen, Duschen und Materialräume. Aus zonenrechtlichen Gründen mussten die Initianten das ursprüngliche Projekt massiv abspecken und auf Läden, Therapieräume und Fitnesscenter verzichten. Als Vorbild dient ihnen ein neuseeländisches Velodrom, das mit ziemlich genau zehn Millionen Franken gebaut werden konnte.
Die Initianten stehen mitten in der Vorprojektphase. Es soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, sagt Zaugg, die Finanzierung laufe über private Darlehen, Handwerkerdarlehen, Bankkredite sowie Beiträge der Kantone. Ein definitiver Businessplan aber lasse sich erst erstellen, wenn man die Bedingungen der Gemeinde kenne und natürlich die Höhe der Beiträge, welche die Kantone gewillt seien, an eine solche regionale Sportanlage zu leisten.
Sorgfältig aufgleisen
Der Aescher Gemeinderat steht dem Projekt äusserst positiv gegenüber. Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger sagt aber, dass das Projekt in allen Details genau geprüft und sorgfältig aufgegleist werden müsse. Deshalb sollen sich Ende Monat alle Beteiligten treffen – Gemeinde, Initianten, aber auch Vertreter der beiden Basler Kantone. Aesch wolle sicher gehen, dass die Idee der Radrennbahn auch praktisch umsetzbar sei, dass die AG nicht schon nach kurzer Zeit pleite gehe und Aesch vor einer Bauruine stehe. «Aesch ist zwar Standort des Velodroms, das Projekt aber muss regional abgestützt sein.» Die Gemeinde könnte von den Spielfeldern im Innern der Rennbahn profitieren. Die Platznot der vielen aktiven Aescher Sportvereine liesse sich mildern.
Fredy Zaugg hofft, dass der Baurechtsvertrag spätestens im Juni der Gemeindeversammlung vorgelegt werden kann. Dann, sagt er mit leuchtenden Augen, könnte das Velodrom im Herbst 2012 in Betrieb genommen werden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.01.2010, 15:08 Uhr
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