Basel

Baselbiet ist bis an die Zähne bewaffnet

Von Lukas Meili. Aktualisiert am 29.07.2010 14 Kommentare

Im Baselbiet hat es viel mehr Waffen als in der Stadt, so eine Studie der Uni Zürich. Und je mehr Waffen in einem Kanton zu Hause lagern, desto eher werden sie laut der Studie bei einem Selbstmord eingesetzt. Insider bestreiten, dass das Baselbiet waffenversessener sei.

Selten: Pistolen sind im Baselbiet weniger verbreitet als Sport- und Jagdgewehre.

Selten: Pistolen sind im Baselbiet weniger verbreitet als Sport- und Jagdgewehre.
Bild: Colourbox

Artikel zum Thema

Umfrage

Mehr als die Hälfte der Baselbieter Haushalte besitzt eine Feuerwaffe – in Basel ist es jeder fünfte. Beunruhigt Sie die hohe Waffendichte im Kanton Baselland?

Ja

 
46.2%

Nein

 
53.8%

236 Stimmen


Die friedliche Stadt und das verruchte Land – dieses Urteil liegt nicht allzu fern, schaut man eine gestern publizierte Studie der Universität Zürich zu Selbstmord in Zusammenhang mit Schusswaffen an. Auffällig ist dabei vor allem eine Statistik zum Schusswaffenbesitz. Demnach rangiert das Baselbiet schweizweit auf dem 2. Platz: In 53,2 Prozent der Haushalte findet man mindestens eine Feuerwaffe. Daneben wirkt die Stadt geradezu friedlich: Nur 19,6 Prozent aller Haushalte sollen laut der Studie im Besitz einer Waffe sein. Die Zahlen stammen aus der Studie «SwissCrimeSurvey», in welcher die Schweizer Kriminalität von 1984 bis 2005 untersucht wurde. Co-Autor ist unter anderen Martin Killias, der auch schon eine Studie publiziert hat, die tödliche Familiendramen in einen Zusammenhang mit der Armeewaffe stellt.

Mehr Schützenvereine

Trotzdem – ist das Baselbiet tatsächlich so viel waffenversessener als die Stadt? Fakt ist, dass laut Zahlen der Ämter für Militär Baselland und Basel-Stadt das Baselbiet mehr als doppelt so viele Militärdienstleistende aufweist, aber nicht einmal zehn Prozent mehr Haushalte hat. Das heisst, dass im Baselbiet mehr Leute ihre Dienstwaffe zu Hause haben – was die Zahl in der Statistik der Uni Zürich natürlich in die Höhe treibt. Jene Waffen, die im Zeughaus abgegeben worden sind, fallen nicht ins Gewicht: Nur 19 Baselbieter und 14 Basler Waffen wurden abgegeben.

Ein weiterer Ansatzpunkt wäre der Umstand, dass das Baselbiet eine viel grössere Tradition von Schützenvereinen aufweist als die Stadt, und auch Jäger dürfte es auf der Landschaft mehr geben. Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei, sagt, dass die Polizei 2009 rund 650 Waffenerwerbsscheine ausgestellt hat. Zwar muss der Antragssteller nur dann angeben, für welchen Zweck er eine Waffe erwerben möchte, wenn es nicht Sport-, Jagd- oder Sammelzwecke sind. «Somit lässt sich nicht sagen, welche Gründe unter diesen drei Hauptgründen effektiv dominieren», sagt Stöcklin.

Illegaler Waffenbvesitz

Zumindest etwas Licht ins Dunkel bringt Hans-Georg Spinnler, der in Grellingen ein Waffengeschäft betreibt. Er ist seit über 30 Jahren im Geschäft und kennt die Bedürfnisse seiner Kunden gut. «Unsere Kunden sind vorwiegend Jäger, Sportschützen, Sicherheitsleute, Waffensammler – aber auch Normalbürger, die zu Hause eine Faustfeuerwaffe haben wollen», sagt Spinnler. Den Anteil Letzterer schätzt er auf nur etwa zehn Prozent. «Persönliche Verteidigungswaffen sind nur unter grossen Auflagen zu erhalten.» Weit grösser sei hingegen der Anteil der verkauften Sport- und Jagdwaffen, nämlich «ungefähr 60 Prozent», wie Spinnler sagt. Der Rest entfalle auf Sammler.

Spinnler nennt denn auch noch einen anderen Grund, weshalb die Zahlen in Basel so sehr viel tiefer sind als jene im Baselbiet. «Ich könnte mir vorstellen, dass der illegale Besitz von Waffen in der Stadt sehr viel höher ist.» Diese Aussage wird auch von einem Mitarbeiter einer Basler Amtsstelle geäussert, der jedoch nicht mit Namen genannt werden möchte. Bis Redaktionsschluss war bei der Staatsanwaltschaft Basel niemand erreichbar, der diese Aussage hätte kommentieren können.

Mehr zum Thema sowie einen Tageskommentar gibt es am Donnerstag in der Basler Zeitung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.07.2010, 08:13 Uhr

14

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

14 Kommentare

Rene Grossenbacher

29.07.2010, 08:36 Uhr
Melden

Schon wieder eine Statisik, welche recht zweifelhaft erscheint. Nehmen wir einmal nur die vielen Verbrechen mit Waffen, die täglich geschehen - hauptsäclich in der Stadt - hauptsächlich von Ausländern und Fastausländern. Woher haben denn diese ihre Waffen? Wie hoch, oder wieviel höher als bei den (noch) in Basel wohnhaften Schweizern, ist das Waffenarsenal bei jener Gruppe? Wurde das auch untersuc Antworten


Adrian Hartmann

29.07.2010, 08:42 Uhr
Melden

es geht doch überhaupt nicht darum wieso BL mehr waffen hat als BS (das ist wieder einmal der typische vergleichen zw BS/BL mit dem unterton, welcher kanton der bessere/tollere/grössere ist). Es geht darum: je mehr waffen im umlauf sind, desto mehr selbstmorde werden im affekt ausgeführt. Da ist doch völlig egal ob es einen guten grund gibt wieso die waffe im haus lag, das änderet daran nichts... Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.