Basel

Baselbiet will Ringbahn in Basel

Von Hannes Hänggi. Aktualisiert am 26.02.2009 14 Kommentare

Endlich, nach jahrelangem Hin und Her und zwei gescheiterten Versuchen, liegt der dritte Entwurf des kantonalen Richtplans vor. Die Bau- und Planungskommission des Landrats hat nochmals 1000 Arbeitsstunden in das Mammutwerk investiert – und einiges geändert.

Die landrätliche Planungskommission will die Regio S-Bahn um das Stadtzentrum führen. Die Basler Regierung bevorzugt hingegen das Herzstück (Variante Mitte) mit der Möglichkeit einer Abzweigung (Variante Nord). Grafik BaZ/reh

Die landrätliche Planungskommission will die Regio S-Bahn um das Stadtzentrum führen. Die Basler Regierung bevorzugt hingegen das Herzstück (Variante Mitte) mit der Möglichkeit einer Abzweigung (Variante Nord). Grafik BaZ/reh

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Zweimal bereits erhielten die Entwürfe für den kantonalen Richtplan (Krip) die Note ungenügend. Verbände, Gemeinden und selbst der Bund zerfetzten die Entwürfe und deren «Wischiwaschi-Paragrafen» (Stellungnahme des WWF beider Basel von 2006) in der Luft. Deshalb mussten die Kantonsplaner jedes Mal wieder über die Bücher. Das unter der ehemaligen Baudirektorin Elsbeth Schneider begonnene Werk verzögerte sich und verzögerte sich. Die Planung der Zukunft des Kantons kam nicht voran. Doch nun liegt der dritte, überarbeitete Entwurf des Richtplans vor. Und diesmal könnte er durchkommen. «Wir haben sämtliche Kritikpunkte berücksichtigt», sagt Rolf Richterich, Präsident der landrätlichen Bau- und Planungskommission (BPK). Die BPK hat nämlich den Richtplanentwurf der Regierung in 1000 Arbeitsstunden, in 22 Sitzungen, nochmals gründlich durchgeackert.

Auf eine dritte Vernehmlassungsrunde wurde zwar verzichtet. Aber jene Verbände und Gemeinden, die bei den zwei vorherigen Entwürfen Gift und Galle spuckten, wurden von der BPK angehört. Auch wurden heikle Punkte aus dem Richtplan ausgekoppelt: etwa die umstrittene Südumfahrung oder der Abtausch der Kantonsstrassen. Bei diesen Punkten muss die Regierung separate Vorlagen ausarbeiten und bis in fünf Jahren konkrete Aussagen vorlegen. «Ich bin gegen Päckchenlösungen», sagt Richterich.

Direkt anfahren

Doch im nun vorliegenden Richtplan, der – sollte er vom Landrat in der Verhandlung vom März angenommen werden – so in Kraft tritt, befinden sich immer noch ein paar Stolpersteine. Ein solcher findet sich im Kapitel «Verkehr», unter dem Titel «Verbesserung des regionalen S-Bahn-Netzes durch Ringschluss im Zentrum (Herzstück Regio-S-Bahn)». Und zwar will die BPK «die heute bahnseitig schlecht erschlossenen Teile des Agglomerationszentrums» künftig mit der S-Bahn direkt anfahren. Mit einer Art Ringbahn um Basels Zentrum möchte die BPK Basel-West/Allschwil, St. Johann, Klybeck/Kleinhüningen, Badischer Bahnhof und Roche/Breite direkt miteinander verbinden (siehe Grafik rechts). Keine Rede mehr ist von den Haltestellen Marktplatz, Clarastrasse und Messeplatz, dem eigentlichen Herzstück der Regio-S-Bahn.

Doch es ist genau diese Variante Mitte (mit der Möglichkeit einer Abzweigung der S-Bahn beim Marktplatz Richtung St. Johann, Variante Nord), welche die Basler Regierung bevorzugt. «Bei den Kosten-Nutzen-Analysen schnitt die Variante Mitte am besten ab», sagt Benno Jurt, der Leiter Mobilitätsplanung im Basler Bau- und Verkehrsdepartement.

Günstigere Variante

Jurt präsentiert die Zahlen des Variantenvergleichs: Die Variante Mitte würde demnach von täglich 51 000 Personen genutzt werden, die Fahrzeit zum Badischen Bahnhof würde sechs Minuten betragen, die Kosten werden auf 1,2 bis 1,3 Milliarden Franken geschätzt; die Variante Nord würde zwar von 54 000 Passagieren genutzt werden, allerdings verlängerte sich die Fahrzeit zum Badischen Bahnhof auf zwölf Minuten und die Kosten kletterten auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken.

Hier hakt die BPK ein: «Die Kosten der Realisierung der Verbindung Bahnhof St. Johann–Badischer Bahnhof liegen deutlich unter jenen der bisher diskutierten Herzstück-Varianten», heisst es im Bericht. Auch wäre eine Realisierung bereits mit dem Agglomerationsprogramm 2014–2017 möglich. Die BPK-Variante wäre also günstiger und schneller realisierbar. «Wir sind uns zwar bewusst, dass die S-Bahn auf basel-städtischem Gebiet liegt», sagt Richterich, «aber sie wird vor allem von Baselbietern genutzt.» Mit diesem Passus im Baselbieter Richtplan habe sich die BPK in die Diskussion um das Herzstück einschalten wollen, erklärt Richterich. Der Vorteil der Ring-Lösung sei, dass die Industriegebiete besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen würden. Staus könnten so vermieden werden. Richterich: «Wir wollten auch nicht, dass Basel-Stadt allein entscheidet.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.02.2009, 11:23 Uhr

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14 Kommentare

Willi Meier

26.02.2009, 11:29 Uhr
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Die Annahme, dass eine Ringbahn günstiger als unterirdisches Herzstück ist, basiert auf einem Trugschluss: Um auf dem schon bestehenden "Hufeisen" zwischen Badischem Bahnhof und St. Johann einen leistungsfähigen und flexiblen S-Bahn-Verkehr mit dichter Taktfolge einzurichten, muss die Kapazität de schon bestehenden Schienen massiv erhöht werden, was bald teurer kommt als ein Tunnel durchs Zentrum. Antworten


Jakob Künzel

26.02.2009, 11:51 Uhr
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Tief in die Tasche greifen und beide Varianten realisieren - das wäre ein wirklich mutiger und vorausschauender Plan, der viele zukünftigen Probleme heute schon lösen würde! Auf weitere Parkhäuser könnten wir dafür getrost verzichten..... Antworten



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