Baselbieter Gemeinden sollen fusionieren

Von Michael Rockenbach. Aktualisiert am 09.09.2010 5 Kommentare

Die Unterbaselbieter Gemeinden wehren sich gegen die hohen Ausgleichszahlungen an die kleinen Gemeinden. Ein Thema wird das nun auch im Landrat, wo Elisabeth Schneider (CVP) ein letztes Mal tiefgreifende Reformen fordert.

Artikel zum Thema

Elisabeth Schneider: Vor dem Wechsel vom Land- in den Nationalrat fordert sie Gemeindereformen. (Bild: Keystone )

Umfrage

Im Baselbiet haben einige kleine Gemeinden finanzielle Probleme; die Ausgleichszahlungen steigen darum sprunghaft. Wären Gemeindefusionen die Lösung des Problems?

Ja

 
79.7%

Nein

 
20.3%

335 Stimmen


Stichworte

Heute wird Elisabeth Schneider (CVP) im Landrat einen emotionalen Moment erleben: Nach elf Jahren im Rat, einem Jahr als Präsidentin und drei Jahren als Fraktionschefin wird heute Morgen ihr Rücktrittsschreiben verlesen. Ab Ende November politisiert sie im Nationalrat. Vor ihrem Abschied aus Liestal hat sie noch zwei Vorlagen eingereicht: «Beide sind sehr wichtig – für mich und den ganzen Kanton», sagt Schneider. Einerseits fordert sie Korrekturen am Finanzausgleich und andererseits eine «Strukturreform» bei den Gemeinden.

Der Ärger über das neue Finanzausgleich-System ist nicht nur in Biel-Benken bei der Gemeindeverwalterin und angehenden Nationalrätin gross, sondern fast überall im Unterbaselbiet. Denn es sind vor allem die grossen, stadtnahen Gemeinden, welche die Umverteilungsmaschine «Finanzausgleich» mit ihren Millionenbeiträgen in Gang halten. Exakt 67,3 Millionen Franken müssen die Gebergemeinden in diesem Jahr zahlen – über 14 Millionen mehr, als die Finanzdirektion vor einigen Monaten vorhergesagt hat.

«Schockierendes» Ergebnins

Einige Gemeinden wehren sich nun mit einer Beschwerde beim Kantonsgericht gegen die hohen Forderungen. Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) bezeichnete die Berechnung zwar als «korrekt», gab aber zu, dass das Ergebnis auch ihn «schockiert» habe. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Finanzdirektion und mehrerer Geber- und Nehmergemeinden soll nun aufzeigen, wie weitere böse Überraschungen in Zukunft vermieden werden könnten. Viel mehr als kosmetische Eingriffe erwartet Schneider von den Verhandlungen mit den Gemeindevertretern aber nicht. «Den 18 Gebergemeinden stehen 68 Nehmergemeinden gegenüber. Da ist es sehr schwierig, wirkliche Veränderungen durchzusetzen», sagt sie.

Darum wird sie jetzt auf der kantonalen Ebene nochmals aktiv, mit ihren letzten beiden Vorstössen im Landrat. Denn für sie steht fest, dass «das System in die falsche Richtung geht»: «Es unterstützt nicht nur Gemeinwesen, die tatsächlich auf Hilfe angewiesen sind, sondern zementiert auch ineffiziente Strukturen.» Einige Gemeinden könnten viel Geld sparen und erst noch ihre Personalprobleme lösen, indem sie mit ihren Nachbarn verstärkt zusammenarbeiteten oder gar fusionierten, sagt Schneider – nicht zum ersten Mal.

Über die Hälfte der Gemeinden schloss im Minus ab

Finanzdirektor Adrian Ballmer hört solche Ideen aber nicht gerne. Für ihn ist es nämlich ein «Trugschluss», dass grosse Gemeinden auch stark seien, wie er im vergangenen Oktober bei einer Fusionsdebatte im Landrat ausführte. Denn in den kleinen Gemeinden würden, so Ballmer weiter, häufig die intelligentesten Einwohner ein Amt übernehmen – ein Kriterium, das auf grosse Gemeinden oftmals nicht zutreffe. Und auch die Stabsstelle Gemeinde in Ballmers Direktion liess im vergangenen Jahr wiederholt verlauten, die Baselbieter Gemeinden seien gesund. Mehr als die Hälfte von ihnen schloss dann aber trotzdem im Minus ab. Und ihre Reserven sind teilweise dünn oder sogar schon aufgebraucht.

Das scheint nun langsam auch bei der Regierung zu einem Umdenken zu führen. So richtete sie in diesem Jahr zuerst einen Fonds von 300'000 Franken für Gemeinden ein, die ein Projekt zur besseren Zusammenarbeit oder Fusion starten möchten. Vor wenigen Wochen schlug der Regierungsrat zudem vor, dass Gemeindefusionen mit der Teilrevision des Gemeindegesetzes erleichtert werden könnten. Schneider freut sich darüber. Noch gehen ihr die Vorschläge aber zu wenig weit. «Für die dringend nötigen Gebietsreformen braucht es nicht nur solche Grundlagen, sondern eine Anschubfinanzierung für die Umsetzung wie in den anderen Kantonen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.09.2010, 08:20 Uhr

5

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

5 Kommentare

Sabrina Mohn

09.09.2010, 08:48 Uhr
Melden

Ich bin überzeugt, dass Gemeindezusammenschlüsse wichtige Instrumente sind, um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Gemeindefusionen sind politisch machbar - wichtig ist, dass der Wunsch danach von der Bevölkerung selbst ausgeht. Antworten


Adrian Mangold

09.09.2010, 11:22 Uhr
Melden

Ich stimme Sabrina Mohn voll und ganz zu. Es kann nicht sein das die grossen Gemeinden die uneffizienten kleinen Gemeinden mitfinanzieren müssen. Durch die Gemeindefusionen, besonders von kleinen Gemeinden im Oberbaselbiet, können massiv Kosten eingespart werden. Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Meistgelesen in der Rubrik Basel

Telefonbuch

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Ist der Kreisel bei der Prüfstation trotz Sanierung gefährlich?

Ja

 
52.2%

Nein

 
47.8%

1101 Stimmen

bluebanana.ch

BaZ.Reisen. 2012

Eine Aktion von bluebanana.ch, Baslerstab und Basler Zeitung

BaZ.Mobil.

Mimpfeli