Basel

Baselbieter Pflegetaxen sind zu hoch

Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 19.08.2011 5 Kommentare

Gestiegene Kosten im Zusammenhang mit der neuen Pflegefinanzierung geben im Baselbiet zu Reden. Eine neue Studie stützt die Kritik der grauen Panther.

Teure Pflege: Bewohner von Baselbieter Pflegeheimen werden massiv zur Kasse gebeten.

Teure Pflege: Bewohner von Baselbieter Pflegeheimen werden massiv zur Kasse gebeten.
Bild: Keystone

Umfrage

Im Kanton Baselland sind die Kosten für Bewohner von Pflegeheimen deutlich höher als in Basel-Stadt. Muss Baselland jetzt mehr bezahlen?

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Bis zu 13'000 Franken im Monat müssen Pflegeheimbewohner im Baselbiet zurzeit bezahlen. Aufschläge gegenüber dem Vorjahr von 1000 Franken und mehr pro Monat sind häufig. Das hat eine Umfrage der Grauen Panther ergeben. Grund ist die Umsetzung der neuen Pflegefinanzierung des Bundes durch den Kanton Baselland.

Anders als andere Kantone hatte Baselland, gestützt auf eine veraltete Erhebung aus dem Kanton Aargau den Schlüssel zwischen Pflegekosten und Betreuungskosten auf nur 40 Prozent für Pflegekosten und 60 Prozent für Betreuungskosten gewählt. Das führte zu den massiven Mehrkosten für Pflegeheimbewohner. Denn die Pflege müssen Krankenkassen und öffentliche Hand in einem erheblichen Ausmass mitbezahlen, die Betreuungskosten haben Heimbewohner zu 100 Prozent selber zu finanzieren. Die Pflegeheimkosten sind fürs Jahr 2011 derart explodiert, dass der Preisüberwacher eingreifen musste. Regierungsrat Peter Zwick geriet arg unter Druck.

Grosse Unterschiede

Jetzt zeigt eine vom Gesundheitsdirektor in Auftrag gegebene Studie, dass die Kritik an den überhöhten Preisen berechtigt ist. Zeitmessungen in 19 Pflegeabteilungen von zehn Baselbieter Heimen haben ein ganz anderes Verhältnis zwischen Pflege und Betreuung ergeben. Die kürzlich im kleinen Kreis vorgestellte Studie hat gemäss Informationen der BaZ einen Pflegekostenanteil von 64 Prozent ergeben. Konkret heisst dies, dass bei einer Umsetzung der Studienergebnisse die betroffenen Heimbewohner massiv entlastet, Krankenkassen und öffentliche Hand (im Kanton Baselland vorab die Gemeinden) erheblich mehr belastet würden. Gemäss Informationen der BaZ müssen allein die Gemeinden mit jährlichen Mehrkosten von 10 Millionen Franken rechnen.

Die Studie ist von Curatime, einer auf Arbeitszeitanalysen spezialisierten Tochterfirma des schweizerischen Heimdachverbands Curaviva zusammen mit der für mobile Messungen in Gesundheitsorganisationen ausgerüsteten Zürcher Firma MicroMED AG, durchgeführt worden. Die Stichproben wurden von den Pflegefachpersonen in den ausgewählten Heimen mit einem Leistungserfassungsgerät im Alltag erfasst und in ein EDV-System eingegeben. Bei der Auswahl der Heime wurde auf die geografische Lage (Unterbaselbiet, Oberbaselbiet) geachtet. Auch die 19 Abteilungen wurden nach unterschiedlichen Kriterien ausgewählt. So wurden Dementenabteilungen mit normalen Pflegeabteilungen miteinander verglichen. Dabei ergaben sich grosse Unterschiede. In den Dementenabteilungen ist der Pflegeaufwand grösser. Doch auch von Heim zu Heim zeigte die Studie grosse Differenzen bei Pflege- und Betreuungsaufwand.

Basel hat es besser

Die Untersuchung hat die Baselbieter Gesundheitsdirektion aufgrund einer Vereinbarung mit dem Verband Baselbieter Alters- und Pflegeheimen (BAP) und dem Verband Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) durchgeführt. BAP-Geschäftsführer Andi Meier und VBLG-Geschäftsführer Ueli O. Kräuchi wollten auf Anfrage der BaZ nicht abschliessend Stellung nehmen. Die Studienergebnisse seien so neu, dass man die Verbandsmitglieder noch nicht habe informieren können.

Heimvertreter Meier betont jedoch, dass die Untersuchung aus seiner Sicht seriös vorgenommen wurde. Sie zeige, dass der Pflegeanteil deutlich über dem derzeit geltenden Ansatz liege. Allerdings, kritisiert er, müsse ein Teil der Overhead-Kosten auch noch zur Pflege gezählt werden. Meier räumt aber ein, dass das Ergebnis tiefer ausgefallen sei als die ursprüngliche BAP-Forderung: 80 Prozent Pflege, 20 Prozent Betreuung. Auf diesen Zahlenschlüssel von Curaviva stützen sich andere Kantone, zum Beispiel Basel-Stadt, wo die Gesamtkosten in den meisten Fällen erheblich gesunken sind; auf maximal 5661 Franken im Monat – und damit nicht einmal die Hälfte der Baselbieter Maximalansätze.

Wie und wann die Umsetzung der neuen Studie erfolgen wird, ist noch offen. Vertreter der Heime und der Gemeinden werden sich demnächst mit Regierungsrat Peter Zwick treffen. Danach wird Zwick die geltende Verordnung zuhanden des Regierungsrats ändern müssen. Klar ist schon heute, dass zusätzliche Kosten für die öffentliche Hand entstehen werden. Deren Höhe könne er noch nicht beziffern, sagt VBLG-Geschäftsführer Kräuchi. Er erwarte jedoch, dass der Kanton «trotz Sparpaket» seine Zusage einhalte, die Gemeinden dabei zu unterstützen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.08.2011, 08:06 Uhr

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5 Kommentare

walter bossert

19.08.2011, 09:55 Uhr
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Da fragt man sich wirklich wie da im Kanton Baselland gerechnet wird.Falls da überhaupt noch von rechnen die Rede sein kann. Die effektiven Kosten können doch im Kanton Baselland nicht 130% höher sein, als in der auch nicht sehr billigen Stadt Basel! Antworten


Pierre A. Sobol

19.08.2011, 08:55 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Das Preisleistungsverhältnis stimmt auch in der Stadt nicht. Auch hier sind die Kosten viel zu hoch und die Willkür der Stufeneinteilung macht die Sache noch unübersichtlicher.
Es scheint auch vergessen zu gehen, dass das Pflegepersonal aus Menschen besteht, die auch mal an Grenzen stossen. Nur müsste das auch in den Pflegetaxen- und Kosten berücksichtigt werden.
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