Basel

Baselbieter Polizei übt mit Spielfiguren

Von Jonas Hoskyn. Aktualisiert am 10.07.2013 32 Kommentare

In einem gross angelegten Projekt spielt die Baselbieter Polizei mit Plüschtieren und Playmobil-Figuren. Die Kurse für eine bessere Zusammenarbeitskultur im Korps kosten bisher 300'000 Franken.

«Ich fühle mich wie der Ackergaul.» Mittels Spielfiguren sollten die Baselbieter Polizisten ihre Rolle im Team beschreiben (Symbolbild).

«Ich fühle mich wie der Ackergaul.» Mittels Spielfiguren sollten die Baselbieter Polizisten ihre Rolle im Team beschreiben (Symbolbild).
Bild: Fotolia

Gegendarstellung

Im nebenstehenden Artikel der Basler Zeitung wird behauptet, bei der Polizei Basel-Landschaft seien im Rahmen des Projekts Führungs- und Kulturentwicklung fachlich ungeeignete oder sogar unseriöse Methoden angewandt worden. Dies ist nicht der Fall. In den Teamentwicklungen wurde mit verschiedenen, in der modernen Arbeitspsychologie gängigen Methoden, unter anderem auch mit dem Ansatz der systemischen Symbolaufstellung, gearbeitet.

Hierzu wurden selbstverständlich keine Playmobilfiguren verwendet. Des Weiteren wird suggeriert, dass ich in meiner damaligen Funktion als HR-Leiterin und Mitglied der Polizeileitung der Polizei Basel-Landschaft eine Nähe zu unseriösen, unqualifizierten – mit Scientology vergleichbaren – Gruppierungen hätte. Diese Darstellung ist falsch.

Ursula Schaub, Arbeitspsychologin FH, Winterthur

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Die Polizisten des Baselbieter Korps dürften nicht schlecht gestaunt haben. Statt wie die in ihrem Beruf eigentlich zu erwartenden Drogen oder Waffen lagen in der Kiste vor ihnen Plüschtiere und Playmobil-Figuren. Daraus musste jeder spontan diejenige auswählen, die ihn ansprach. «Systemische Aufstellungsarbeit» nennt sich dieser Ansatz der Personalentwicklung. Die Figuren sollen symbolisch die eigene Rolle im Arbeits­alltag darstellen. Dadurch sollen ein Gesamtbild des Teams entstehen und Stärken und Schwächen thematisiert werden. Salopp formuliert schnappt sich einer das Pferd und sagt: «Ich fühle mich wie der Ackergaul, weil ich immer den Karren alleine ziehen muss.» Der nächste nimmt sich den Gärtner und sagt: «Und ich muss mich immer darum kümmern, das all die kleinen, heiklen Dinge nicht zertrampelt werden.»

Was kurios klingt, ist Teil eines gross angelegten Projekts, das seit Monaten im gesamten Korps der Baselbieter Polizei durchgeführt wird. Ziel sei es, die Betriebs- und Führungskultur und die Zusammenarbeit innerhalb des Korps zu verbessern, bestätigt Christoph Naef, Polizeikommandant ad interim. «Die Mitarbeiterbefragung 2008 zeigte Schwächen in der Betriebs-, Führungs- und Zusammenarbeitskultur auf», sagt Naef. «Die Polizeileitung entschied, diese Schwächen mit hoher Priorität und nachhaltig zu verbessern.»

Aufträge an Ex-Kolleginnen

Von der Führungsebene bis zum einfachen Polizisten müssen deshalb alle rund 550 Angestellten des Korps diese Kurse absolvieren. Rund 300 000 Franken liess sich die Polizeileitung die Massnahme bisher kosten. Damit wurden fünf Kaderworkshops, sieben Kurse für die Führungsleute, 27 Kurse für die Sachbearbeitenden sowie ein 16-tägiges Führungsseminar durchgeführt. Neben moderierten Gruppengesprächen und Diskussionen kam dabei auch der Ansatz der systemischen Aufstellungsarbeit zum Zug.

Die Kurse sorgen aus einem weiteren Grund für Stirnrunzeln. Deren fachliche Verantwortung lag ab 2011 bei der neu eingestellten Leiterin Human Resources (HR) Ursula Schaub. Diese war zuvor selbstständige Arbeitspsychologin. Für die Teambildungskurse vergab sie mehrere Aufträge an ehemalige Kolleginnen. Mit zumindest einer von ihnen ist Schaub persönlich befreundet.

Recherchen der BaZ werfen die Frage nach möglichen Verstrickungen der HR-Chefin auf: So wurde Schaub bis vor wenigen Tagen auf der Homepage der selbstständigen Beraterin Petra K.*, die Aufträge von der Baselbieter Polizei erhielt, unter der Kategorie «Netzwerk» geführt. Vergangene Woche verschwand der Eintrag von Ursula Schaub und auch ein zweiter von der Beraterin Nicole G.*, die ebenfalls Teambildungskurse bei der Baselbieter Polizei durchgeführt hatte. «Bei der Anstellung bei der Polizei hat Frau Schaub leider nicht daran gedacht, diesen Link auf der Seite ihrer ehemaligen Kollegin löschen zu lassen», sagt Naef.

Beschränkte Ressourcen

Pikant: Die beiden selbstständigen Beraterinnen Petra K. und Nicole G. hatten vor Schaubs Anstellung eine Weiterbildung im Bereich Organisationsentwicklung bei ihr absolviert, und sie hat auch mehrere Projekte von ihnen supervisiert. Seit Schaub bei der Polizei arbeitet, gibt es aber keine geschäftlichen Beziehungen mehr.

Die Baselbieter Polizei bestätigt, dass zur Unterstützung externe Fachpersonen beigezogen wurden. «Der HR-Bereich konnte die Kurse mit den beschränkten Ressourcen nicht selber durchführen. Also wurden Fachleute ausgewählt, welche die Leiterin HR aus ihrer selbstständigen Tätigkeit als Arbeitspsychologin persönlich und beruflich kannte und bei denen deshalb Gewähr dafür bestand, dass die Kurse im Sinne der Projektziele einheitlich durchgeführt würden», erklärt Naef. Von allfälligen Verstrickungen will die Polizeileitung allerdings nichts wissen: «Die Polizeileitung verwahrt sich mit Nachdruck gegen diese haltlose Unterstellung», sagt Naef.

Zwischen Ursula Schaub und den beiden Beraterinnen Nicole G. und Petra K. gibt es allerdings noch eine weitere Verbindung: Alle drei haben eine Fortbildung in der Lehre des Human Design Systems gemacht. Diese stark esoterisch angehauchte und wissenschaftlich nicht haltbare Theorie (siehe unten) wird in der Schweiz nur im kleinen Kreis praktiziert.

Wie mehrere Polizisten gegenüber der BaZ bestätigen, ist diese Ausbildung von Ursula Schaub auch im Korps immer wieder ein Thema. «Dieses Beratungstool wird durch die Leiterin HR bei der Polizei Baselland nicht eingesetzt», meint Naef knapp. Auch die Teambildungskurse hätten nichts mit der Lehre des Human Design Systems zu tun gehabt.

*Name der Redaktion bekannt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.07.2013, 09:39 Uhr

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32 Kommentare

Markus F. Baumgartner

10.07.2013, 09:51 Uhr
Melden 99 Empfehlung 11

Bemerkung:
was ich bei der Bebilderung vermisse, sind die LEGO-Radarkasten !
(könnte ja sein, dass diese Sparte beim spielen in Vergessenheit gerät !)
Antworten


Otto Kunz-Torres

10.07.2013, 11:11 Uhr
Melden 95 Empfehlung 7

Vielleicht gäbe es etwas Einfacheres zur Verbesserung der Zusammenarbeitskultur. Ein paar gemütliche Grillabende bei einem kühlen Bier und anständige und vertrauenswürdige Umgangsformen und respektvolle Führungskultur. Steaks kosten nicht so viel und Anstand und Respekt ist eigentlich gratis. Antworten



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