Basel
Bienensterben nun Politikthema
Von Andreas Hirsbrunner. Aktualisiert am 31.05.2010
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Den Bienen gehts schlecht. So schlecht, dass der oberste Schweizer Imker Richard Wyss – er präsidiert den Verein deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde – kürzlich die Alarmglocken zog: «Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in der Prävention und Beratung von Bienenkrankheiten professionelle Strukturen schaffen. Sonst sieht es für unsere Bienen nicht gut aus.» Landesweit seien im vergangenen Winter mit knapp 50 000 Bienenvölkern fast 30 Prozent aller Bienen eingegangen.
Diese Zahlen haben auch die grüne Baselbieter Landrätin Marie-Theres Beeler aufgeschreckt, die mittels Interpellation vom Regierungsrat wissen will, wie er dem Bienensterben begegnet. Wobei die beiden Basel laut Umfrage des Bienenfreunde-Vereins mit einem Verlust von rund einem Viertel ihrer gegen 10 000 Bienen-Völker im Schweizer Mittelfeld angesiedelt sind.
Varroa-Milbe als Hauptproblem
Doch das Bienensterben macht keinen Halt vor Grenzen. So sagt Reto Burkhardt, Leiter Kommunikation bei der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP), der auch das Zentrum für Bienenforschung angeschlossen ist: «Das Bienensterben findet global statt und hat multifaktorielle Ursachen.» Deshalb finde die Forschung international koordiniert statt. Einen Teil davon deckt ALP ab, wo unter anderem nach Verbesserungen bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe gesucht wird, einem aus Asien eingeschleppten Parasit. Burkhardt: «Die Varroa-Milbe spielt vermutlich eine grosse Rolle beim Bienensterben. Sie schwächt die Völker und macht sie anfälliger für andere Einflüsse.»
Auch der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch zielt in eine ähnliche Richtung: «Ein wichtiger Grund für das Bienensterben ist, dass die Bekämpfung der Varroa-Milbe zu spät oder falsch erfolgt. So ist die Grundbelastung der Bienenvölker mit Parasiten so hoch, dass sie nicht durchkommen.»
Beizmittel im Fokus
Nationalrätin Maya Graf (Grüne) verdächtigt zudem das Saatgutbeizmittel Clothianidin, zum Bienensterben beizutragen. Sie forderte deshalb vom Bundesrat, dessen Zulassung zu sistieren. Doch ihre Motion wurde nur in der abgeschwächten Form des Postulats, wonach die Zulassung zu überprüfen ist, überwiesen.
Dass das Bienensterben zusehends auch zu einem politischen Thema wird, überrascht nicht. Denn die Bienen spielen bei der Bestäubung der Pflanzen und damit der Ernährung der Menschen eine wichtige Rolle. Laut ALP sind sie nach den Käfern die häufigsten Pollenüberträger und sorgen für die Bestäubung von 40 000 der weltweit 250 000 Blütenpflanzen. Darunter befinden sich etliche bedeutende Kulturpflanzen wie Gurke, Kürbis, Bohne, Melone, Erdbeere, Rotklee, Luzerne oder die für die Nordwestschweiz besonders wichtigen Apfel, Birne und Kirsche. ALP schätzt denn auch, «dass jeder dritte Bissen der menschlichen Nahrung bestäubungsabhängig ist und dass etwa 80 Prozent davon von der Honigbiene geleistet wird».
Glück und Einsatz
Die erlebt nun einer der erfahrensten Baselbieter Bienenzüchter die schwierige Situation rund um die Bienen? Ernst Lerch (70), der als 15-Jähriger zu imkern begonnen hat und derzeit 50 Völker in Sissach, Känerkinden und auf dem Schmutzberg zwischen Eptingen und Läufelfingen hält, sagt: «Das Bienensterben ist ein grosses Problem. Ich habe dank Glück und viel Einsatz im letzten Winter nur drei Völker verloren.» Zum Glück zählt er, dass an seinen Bienen-standorten biologische Landwirtschaft betrieben und kein gebeizter Mais angepflanzt wird. Und er stimmt weitgehend in den Chor der Fachleute ein: «Es gibt eine Vielfalt von Problemen, von der intensiven Landwirtschaft bis zu anderen Umwelteinflüssen. Die Hauptursache für die vielen Abgänge von Bienenvölkern heisst aber Varroa, Varroa und nochmals Varroa.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 31.05.2010, 14:19 Uhr
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