Basel
Bis zum Burgdeckel ist es noch ein weiter Weg
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Ende Juni haben SBB, Kanton und Stadt einen Ausweg aus dem Liestaler Bahn-Malaise präsentiert: Mit einem Ausbau auf vier Geleise bis ans Südende des gut 600 Meter langen Burgeinschnitts soll der Liestaler Flaschenhals behoben werden. Notwendig dafür sind allerdings erhebliche Anpassungsarbeiten vor allem am Burgeinschnitt.
Schon kurz nach der Präsentation kursierte die Idee, den Einschnitt zum Schutz der Anwohner nach der Verbreiterung des Trassees ähnlich wie bei der H2 zu überdecken. Inzwischen wird der Burgdeckel in Liestal fast schon als Bedingung für die Verwirklichung des Infrastrukturprojektes mit Gleiserweiterung, Wendegleis für den Viertelstundentakt und neuem Bahnhof angesehen. So erklärte SVP-Stadtratskandidat Paul Pfaff, dass für Liestal ein Ausbau des Burgeinschnitts nur mit Deckel infrage komme, «sonst verzichten wir lieber auf das vierte Geleise».
Mittlerweile ist das Thema auch beim Kanton hängig. Am 6. September hat SP-Landrat Thomas Bühler ein Postulat eingereicht. Darin bittet er den Regierungsrat, im Rahmen der weiteren Planung dieses Infrastrukturvorhabens «die Machbarkeit und die mögliche Finanzierung einer künftigen Überdeckung sowie die Nutzung der so gewonnenen Fläche des Burgeinschnitts zu prüfen». Besagten Aktivitäten ist eines gemeinsam: Sie finden auf kommunaler oder kantonaler Ebene statt. Bauherrin und Liegenschaftseignerin aber sind die SBB, zu deren vordringlichen Interessen der Burgdeckel nicht gehört.
Die Hände gebunden
Immerhin weiss man dort um die Bestrebungen. «Ja, wir haben das zur Kenntnis genommen. Die Überdeckung ist aber kein Bahninfrastrukturprojekt», sagt SBB-Pressesprecher Reto Schärli. Und deshalb, so Schärli weiter, brauche es für den Deckel irgendwoher einen Kredit. Will heissen: Die SBB wären nicht abgeneigt, sofern jemand anderes für die Finanzierung eines solchen – zweifellos sehr teuren – Projektes aufkomme. Wie der SBB-Sprecher weiter mitteilt, werden sich im Januar 2013 die Stadt Liestal und der Kanton mit den SBB treffen. «Und dann wird man sehen, ob eine Überdeckung grundsätzlich machbar ist.»
Dem Kanton sind allerdings aufgrund seiner angespannten finanziellen Situation die Hände beim Geldausgeben gebunden – auch wenn das so direkt nicht bestätigt wird. Die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) habe das Postulat erhalten und werde eine Antwort ausarbeiten, erklärte BUD-Sprecher Dieter Leutwyler. Mehr könne er dazu im Moment nicht sagen. Der neue Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott sieht die Sache realistisch und warnt vor «Forderungen, die niemand bezahlen kann». Man müsse die Lehren aus der Fundamentalopposition gegen das Auflageprojekt 1988 ziehen und erst einmal positiv zur Kenntnis nehmen, dass Liestal bei der Bahninfrastruktur nach zwei Jahrzehnten wieder zurück im Geschäft ist. Ein erneutes Scheitern liege nicht drin, zumal Liestal dringend auf Erneuerungen und Erweiterungen angewiesen sei.
Ott hofft auf private Investitionen
Natürlich gehören auch in den Augen des Stadtpräsidenten zu einer «Erfolgslogik» flankierende Massnahmen, da Ausbauten nur mit der Bevölkerung und nicht gegen sie möglich seien. Für diese Abwägungen sei es aber noch zu früh. «Im Moment sind noch alle Partner, die Stadt, der Kanton und die SBB separat an einer Auslegeordnung.»
Notwendig sei eine Gesamtoptik der in Liestal anstehenden Bahnprojekte, so Ott. Klar ist für ihn, dass nur ein gemeinsames Vorgehen von Stadt und Kanton unter Einbezug der SBB Erfolg versprechend sein kann und dass beim Burgeinschnitt die Möglichkeit privater Investitionen ins Auge zu fassen ist.
In Zürich Wipkingen hats funktioniert. Dort wurde eine Überdeckung mit privaten Investoren sogar überbaut. Warum sollte es für Liestal keine Lösung geben? (Basler Zeitung)
Erstellt: 07.10.2012, 15:02 Uhr
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