Basel
Bruderholzprojekt wird durchleuchtet
Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 02.09.2010 4 Kommentare
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Die beiden Basel planen neben dem Baselbieter Bruderholzspital ein gemeinsames Geriatriespital. Jetzt zeichnen sich Finanzierungsprobleme ab. Soll es auf dem Bruderholz ein Geriatriespital geben?
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Guido Speck, Direktor des Felix-Platter-Spitals, ist vom Basler Regierungsrat Carlo Conti auf eine spezielle Pilgerreise geschickt worden. Die Fahrt ging ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort ist auf einem riesigen Gesundheits-Campus mit gegen 50 Gebäuden ein neues Klinikum gebaut worden, das in seinen Dimensionen dem Projekt auf dem Bruderholz entspricht.
Für rund 240 Millionen Euro (derzeit 312 Millionen Franken) wurde ein Gebäude mit 737 Betten, 16 Operationssälen und Notfallstation hochgezogen. Das ist nicht einmal die Hälfte jener Summe, die auf dem Bruderholz für das Baselbieter Akutspital und das gemeinsame Geriatriespital aufgeworfen wird.
«Ich bin beeindruckt,» sagt der Baselbieter Regierungsrat Peter Zwick. Er hat zusammen mit seinem Basler Amtskollegen Carlo Conti die UKE Consult und Management GmbH mit einer Analyse des Bruderholzprojekts beauftragt. Die Firma ist eine Tochter des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Neben dessen Ausbau hat sie weitere Planungs- und Berateraufgaben übernommen. Sie betreut gemäss ihrer Homepage neben dem «Bruderholzspital, Basel» (sic!) auch das Kantonsspital Aarau und das Berner Inselspital.
«Ein gutes Spital, das finanzierbar ist»
Die Adresse in Hamburg hat inzwischen bei Spitalfachleuten Kultstatus erlangt. Auch Guido Speck, welcher den Steuerungsausschuss für das Geriatrieprojekt präsidiert, zeigt sich beeindruckt. Er sei überrascht vom ruhigen Arbeiten im Grossspital und von den durchdachten Betriebsabläufen, sagt er der BaZ. Allerdings warnt Speck davor, «Äpfel mit Birnen zu vergleichen». Der Hamburger Bau mache zwar einen soliden Eindruck, doch verfüge er – im Gegensatz zum Bruderholzprojekt – weder über Minergie-P-Standard noch über Erdbebensicherheit.
Für die Analyse des Bruderholzprojekts durch die Hamburger Spitalfachleute wird sogar eine Verzögerung bei der Realisierung in Kauf genommen, bestätigt Zwick einen Bericht der «Basellandschaftlichen Zeitung». Hauptgrund ist die neue Spitalfinanzierung. Ab 2012 müssen die Spitäler selbsttragend wirtschaften.
«Ich will ein gutes Spital, das finanzierbar ist», sagt Zwick. Darum wolle er die Tarifverhandlungen der Spitäler mit den Krankenkassen abwarten. Denn mit der neuen Spitalfinanzierung haben sich diese auch an den Investitionskosten zu beteiligen. Der Basler Regierungsrat Carlo Conti betont, dass damit ein erheblicher Druck auf die Infrastrukturkosten entsteht. Investitionen müssten so bemessen sein, dass die Spitäler selbsttragend bleiben.
Altbau integrieren
Darum ist Conti auch bereit, die zu erwartende Verzögerung von rund einem Jahr für das Geriatriespital in Kauf zu nehmen. Dieses wird nun nicht mehr vor 2018 in Betrieb gehen können. Die Untersuchung ist umfassend, wie Speck bestätigt. Neben Architektur, Raumprogramm und Betriebsabläufen wird auch das gesamte Konzept infrage gestellt. Dazu gehört, ob das gemeinsame Geriatriespital zusammen mit dem Akutspital überhaupt Sinn macht.
Auf die Frage, ob man den Hamburgern nicht gleich die ganze Planung übertragen soll, meint Zwick, dass er nach wie vor an das bisherige Projekt glaube. Aber er erwarte Verbesserungs- und Redimensionierungsvorschläge. Allenfalls müsse man aus Kostengründen Teile des Altbaus integrieren. Im bisherigen Projekt war vorgesehen, diesen bis auf ein paar Grundmauern abzureissen. (Basler Zeitung)
Erstellt: 02.09.2010, 07:47 Uhr
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4 Kommentare
Basierte die bisherige Planung auf dem nice to have Prinzip? Neu müssen Spitäler nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren und es ist kein Staat mehr da, der die Löcher stopft. Und siehe da, plötzlich wird eine Consultingfirma eingeschaltet, die analysiert und alles bisherige in Frage stellt, mit dem Ziel, zweckmässig und finanzierbar zu bauen. Warum erst jetzt und nicht von Anfang an? Antworten
Nun, da Herr Zwick Hand gereicht hat, das Bruderholzspital mittels interner Machtspiele um einen wichtigen Chef zu erleichtern, der immerhin massgeblich zum Gewinn des Hauses beitrug, muss er wohl bei den Ausgaben sparen. Dass die Regierung vor kurzer Zeit selber die Finanzierung des Neubaus fahrlässig vergeben hat, spricht auch Bände. Weiter so... die nächsten Wahlen kommen bestimmt... Antworten




Morten Lupers
Nimmt mich mal Wunder, worin denn genau die grössten Kostenunterschiede (neben den erwähnten Punkten) bestehen? Ich nehme an, die Lohnunterschiede bei den Bauunternehmen dürften mit eine Rolle spielen. Sonst noch? Baz, bitte recherchieren Sie. Antworten