Basel

Bürgerliche Allianz funktioniert nur teilweise

Von Jonas Hoskyn, Boris Gygax und Alessandra Paone. Aktualisiert am 05.03.2013 3 Kommentare

SVP-Kandidat Thomas Weber konnte in verschiedenen Gemeinden sein Potenzial nicht ausschöpfen. Am deutlichsten ist dies im Laufental zu erkennen.

In bürgerlich dominierten Gemeinden wie Aesch, Arlesheim
und Laufen erzielte Thomas Weber (SVP, rechts) nur ein bescheidenes Resultat.

In bürgerlich dominierten Gemeinden wie Aesch, Arlesheim und Laufen erzielte Thomas Weber (SVP, rechts) nur ein bescheidenes Resultat.

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Mobilisieren ist angesagt für den zweiten Wahlgang. Wem wird das besser gelingen? Kann Eric Nussbaumer seinen Vorsprung auf Thomas Weber über die Ziellinie retten?

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54.1%

Nein

 
45.9%

449 Stimmen


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Im Rennen um die Nachfolge von Regierungsrat Adrian Ballmer (FDP) steht es unentschieden. Die ­Baselbieter Politelite wird für den zweiten Wahlgang nochmals über die ­Bücher gehen müssen. Potenzialanalyse nennt sich das stundenlange Durchackern von Zahlen im Fachjargon. Es gilt herauszufinden, in welchen Bezirken und Gemeinden vor dem zweiten Urnengang im April noch verstärkt Wähler mobilisiert werden müssen. Gerade bei einem derart knappen Resultat kann eine gute Analyse über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Das erste Fazit haben die Linken bereits am Sonntag gezogen: Ihr Kandidat Eric Nussbaumer habe weit über das Parteienspektrum mobilisieren können, hielt die SP fest. Der Sozialdemokrat erreichte einen Stimmenanteil von 46,5 Prozent. Die SP, die Grünen und die EVP, die Nussbaumer unterstützen, kamen bei den letzten Landratswahlen 2011 jedoch nur auf 40,4 Prozent. Ergo hat Nussbaumer sein Potenzial um 6 Prozentpunkte übertroffen.

Umgekehrt sieht es bei Thomas Weber aus. Der SVP-Kandidat konnte 46 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die ihn unterstützenden Parteien SVP, FDP, CVP und BDP – die neue Bürgerliche Allianz– kamen bei den vergangenen Landratswahlen allerdings auf insgesamt 54 Stimmenprozente. Weber konnte demnach sein Potenzial nicht ausschöpfen. Offenbar hat die bürgerliche Zusammenarbeit nicht in allen Bezirken und Gemeinden gleich gut funktioniert.

Weber mobilisiert in Laufen kaum

Am deutlichsten ist dies im Laufental zu erkennen. Dort liegt Weber zwar vorne, sein Vorsprung von 8,7 Prozentpunkten auf Eric Nussbaumer ist aber angesichts der Tatsache, dass der Bezirk klar bürgerlich dominiert ist, eher bescheiden. Besonders schlecht schnitt der SVP-Kandidat in Laufen ab. Knapp 52 Prozent schaffte er in der CVP-­Hochburg. Der Wähleranteil der bürgerlichen Parteien betrug aber bei den letzten Landratswahlen satte 71 Prozent.

Für den Laufner FDP-Landrat Rolf Richterich gibt es verschiedene Erklärungen, warum die bürgerlichen Parteien offensichtlich nicht geschlossen für ihren Kandidaten stimmten – wenn sie überhaupt an die Urne gingen. Der Bezirk Laufen wies mit 32 Prozent die tiefste Wahlbeteiligung auf. «Die bürgerlichen Parteien haben sich letzten Sommer etwa in der Debatte um die kantonale Vorlage zur Zusammenlegung der Bezirksgerichte gegenseitig beschossen. Da fällt es dem einen oder anderen schwer, über seinen Schatten zu springen», sagt Richterich. In Laufen hätten es CVP, SVP und FDP in der Vergangenheit verpasst, sich auf eine einheitliche bürgerliche Linie zu konzentrieren. Das wirke sich jetzt auf die Regierungsratswahlen aus.

Diese Einschätzung teilt der ehemalige Nationalrat Christian Miesch, der in Webers Wahlkampfteam sitzt: «Im oberen Baselbiet und vor allem auch im Laufental hat er viel zu wenig Stimmen geholt. Da gäbe es noch viel Potenzial.» Trotzdem zieht Miesch eine vorsichtig optimistische Bilanz der neuen Bürgerlichen Allianz: «An einigen Orten hätte ich schon erwartet, dass FDP und CVP mehr mitziehen. Allgemein klappte die Zusammenarbeit aber besser, als ich es erwartet hatte.»

Als zweites Problem der SVP kristallisiert sich der Speckgürtel heraus: Auch hier kann Weber noch deutlich zulegen. Das zeigt etwa das Beispiel Aesch: SVP, CVP, FDP und BDP holten 2011 bei den Landratswahlen fast zwei Drittel der Stimmen – nach dem ersten Wahlgang bleibt Weber nun mit 46 Prozent sogar noch einen Punkt hinter Nussbaumer zurück.

SP muss in Sissach zulegen

Prozentual am wenigsten Stimmen holte der SVP-Kandidat ausgerechnet in Arlesheim, wo die FDP als Bündnispartnerin der SVP immerhin die stärkste Partei ist. Dort konnte der Oberbaselbieter gerade einmal 38 Stimmenprozente auf sich vereinen, während Nussbaumer es auf 51 Prozent brachte. Da half auch das Engagement von Landrat Balz Stückelberger nichts, der als Präsident der FDP Arlesheim im Wahlkampf kräftig die Werbetrommel für Weber gerührt hat. «Für viele Freisinnige, die ich angesprochen habe, ist es schlicht nicht denkbar, einen SVP-Kandidaten zu wählen», sagt Stückelberger. Ob diese dann Nussbaumer oder gar niemanden gewählt haben, wisse er natürlich nicht.

Allerdings gibt es auch das Gegenbeispiel: So blieb Nussbaumer ausgerechnet in Sissach unter seinen Möglichkeiten. Dies könnte darauf hindeuten, dass auch der Bündnispartner der SP nicht geschlossen hinter dem linken Kandidaten steht. Immerhin stellen die Grünen in Sissach die wählerstärkste Partei. Auch nicht zu vergessen ist, dass in Sissach die beiden Regierungsräte Urs Wüthrich (SP), Isaac Reber (Grüne) sowie die amtierende Nationalrats­präsidentin Maya Graf (Grüne) wohnen. Ob Zufall oder nicht: Alle drei hielten sich mit Blick auf ihr Amt während des Wahlkampfs auffällig zurück. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.03.2013, 07:23 Uhr

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3 Kommentare

Simon Felix

05.03.2013, 09:36 Uhr
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Es könnte aber auch sein, dass die bürgerlichen Stimmbürger diese Parteien-Spielchen wie "wählst du mich, wähl ich dich" nicht goutieren. Auch möchten Sie keinen Kandidaten, der zuerst von Herr Buser abgesegnet werden muss. Und als Laufentaler finde ich, dass wir nach fast 20 Jahren BL auch mal Anrecht auf einen Regierungsrat hätten! Antworten


Max Bader

05.03.2013, 13:24 Uhr
Melden 7 Empfehlung 0

Die Fremdstimmen waren wohl weniger entscheidend als die Mobilisierung. Auffallend ist, dass die Ergebnisse über den Kanton extrem gleichmässig sind (von wegen das Ober- und Unterbaselbiet ticken ganz anders). Vermutlich wird auch die eine oder andere Stimme von Evangelikalen (nicht EVPlern) an Nussbaumer gefallen sein.So könnte ich mir sein Sieg in Waldenburg, Lauwil oder Langenbruck erklären. Antworten



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