Basel
Caspar Baader: Oberst, Bauernfreund, Chorsänger
Von Martin Matter. Aktualisiert am 25.11.2008 2 Kommentare
Er sagt (noch) nichts: Caspar Baader unaufhaltsam auf dem Marsch in den Bundesrat? Mir wei luege. Am Donnerstag wissen wir mehr. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
- Gerangel um Schmid-Nachfolge – Baader avanciert zum Favoriten
- Baader soll nun doch ins Bundesratsrennen
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Wenig erinnert heute an die alte «Gerbi». Die «Ed.Baader AG», gegründet 1841, stand mitten in Gelterkinden, am Eibach. In ihren Glanzzeiten beschäftigte die Gerberei über 70 Personen und belieferte Grosskunden von Armee bis Bally AG. Caspar Baaders Grossvater, später ein Onkel und ein Cousin betrieben die Firma noch.
1989 kam das Ende. Seither krempelte die Familien-AG die Fabrikgebäude völlig um, teils mit Sanierung und Umbau, teils mit Abriss und Neubau. Bundesratskandidat und Advokat Caspar Baader ist an der Firma nicht beteiligt, hat aber sein Büro in neuen Räumlichkeiten der alten «Gerbi». Im Büro des Krampfers Baader kann man schon mal am Sonntagabend um 23 Uhr noch Licht sehen, heisst es.
Denn an seinem Job und an seiner Verwurzelung in der Heimat hängt er sehr. Trotz nationalem Rampenlicht hat der Mann Bodenhaftung. Als Anwalt ist er Kleinunternehmer, der nicht nur «grosse» Mandate annimmt. Oft vertritt der Agronom und Jurist Interessen von Landwirten, vor allem, als es um den Bau der Gasleitung durchs Baselbiet ging. Oder er kann zwei Jahre lang knallhart um einen Liegenschaftstausch verhandeln, wie gerade jetzt wieder im Fall Manor Liestal. In Gelterkinden ist Baader voll integriert. Man sieht ihn auf der Strasse. Er singt im Männerchor, und er kocht mit, wenn der Chor an besonderen Anlässen als Wirt auftritt. Stallgeruch eben. Das alles gibt man nicht leichten Herzens auf.
Die Baaders: Altes Gelterkinder Geschlecht, mit Gewicht und Einfluss. Caspars Bruder und Compagnon Michael Baader lenkte lange Zeit als Gemeindepräsident die Geschicke Gelterkindens. Vater Armin Eduard war in seinen aktiven Anwalts- und Oberrichterzeiten ein angesehener, einflussreicher Mann und begehrter Verwaltungsrat. Politisch war er aber kein BGBler, sondern ein Urfreisinniger.
Und offenbar kein «Übervater»: Sohn Caspar baute nämlich damals seine eigene Anwaltskanzlei in Gelterkinden auf, parallel oder besser: in Konkurrenz zum väterlichen Geschäft. Und bewies damit seine Eigenständigkeit. Dass Caspar schon lange das faktische Familienoberhaupt ist, daran zweifelt niemand. Zielstrebig agierte er im Übrigen auch militärisch: Als Oberst hat er unter anderem ein Festungsregiment der Artillerie geführt. Ein Vertreter der alten Schule eben: Familie, Beruf, Politik, Armee. Pflichtbewusstsein, Kameradschaft. Dafür oft auch militärische Strenge im Auftreten.
Trotz des sozialen Engagements von Baaders Eltern fehlten dem Clan die Kritiker und Neider nie. Den Baaders wurde zum Beispiel Knausrigkeit nachgesagt. Wenn in der Nähe der «Gerbi» eine Strasse wegen der Kanalisation aufgerissen wurde, hiess es vor Jahrzehnten im Dorf: Die Baaders haben ein Fünferli verloren! Doch Caspar sei in dieser Beziehung kein «typischer» Baader, hört man oft.
Ehemalige Gym-Kollegen erinnern sich an ihn als sehr intelligenten, in der Gruppe eher stillen Kameraden und wohl einzigen Kumpanen, der damals nie so richtig besoffen gewesen sei. Die Pfadi- und Rover-Zeit Baaders (vulgo «Zaster») bescherte ihm Freundschaften, die heute noch dauern, trotz unterschiedlicher Weltanschauungen. Das führen Freunde als Beweis an, dass Baader (auch) ein Konsens-Mensch sei und viel mehr Tiefgang habe, als es seine Rolle als harter SVP-Stallmeister und Blocher-Sekundant vermuten lasse. In der Tat: Im persönlichen Umgang kann Baader sehr angenehm sein.
Ein umgänglicher, korrekter Mann, der keineswegs immer recht haben will und auch lachen kann. Bisweilen aber ist Baader stur bis verbissen, und in der Erregung vom 12. Dezember 2007 konnten ihm jene unverzeihlichen Worte über Widmer-Schlumpf («Verräterin») entfahren. Weshalb diese Diskrepanz zwischen den «zwei» Caspars? Das bleibt sein Geheimnis.
Schicksalshaft
Dass Baader nicht in die freisinnigen Fussstapfen seines Vaters trat, hat zwei triftige Gründe: Ausbildung und Amor. Der Agronomie-Student musste als Nicht-Bauer ein Praktikum auf einem Bauernhof absolvieren. Das sollte sich als schicksalshaft erweisen. Baader arbeitete auf dem bernischen Hof eines gewissen Buri. Dessen Vater Dewet war im Bernbiet ein Top-Shot: Regierungsrat, Nationalrat, Ständerat, Oberst. Vor allem aber: Auf dem Hof wohnte dessen Enkelin Margret Buri. Sie und Caspar Baader wurden ein Paar.
Und Baader verdiente sich in den Achtzigerjahren seine ersten politischen Sporen ab – drei Jahre lang als Gemeinderat in der kleinen Gemeinde Bannwil, wo seine Frau Lehrerin war. Natürlich in BGB- beziehungsweise SVP-Farben, denn anders ging das als Bürgerlicher im Bernischen damals kaum.
So begann Baaders SVP-Karriere. Aber nicht sofort. Nachdem er sein Agronomie-Studium in Rekordzeit beendet hatte, wandte er sich rasch seinem Zweitstudium in Jurisprudenz zu. Das Anwaltspatent folgte drei Jahre später. Von Politischen zog er sich während dieser Zeit zurück. Deshalb galt er – mittlerweile mit seiner Familie ins Baselbiet gezogen – als «unbeschriebenes Blatt», als es 1995 um die Nachfolge von Hans Rudolf Nebiker im Nationalrat ging.
Baader war zuvor als Gelterkindener Bürger im Bürgerrat seiner Gemeinde und entwickelte Tugenden, die später zum SVP-Renner wurden: Er schaute sehr genau, wohin das Fürsorgegeld floss, und nahm dessen Empfänger unter die Lupe. An Gemeindeversammlungen trat er als sachkundiger Kritiker der Gemeinderechnungen in Erscheinung. Und als Mitglied der Steuerrekurskommission, seit 1994 als Präsident des kantonalen Steuergerichts, zeigt Baader bis heute seine typischen Qualitäten: Genau hinsehen, scharf argumentieren. Seine Urteile haben Hand und Fuss, wird ihm von Kennern der Materie attestiert. Eine weitere Eigenschaft Baaders: Er sagt in der Regel geradeheraus, was er denkt. Was ihm natürlich nicht nur Freunde einträgt, in Gelterkinden schon gar nicht.
Politisch galt er anfänglich als recht liberal und wurde von bekannten Leuten der anderen bürgerlichen Parteien unterstützt. 1995 schaffte Baader es auf der SVP-Liste auf den zweiten Platz und rückte 1998 für Nebiker in den Nationalrat nach. Dann ging es zackig: Drei Jahre später war er Fraktionschef.
Doch bald wandten sich liberale Baselbieter Köpfe konsterniert von Baader ab, weil sie seinen Wandel hin zum «Zürcher» Hardliner weder verstanden noch goutierten. Baader gestaltete auch den Marsch seiner Kantonalpartei nach rechts aktiv mit. In Gelterkinden schwappt ihm darum keine Sympathiewelle entgegen, auch wenn seine Fähigkeiten anerkannt werden. Sollte es den Bundesrat Baader geben, so werden sich in Gelterkinden viele einen Schubs geben müssen, bis sich Freude darüber einstellt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 25.11.2008, 16:07 Uhr
Kommentar schreiben
2 Kommentare
Soso, also ein Opern- und auch sonst ein Musikfreund ist er, der Chäschperli Baader. Und ein getarnter Liberaler, welcher eigentlich lieber im linken Flügel der FDP politisiert, oder was? Goohts eigedlig no? Wird da ein steinharter 250%iger Blocher-Anhänger zum künftigen Bundesrat weichgespült, weil ein paar Bekiffte mit aller Gewalt "einen von uns" im Bundesrat wollen? Baader, NIe, Nie, Niemals!! Antworten
Herr Baader, ich gratuliere Ihnen zum Versprecher des Jahres! Christoph lässt wirklich grüssen ........... Zum Glück ist die Bundesratsgeschichte Blocher ein für allemal vorbei. Dazu gratuliere ich nicht Ihnen, sondern allen die aktiv gegen Blocher stimmten. Gruss, Karl Thalmann Antworten



