Basel

Das Gewerbe gibt Gegensteuer

Von Peter de Marchi. Aktualisiert am 07.06.2011 10 Kommentare

Der bürokratische Aufwand wächst, die Kosten steigen ständig. Für viele kleine und mittlere Betriebe wird es immer schwieriger, Lehrlinge auszubilden.

Die heutigen Schulabgänger seien sich in der Regel nicht bewusst, was Arbeit heisse, klagen die Lehrbetriebe.

Die heutigen Schulabgänger seien sich in der Regel nicht bewusst, was Arbeit heisse, klagen die Lehrbetriebe.

Umfrage

Das lokale Gewerbe bietet Lehrstellen für die hiesige Jugend an, leidet aber immer mehr unter dem administrativen Aufwand. Sollen Lehrbetriebe entlastet werden?

Ja

 
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Nein

 
10.8%

567 Stimmen


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Christoph Jenzer ist kein Unbekannter in der Region: Tour de Suisse, Traditionsmetzgerei, Goldwürste – das sind seine Markenzeichen. Der Familienbetrieb, die Metzgerei Jenzer in Arlesheim, kann auf eine über 100-jährige Tradition zurückblicken. Seit über 100 Jahren werden in dem Betrieb junge Leute zu Metzgern und Verkäufern ausgebildet. Jetzt zieht Jenzer die Alarmglocke: «Viele kleine Betriebe können sich eine eigene Lehrlingsausbildung schlicht nicht mehr leisten.» Die Lehrbetriebe würden zunehmend unter bürokratischen und gesellschaftlichen Belastungen leiden.

Jenzer, und mit ihm die Konferenz der Baselbieter Gewerbe-und Industrievereine, will jetzt Gegensteuer geben. Gestern fiel im Haus der Wirtschaft in Liestal der Startschuss zur Kampagne «Die Zukunft sähe schwarz aus ohne Lehrbetriebe». Die Kampagne soll in Erinnerung rufen, dass Jugendliche erst durch das Engagement von vielen kleinen und mittleren Betrieben eine Berufsausbildung geniessen könnten, sagte der Architekt Beat Hüsler, Präsident der Industrie- und Gewerbevereine. Der Bevölkerung und damit auch der Kundschaft soll gezeigt werden, dass Ausbildungsbetriebe einen wertvollen Beitrag an die Entwicklung der Jugend und damit an die Zukunft der Region leisten würden.

Defizite ausbügeln

Jenzer kritisierte die zunehmende Verbürokratisierung der Lehre. Laufend angepasste Bildungsverordnungen, umfassende Lerndokumentationen und Bildungsberichte würden die Lehrbetriebe zunehmend belasten. Ohne einen fast vollamtlich tätigen Lehrlingsbeauftragten könnte seine Firma als Lehrbetrieb nicht mehr funktionieren. Und wie die Schulen klagt auch Jenzer, dass Lehrbetriebe immer mehr soziale Defizite bei den Lehrlingen ausbügeln müssten. Im Gegensatz zu früher seien die heutigen Schulabgänger unreifer und in der Regel seien sie sich auch nicht bewusst, was Arbeit heisse, so Jenzer. «Heute stehen multimediale Vernetzung, Fun und Ähnliches im Vordergrund.»

Die Gewerbe- und Industrievereine wollen auf politischer Ebene aktiv werden und verlangen, dass berufliche und akademische Bildung endlich gleichgestellt werden. Das heisst vor allem, dass der Bund mehr bezahlt an die Lehrlingsausbildung.

Zudem sollen die Berufs- und Branchenverbände wieder mehr Einfluss auf die Gestaltung der Berufsausbildung haben, sagte Landrat Christoph Buser, Geschäftsführer der Konferenz der Gewerbe- und Industrievereine.Im neuen Hochschulförderungs-und Koordinationsgesetz wolle der Bundesrat gänzlich auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verzichten. Damit finde eine Abkehr von der erfolgreichen Zusammenarbeit von Forschung, Lehre und Wirtschaft statt.

Schwarze Zukunft ohne Lehrbetriebe

Jenzer und Hüsler sagen aber auch unumwunden, dass sie mit der Kampage auch Werbung in eigener Sache machen wollen. Die Leute sollen merken, wie wichtig die KMU sind. «Wir bilden ihre Kinder aus.» Deshalb solle man das Brot beim Bäcker im Dorf kaufen und die Maurerarbeit beim Baugeschäft im Dorf machen lassen – und nicht immer öfter ins benachbarte Ausland gehen, nur weil der Euro gerade tief ist.

Plakate und Flyer sollen in den kommenden Monaten daran erinnern: «Die Zukunft sähe schwarz aus ohne Lehrbetriebe.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.06.2011, 07:32 Uhr

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10 Kommentare

Guido Graf

07.06.2011, 09:14 Uhr
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Endlich dämmert es: Man merkt, dass die bisherige und einseitige Förderung der Gymis und Unis in eine akad. Sackgasse geführt hat. Noch immer zahlen Bund und Kantone 2/3 der Bildungskosten für Studierende und nur 1/3 für gewerbl. und kaufmännische Lehrlinge. Kosten für Meisterprüfung usw. berappen die Kandidaten selbst. Wir brauchen weniger akad. Kopfwerker und wieder mehr praktische Handwerkerl Antworten


Maurus Ebneter

07.06.2011, 08:37 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Wenn wir wollen, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz tief bleibt, müssen wir handeln. Bessere Schulen, weniger Bürokratie, mehr Praxisnähe, mehr Verantwortung für die Eltern und die jungen Leute selbst! Zwar muss die Lehrlingsausbildung kein Geschäft sein - wie sie es früher einmal war - doch das Kosten-Nutzen-Verhältnis dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Antworten



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