Basel

Die Altersheime suchen Personal

Von Denise Battaglia. Aktualisiert am 21.01.2009 8 Kommentare

Die Altersheime warnen vor einem Pflegenotstand: Wegen der demografischen Entwicklung, wegen fehlender Lehrstellen und weil viele junge Pflegende lieber im Akutbereich arbeiten, fehlt den Heimen das Personal, das sich um die Betagten kümmert.

Die Alters- und Pflegeheime brauchen dringend mehr Pflegepersonal. Sonst müssen Abstriche an der Betreuung der Heimbewohnerinnen und -bewohner gemacht werden.

Die Alters- und Pflegeheime brauchen dringend mehr Pflegepersonal. Sonst müssen Abstriche an der Betreuung der Heimbewohnerinnen und -bewohner gemacht werden. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Beat Brunner, seit 13 Jahren Leiter des Alters- und Pflegeheims «Zum Park» in Muttenz und Vorstandsmitglied des Verbands Baselbieter Alters-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen (BAP), ist kein Mann der Übertreibung. Wird er aber auf den künftigen Bedarf an Pflegepersonal in den Altersheimen angesprochen, gebraucht er drastische Worte: «Die Situation ist dramatisch», sagt er. Als dramatisch bezeichnet er den Mangel an Pflegepersonal.

Tatsächlich warnt auch eine von den beiden Basel in Auftrag gegebene Bedarfsanalyse vor einem Pflegenotstand. Die Ende letzten Jahres herausgegebene Studie der Swiss medical consulting (Smeco) basiert auf statistischem Datenmaterial der Spitäler, Alters- und Pflegeheime und Spitexorganisationen in Baselland und Basel-Stadt. Danach gibt es bereits jetzt zu wenig Pflegende für die stark ansteigende Zahl an Betagten. «Hätten wir die Ausländerinnen und Ausländer nicht, hätten wir ein grosses Problem», sagt Brunner. Bis zu einem Drittel aller Pflegenden sind nicht Schweizer.

Der Personalmangel in der Pflege betrifft die ganze Schweiz. Drei Gründe sind dafür verantwortlich: Erstens gibt es immer mehr Ältere und immer weniger Junge. In der Region Basel ist die Situation noch brisanter, weil sie schneller altert als andere Regionen (die BaZ berichtete). In den beiden Kantonen gibt es im Verhältnis zur Bevölkerungszahl am meisten über 65-Jährige. Derzeit sind es 18 Prozent. Bis ins Jahr 2040 wird sich der Anteil der über 65-Jährigen im Baselbiet kontinuierlich auf fast 30 Prozent erhöhen.

Dazu kommt: Ab 2009 beenden die geburtenschwachen Jahrgänge die Schulzeit. Dies werde sich auf die Berufsbildung auswirken und die Rekrutierungssituation erschweren, schreibt Smeco. «Wir spüren bereits jetzt den Rückgang an Lehrstellenbewerbungen», sagt Brunner. Der zweite Grund: Die Gesundheitsberufe wurden in den letzten Jahren einer grossen Umstrukturierung unterworfen und den Bestimmungen des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie unterstellt. Für die dreijährige Lehre zur Fachangestellten Gesundheit (FaGe), für die es laut Brunner einen Sekundarabschluss Niveau E benötigt, gibt es derzeit zwar noch genügend interessierte Schulabgängerinnen und -abgänger – aber zu wenige FaGe-Lehrstellen. In Basel-Stadt und Baselland sollten jedes Jahr zwischen 250 und 300 Jugendliche zur Fachangestellten Gesundheit ausgebildet werden, um den Bedarf an Pflegepersonal in Zukunft decken zu können.

Tatsächlich haben letztes Jahr nur 150 Interessierte eine Lehrstelle als FaGe gefunden. Die Gesundheitsbranche sei in den beiden Basel deshalb aktiv geworden, so Brunner. Das Lehrstellenangebot in den Spitälern, Heimen und Spitexorganisationen werde nun jedes Jahr um 30 Lehrstellen erhöht. Im Jahr 2009 werden bereits 180 Jugendliche eine Lehre als FaGe antreten, nächstes Jahr 210.

Schon jetzt fehlt den Pflegeheimen das Personal, insbesondere Pflegefachpersonen mit Diplomabschluss. Um eine diplomierte Pflegefachperson zu werden, ist eine dreijährige Ausbildung an der Höheren Fachschule Gesundheit nötig. Diese Pflegefachpersonen haben in den Heimen in der Regel eine Leitungsfunktion inne.

Weil für die Ausbildung aber die Anforderungen erhöht wurden, wurden in den letzten Jahren weniger Pflegefachpersonen ausgebildet. Und um die paar Wenigen reissen sich nun sowohl die Spitäler als auch die Pflegeheime und Spitexorganisationen. Zwar sind nur rund 20 Prozent des Heimpersonals Pflegefachpersonen mit Diplomabschluss, doch derzeit könnten nicht einmal diese Stellen sofort besetzt werden, sagt Brunner. «Suche ich eine diplomierte Pflegefachperson, muss ich die Stelle mehrmals ausschreiben.»

Der dritte Grund, dass gerade Altersheime um das zukünftige Personal bangen: Viele Pflegende, vor allem die Jungen, wollen lieber in den Spitälern arbeiten. «Die Spitalserien im Fernsehen versprechen Spannung und Abenteuer», sagt Brunner. Doch die Arbeit in einem Altersheim sei auch spannend. «Hier entstehen persönliche Beziehungen. Das ist in einer Akutabteilung weniger möglich.» Die Heime müssten ihr «Image» korrigieren und abgehenden Schülerinnen und Schülern die Türe für Schnuppertage öffnen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.01.2009, 17:22 Uhr

8

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

8 Kommentare

Thomas Salathe

22.01.2009, 02:18 Uhr
Melden

Greifen wir doch einfach das Thema outsorcing nochmals auf. Hier auf Phuket geniessen aeltere Menschen ein gleichbleibendes Klima. Nebst der Pflege an Koerper und Umfeld, wird hier auch der Geist oder Seele umsorgt. Ich kann nicht begreifen, dass bei den horrenden Kosten fuer ein Alters-, sowie Pflegeheimplatz dem Pflegepersonal kein attraktives Lohnverhaeltnis garantiert werden kann. Antworten


Charly Bösch

21.01.2009, 21:40 Uhr
Melden

Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass wenn die Löhne und Arbeitsbedingungen "stimmen", es auch keine grösseren Personal-Probleme in diesem Metier geben wird. Die Zeiten reiner Barmherzigkeit und dies zum Gotteslohn müssen endgültig vorbei sein. Geschäftli machen auf Kosten der Alten und des Pflegepersonals ist unanständig, um nicht ein anderes Wort zu brauchen. Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!