Ein Feld riecht nach frischer Milch

Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 02.06.2010 18 Kommentare

Über siebzig Bauern protestierten gestern in Allschwil gegen den zu tiefen Milchpreis. Der Milchmarkt sei «kriminell», hiess es. Der Präsident des Bauernverbandes beider Basel hat für den Protest Verständnis, kritisiert aber die Vernichtung eines Lebensmittels.

Protest: Bauern von Uniterre sprühen mit Güllenwagen ihre Milch auf ein Feld bei Allschwil. «Besser düngen als dumpen», meinen sie dazu.

Protest: Bauern von Uniterre sprühen mit Güllenwagen ihre Milch auf ein Feld bei Allschwil. «Besser düngen als dumpen», meinen sie dazu.
Bild: Daniel Desborough

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Landwirte erhalten derzeit nur zwischen 43 und 54 Rappen pro Liter Milch. Ist das genug?

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«Stoppt den Unsinn», stand gestern auf einem der beiden Güllenwagen, mit denen Bauern von Uniterre nach eigenen Angaben 5000 Liter Milch auf einem in der Nähe der Hundesportanlage Allschwil gelegenen Feld versprühten. Mit dem Slogan nahmen die Organisatoren den liberalisierten Milchmarkt und die Folgen für die Milchbauern ins Visier. Für Leute, die noch gelernt haben, dass man Lebensmittel nicht vernichtet, hat der Slogan allerdings noch eine andere, von den Organisatoren nicht bedachte Bedeutung.

Die offizielle Bauernschaft war denn auch gestern an dieser von einer kleinen Gruppe durchgeführten Protestaktion nicht dabei. «Ich habe Mühe mit dem Vernichten von Milch», sagt der Therwiler Landwirt Gregor Gschwind auf Anfrage der BaZ. Dennoch zeigt der Präsident des Bauernverbandes beider Basel Verständnis: «Ich begreife die Bauern, dass sie bei diesen Preisen zu solchen Aktionen greifen.»

EU-Preise

An der gestrigen Aktion wurde betont, dass der derzeitige Preis die Milchbauern ruiniert. Mit der Liberalisierung im Jahr 2009 sei der Milchpreis gegenüber dem Vorjahr um über 20 Rappen gesunken, heisst es in einer Mitteilung. Uniterre-Sekretär Ruedi Berli sagt, dass der Milchpreis derzeit zwischen 43 und 54 Rappen liege. Das seien «EU-Preise». Doch die Schweizer Bauern müssten auf Schweizer Niveau produzieren können. Uniterre fordert daher einen Preis für die Produzenten von einem Franken. Um dieses Ziel zu erreichen, erhebt Uniterre eine zentrale Forderung. «Die globale Steuerung der zu produzierenden Menge muss bei den Produzenten liegen.» Als Steuerungsorgan nennt Uniterre den Milchproduzentenverband. Die Organisation rief die gut 70 Bauern – auch einige aus dem Kanton Jura – dazu auf, weiterhin Druck zu machen: «Allenfalls werden wir auch nach Bern gehen.»

Angesichts der tiefen Milchpreise bleibt nach Ansicht von Uniterre den Milchbauern entweder die Verschuldung oder die Einstellung der Milchproduktion übrig. Auch für Gregor Gschwind vom Bauernverband sind die aktuellen Milchpreise weit von einer Kostendeckung entfernt. Dafür würde es Preise zwischen 80 Rappen und einem Franken brauchen, ist er überzeugt. Die Uniterre-Forderung von einem Franken sei jedoch in der derzeitigen Situation «unrealistisch». Gschwind glaubt auch nicht, dass der Milchproduzentenverband alleine mit der Steuerung überfordert werde. Auch solle man so kurz nach der Liberalisierung nicht bereits wieder nach dem Staat rufen. Es sei Aufgabe der Branchenorganisation Milch (BOM), eine Lösung zu suchen. Er habe «die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass dies möglich ist», sagt Gschwind. Der BOM umfasst Milchproduzenten, Milchverarbeiter und Milchverteiler.

Klassenkämpferisch

Doch am BOM übt Uniterre scharfe Kritik. Diese Organisation habe «nichts unternommen, um der voraussehbaren Überproduktion und dem wachsenden Butterberg Einhalt zu gebieten». Felix Lang, Solothurner Kantonsrat der Grünen, schlug gestern klassenkämpferische Töne an. Der Milchmarkt werde von «ein paar wenigen Halunken, Gaunern und Kriminellen beherrscht», meinte der Präsident der vor drei Monaten gegründeten Sektion Nordwestschweiz von Uniterre. Mit freier Marktwirtschaft habe dies nichts zu tun. Darum brauche es jetzt einen «Zusammenschluss von Bauern und Büezern». Ein Ziel, das die aufmüpfigen Bauern wohl besser erreicht hätten, wenn sie ihre verschüttete Milch im Kleinbasel verteilt hätten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 02.06.2010, 07:55 Uhr

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18 Kommentare

Beat Schybli

02.06.2010, 11:27 Uhr
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Anscheindend geht's den Bauern immer noch zu gut, wenn sie es sich leisten können Nahrungsmittel wegzuwerfen. Aber das kennt man ja. Ich finde es widerlich Milch wegzuschütten, wenn an anderen Orten auf der Welt Kinder an Unterernährung sterben. Diese Bauern sollten sich schämen! Antworten


aeschbacher ernst

02.06.2010, 10:17 Uhr
Melden

es ist ein unding ,milch/ lebensmittel zu vernichten ,milch auf felder zu schütten! viele können sich milch nicht leisten und niemand denkt daran. wenn die bauern nur noch diesen weg sehen ,mit ihren erzeugnissen umzugehen,dann sollen sie den beruf aufgeben. es ist zeit ,das sie lehrnen wirtschaftlich zu produzieren und nicht von den zuschüssen zu leben. kein handwerker bekommt subvenzionen Antworten



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