Basel
Ein Grüner siegt mit liberalen Positionen
Von Peter de Marchi. Aktualisiert am 28.03.2011 21 Kommentare
Der Sieger: Der massgeschneiderte Anzug und die Krawatte von Isaac Reber zeugen von einem neuen Selbstverständnis der Grünen. (Bild: Dominik Plüss)
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Im Kanton Baselland wurde am Wochenende Baudirektor Jörg Krähenbühl abgewählt. Führt die Wahl des Grünen Isaac Reber zu politischen Veränderungen im Baselbiet?
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Wie ein Schatten folgte Klaus Kirchmayr gestern seinem Parteikollegen, wich keinen Schritt von seiner Seite. Gemeinsam haben Isaac Reber und Kirchmayr das Regierungsgebäude betreten, gemeinsam haben sie die Entwicklung der Wahlergebnisse verfolgt, gemeinsam sind sie zum Interview erschienen – beide im massgeschneiderten Anzug, dem äusserlichen Zeichen für ein neues grünes Selbstverständnis.
Kirchmayr und Reber sind die zwei wesentlichen Baumeister für den grünen Wahlerfolg. Sie waren die treibenden Kräfte, welche die Partei aus der einseitig ökologischen Nische geführt haben und die Themenpalette vor allem um die Finanz- und Wirtschaftspolitik erweitert haben.
Liberale Positionen
Es schert sie auch keinen Deut, dass sie vor allem von der SP als Grünliberale gescholten werden. «Wir haben unser Spektrum verbreitert und besetzen heute auch liberale Positionen», sagte Reber unmittelbar nach seinem Sieg. Die Grünen seien mit einer pragmatischen Politik und einem klaren Programm angetreten.
Reber und seine Partei haben in diesem Wahlkampf alles richtig gemacht. Sie haben den Erfolg mit allen Mitteln gesucht, wollten keinen Alibikandidaten aufstellen. Sie sind früh in den Wahlkampf gestartet, das Plakat von Isaac Reber war nicht zu übersehen – dagegen wirkten die Auftritte der vier bürgerlichen Kandidaten, aber auch jener von Urs Wüthrich und Pia Fankhauser fast schon verschämt. Auch gestern auf dem Bahnhofplatz in Liestal war es nur Isaac Reber, der die Zugreisenden bei der Ankunft begrüsste. Dass seine Plakate eine fast schon beschämende Biederkeit ausstrahlen, hat sich nicht gerächt.
Isaac Reber wusste auch, wo er an Stimmen zulegen muss. Im Bezirk Sissach wäre er vor Jahren schon gewählt worden, jetzt kam es auf die Wählerinnen und Wähler im bevölkerungsstarken Bezirk Arlesheim an. Und dort hat Reber kräftig aufgeholt und das viertbeste Resultat erzielt.
Ganz besonders freue ihn auch sein bravouröses Abschneiden im eigenen Bezirk Sissach: das beste Resultat aller Kandidaten. «Das ist ein Vertrauensbeweis», sagt Reber. Er war fünf Jahre im Sissacher Gemeinderat. «Die Menschen kennen mich persönlich und sie wissen, dass ich zu dem stehe, was ich sage.»
Als es darum ging, für die BaZ porträtiert zu werden, wählte er die Gemeinde Arlesheim als Treffpunkt. Ein guter Schachzug des passionierten Schachspielers. Denn Arlesheim ist der Ort, wo Reber sein eigenes politisches Credo verwirklicht sieht: Der Bahnhof Arlesheim/Dornach ist für ihn ein Paradebeispiel für die aktive Zusammenarbeit von Gemeinden und Kantonen. Der Bahnhof hat sich zu einem lebendig-dynamischen Zentrum entwickelt. Eine Gesellschaft dürfe nicht stehen bleiben, sagt Reber. Und: «Die Regierung muss aktiver werden.»
Finanzpolitik
Er hat in den letzten vier Jahren im Landrat, aber auch jetzt im Wahlkampf ein Gespür für die Themen entwickelt, welche die Menschen tatsächlich beschäftigen. Während sich bürgerliche Parteien mit einer Anti-Littering-Initiative zu profilieren suchten oder simpel mit einer diffusen Liebe zum Kanton zu punkten hofften, sprach Reber viel von Wirtschaftspolitik und von Arbeitsplätzen. Auch hier dient ihm das Arlesheimer Wohn- und Gewerbegebiet entlang der Birs als grosses Vorbild. Dort treffen sich Wohnen und Arbeiten in einem fast schon idealen Umfeld.
Dass er die ökologischen Themen im Wahlkampf links liegen gelassen hat, das scheinen ihm die Wählerinnen und Wähler nicht krumm genommen zu haben. Er sagt auch offen, dass eine finanzpolitische Motion sein Meisterstück gewesen sei. Er hatte von der Regierung verlangt, dass sie endlich eine Investitionsplanung an die Hand nimmt; die Motion wurde überwiesen, sehr zum Ärger der Regierung.
Respekt
Er hat auch zusammen mit Klaus Kirchmayr ein grünes Finanzprogramm aufgestellt. In acht Punkten haben die beiden aufzuzeigen versucht, wie die Rechnung um 100 bis 150 Millionen Franken verbessert werden könnte. Als bestes Beispiel für eine verfehlte Finanzpolitik des Kantons sah Reber damals den neuen Spitalkomplex auf dem Bruderholz. Da würden 700 Millionen Franken verbaut, ohne dass der Bedarf in der Region nachgewiesen sei, ohne dass die finanziellen Auswirkungen der neuen Spitalfinanzierung und die notwendigen Folgeinvestitionen klar seien.
Auf die Frage, was er jetzt als Regierungsrat anpacken will, gibt sich Reber bedeckt, flüchtet sich ins Allgemeine. Er habe grossen Respekt vor der Aufgabe, die ihn erwarte. Für ihn sei es zuerst wichtig, dass sich die neue Regierung als Team finde und zusammenarbeiten könne. Er weiss aber auch, dass die Abwahl des Vertreters der stärksten Fraktion im Landrat nicht gut ist: «Das wird die Arbeit in der Regierung schwierig machen.»
Und auf die Frage, welche Direktion er gerne übernehmen würde, sagt er : «Ich wäre in jeder Direktion glücklich.» Frei wird die Bau- und Umweltdirektion von Jörg Krähenbühl. Von seinem beruflichen Hintergrund wäre er, der studierte Raumplaner, ideal auf diesem Posten. Aber: Der Jüngste muss nehmen, was er bekommt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 28.03.2011, 06:40 Uhr
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21 Kommentare
Er kann jedes Departement übernehmen, am Besten wäre etwas mit Verkehr. Dann kann er das parteiübliches Verkehrsunwesen treiben! Das beste an den abgeschlossenen Wahlen ist, dass einen nicht mehr an jeder Ecke die Konterfeis dieser Politiker angrinsen..... Antworten
Eine Erkenntnis aus dieser Wahl ist für mich die Tatsache, dass die Medien - insbesondere die BaZ - diesen Wechsel herbeigeschrieben haben. Die Redaktoren waren sich auch nicht zu schade, mit Halbwahrheiten zu operieren, um die amtierenden Regierungsräte zu schwächen und ihren Wunschkandidaten ins "richtige" Licht zu stellen. Ändern wird sich im Baselbiet auch nach diesem Wechsel nicht viel! Antworten

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