Basel

Ein lauter Knall und ein greller Blitz

Von Boris Gygax und Thomas Gubler. Aktualisiert am 08.10.2011 4 Kommentare

Nach über 20 Stunden Unterbruch ist die Bahnstrecke Basel-Olten mittlerweile wieder offen. Der Unfall in Olten ereignete sich bei einer der berüchtigsten Einfahrweichen in Europa.

1/7 Die Lokomotive wurde bei der Kollision zweier Züge stark demoliert: Feuerwehrleute beim verunglückten Zug in Olten. (6. Oktober 2011)
Bild: Keystone

   

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«Kurz vor dem Hauensteintunnel vibrierte der Zug stark. Es gab einen lauten Knall, gleichzeitig blitzte es grell, und die S-Bahn hielt an. Ein paar Minuten später fuhr sie weiter.» So schildert ein Augenzeuge seine Fahrt im Zug, der den Oltner Bahnhof am Donnerstag um 17.48 Uhr in Richtung Basel verliess.

Den Grund für diesen Zwischenfall konnte er in diesem Moment noch nicht kennen: Es war der Zusammenstoss zwischen zwei S-Bahnen. Die eine war ein Entlastungszug, der Basel um 17.12 Uhr verlassen hatte und aus einer Lokomotive des Typs RE 420 und drei Wagen bestand. Der zweite Zug fuhr um 17.31 Uhr in Sissach ab und hätte um 17.53 Uhr in Olten ankommen sollen.

Bei der Kollision kippte der aus Basel kommende Zug aus den Schienen, der Führerstand wurde komplett zerstört. Vom zweiten Zug sprangen zwei Achsen aus den Schienen, zudem knickte ein Fahrleitungsmast um. Insgesamt 28 Personen befanden sich in den beiden Zügen, wie die Solothurner Kantonspolizei mitteilte. Zwei Personen wurden leicht verletzt, darunter einer der Lokführer. Beide wurden inzwischen wieder aus dem Spital entlassen. Gestern um 15 Uhr wurde ein Gleis freigegeben. So konnten die Fernverkehrszüge zwischen Olten und Basel wieder weitgehend nach Fahrplan verkehren.

Ereignet hatte sich der Zusammenstoss der beiden S-Bahn-Züge vor dem Bahnhof Olten im Bereich einer Einfahrweiche. Laut SBB-Sprecher Daniele Pallecchi handelt es sich um die Stelle, wo die SBB-Linie von Läufelfingen in die Hauensteintunnelstrecke einmündet. Nördlich von Olten kommen die Strecken der alten und der neuen Hauensteinlinie nach der Überquerung der Aare zusammen (siehe Grafik).

Die Ursache wird noch untersucht

Für Ulrich Pfister, Inhaber des Verkehrsladens im Bahnhof Tecknau und profunder Kenner der dortigen Situation, war gestern schnell klar, was im Wesentlichen passiert sein musste. «Die Weiche, mit der die beiden Linien zusammengeführt werden, ist eine der berüchtigsten und neuralgischsten von ganz Europa. Dort darf einfach nichts passieren», sagt er.

Am Donnerstagabend passierte es dann aber doch. Die S9, besser bekannt als Läufelfingerli, prallte seitlich auf den aus Basel kommenden S-Bahn-Zug und warf die Lokomotive sowie zwei Wagen aus dem Geleise. Die S9 entgleiste dabei ebenfalls teilweise. So wie Pfister die Situation einschätzt, müssen die beiden Züge praktisch gleichzeitig auf die Weiche gestossen sein. Für ihn ist mit der verhängnisvollen Kollision eines klar geworden: «Die alte Hauensteinstrecke über Läufelfingen taugt nicht als Bypass zur Entlastung der Ergolztalstrecke Basel–Olten.» Dafür sei die Stelle mit der Einfahrweiche zu kritisch.

Die Ursache der seitlichen Kollision nördlich des grössten Eisenbahnknotenpunkts der Schweiz wird zurzeit immer noch untersucht. «Wir müssen die Lokomotiven, die Signaltechnik, den Funkverkehr, Stellwerkdaten und Fahrdaten der Loks überprüfen», sagt Walter Kobelt, Leiter der Unabhängigen Untersuchungsstelle Bahnen und Schiffe des Bundes. Dafür nötig seien auch Laboruntersuchungen, welche Materialien der Lokomotive genau unter die Lupe nehmen. «Ich war am Unfallort. Wir arbeiten unter Hochdruck, aber wir müssen trotz der Hektik die Übersicht bewahren», sagt Kobelt. Erst nach der Auswertung aller Ergebnisse können der Unfallhergang und dessen Ursache bestimmt werden.

Ersatzbusse im Regionalverkehr

Die Pendler und Reisenden, die von Olten nach Basel unterwegs waren, mussten über Brugg ausweichen. Der Fernverkehr wurde umgeleitet. Passagiere nach Basel wurden auch mit Bahnersatzbussen nach Sissach gebracht. «Vier bis sechs Fahrzeuge sind seit Donnerstagabend im Einsatz, teilweise Gelenkbusse», sagt Martin Brändli, Betriebsleiter Postauto der Region Nordschweiz.

Diverse Busbetriebe aus der Region Olten und Gelterkinden hätten sich zusammen organisiert. Darunter die Autobus AG und der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu. «Die Busse werden sicher noch bis Sonntag im Einsatz sein», fügt Martin Brändli an. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.10.2011, 07:41 Uhr

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4 Kommentare

walter bossert

09.10.2011, 12:19 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Die gefährlichste Weiche Europas¨? Entweder hat sich da jemand sehr weit aus dem Fenster gelehnt, oder die SBB hat da einen massiven Erklärungsbedarf! Auf einer Internationalen und sehr oft befahrenen Linie darf es solche Schwachstellen nicht mehr geben.Diese paar Meter welche von der Weiche bis in den Bahnhof noch sind, müssten doch längstens für das Läufelfingerli separat geführt werden! Antworten


Hans Sifrig

08.10.2011, 16:48 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Warum laufen diese zwei Zuege ueberhaupt? Mit 28 Personen in zwei Zuegen, welch Energieverschwendung! Es scheint, dass diese zwei Zuege ueberflussig sind. Es waere effizienter when man diese Zuege mit Taxi ersetzen wuerde. Die SBB wuerde somit noch Geld sparen und die Umwelt weniger belasten. Antworten



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