Basel
Gegenwind für Windpark auf dem Chall
Von Kurt Tschan. Aktualisiert am 14.03.2011 47 Kommentare
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Die IWB planen den Bau eines Windkraftwerkes auf dem Chall. Der Verein wind-still spricht von einem ökologischen und ökonomischen Unsinn. Soll der Windpark gebaut werden?
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Marx Mamie hat in seiner Karriere als Chef eines auf Rundfunktechnik spezialisierten Kleinunternehmens sowie als Pionier bei Kabelfernsehanlagen so manche Antenne in die Landschaft gestellt. Zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Hans Mamie war er auch Erbauer des grossen Fernsehturms auf dem Blauen. Die Zeiten, als Marx Mamie mit seinen Projeten hoch hinaus wollte, gehören aber der Vergangenheit an. Mit aller Kraft bekämpft er den von den IWB geplanten Windpark auf dem Chall. Dort wollen die Industriellen Werke Basel in sieben Jahren mit neun Turbinen – verteilt auf 6500 Betriebsstunden – 36 Gigawattstunden Strom produzieren: genug für den jährlichen Bedarf von rund 10'000 Haushalten.
Der saubere Strom aus der Region schmeckt aber nicht allen. In aller Stille hat sich am 25. Januar in Burg der Verein wind-still konstituiert. Er hat bereits Mitglieder in den betroffenen Gemeinden Röschenz, Burg und Kleinlützel. Diese Woche rührt er erneut die Werbetrommeln. Sämtliche Haushalte der drei Chall-Gemeinden erhalten Post vom Verein. Auf einem Flyer werden die Nachteile eines Windkraftwerkes verdeutlicht. Dazu gibt es einen Mitgliederantrag, eine Unterschriftenkarte und einen Einzahlungsschein. Wer Mitglied werden will, muss 25 Franken in die Vereinskasse überweisen. Auf der Rückseite des verschickten Kuverts ist ein Cartoon abgedruckt. Darauf zu sehen sind Windräder und zwei Wanderer. Sagt der eine zum anderen: «Brauchst keine Jacke, es zieht nicht.»
Zum Lachen ist es der Windkraftwerk-Opposition auf dem Chall aber keineswegs. Der Verein hält nämlich das IWB-Projekt «für ökonomischen und ökologischen Unsinn». Bereits der Bau der Anlage sei aus Optik des Umweltschutzes unverantwortlich, findet der Verein. Um die rund 250 Tonnen schweren Turbinen aufzustellen, seien riesige Fundamente oder Bodenverankerungen im Fels erforderlich. Um die Spezialtransporte vor Ort zu bringen, sei ein Ausbau des Wegnetzes erforderlich. Für die Baustelleninstallationen und die Anlagen selbst wären zudem erhebliche Rodungen erforderlich. Da an den Flügelenden Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern auftreten, resultieren nach Ansicht von wind-still auch beträchtliche Lärmimmissionen.
Laues Lüftchen
Der Verein kritisiert aber auch die «mangelnden wirtschaftlichen Voraussetzungen, die Ökonomie und Effizienz» der Anlage. Es sei erwiesen, so Mamie, dass die Schweiz kein geeignetes Windland sei. So produziere eine Turbine im Schweizer Jura nur einen Fünftel der Energie, die an Europas Küsten anfalle. Zudem seien die Windgeschwindigkeiten auf dem Chall zu gering, es wehe nur ein laues Lüftchen.
Der Verein wind-still wirft aber auch Sorgen über den Landschafts- und Naturschutz ins Feld. Zudem sieht er das bekannte Naherholungsgebiet Chall akut gefährdet.
Die IWB kontern die Kritik. «Wir haben kein Interesse, Anlagen zu bauen, die nicht wirtschaftlich sind», sagt Erik Rummer, PR-Projektleiter bei den IWB. Bereits heute produzierten Windturbinen in Europa in den besten Lagen Strom zu Marktpreisen. In naher Zukunft könne Windenergie bei steigenden Energiepreisen auch ohne die kostendeckende Einspeisevergütung rentabel produziert werden. Es könne auch nicht von ungenügenden Windverhältnissen auf dem Chall gesprochen werden. «Wir erwarten eine mittlere Windstärke von 5,0 bis 5,5 Metern pro Sekunde», sagt Rummer. Um ganz sicher zu gehen, soll auf dem Chall der Wind während Jahren gemessen werden. Erst dann soll definitiv entschieden werden.
Turbulenzen vermeiden
Bei den Geräuschimmissionen habe die Anlagentechnik grosse Fortschritte gemacht. «Unter einer Windturbine ist eine Unterhaltung in normaler Lautstärke möglich», sagt Rummer. Neue Flügelprofile und Rotorspitzen würden Turbulenzen vermeiden und die Geräusche verringern. Reduziert werde durch technische Entwicklung auch das Schwirren. Nichts wissen will Rummer davon, dass mit dem Park ein Naherholungsgebiet zerstört werde. Das bestehende Wegnetz müsse nicht ausgebaut werden. Notwendige Baumfällungen beschränkten sich auf Standorte bei den Turbinen. «Beispiele aus dem Schwarwald zeigen, dass sich Turbinen im Wald und stark genutzte Naherholungsgebiete nicht ausschliessen.»
Gegenwärtig planen die IWB Windmessungen. Zudem laufen die Vorbereitungen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Ein konkretes Bewilligungsverfahren wird erst gestartet, wenn die Windmessungen ein ausreichendes Potenzial aufzeigen und die UVP die Errichtung des Parks zulässt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 14.03.2011, 06:22 Uhr
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47 Kommentare
Jeder will mobil- telephonieren, aber keine Antenne am Nachbarshaus, jeder will fliegen aber bitte keinen Flughafen nebenan, jeder will Strom, aber ohne AKWs oder diese gigantischen, hässlichen Windrädchen.... nun so gehts halt nicht, es sei den die Bevölkerung wird halbiert.... Antworten
Sogar wenn Wind- und/oder Sonnenstrom bei günstigsten Bedingungen den Spitzenbedarf decken könnten, - was eine völlig utopische Annahme ist, - müsste für die wind- und/oder sonnenlose Zeit die gleiche Menge an konventionell erzeugtem Strom verfügbar sein. Ein hirnrissig teurer Unsinn. Antworten

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