Gemeinden drehen Atomstrom ab

Von Michael Rockenbach. Aktualisiert am 19.03.2010 5 Kommentare

Im Baselbiet findet ein Umdenken statt. Eine Reihe von Gemeinden bestellt für ihre Liegenschaften nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Freuen müsste das eigentlich auch die Stromversorger. Doch sie sind skeptisch.

Im Einzugsgebiet der EBM entscheiden sich immer mehr Gemeinden
gegen Atomstrom.

Im Einzugsgebiet der EBM entscheiden sich immer mehr Gemeinden gegen Atomstrom. (Bild: Keystone)

Umfrage

Eine Reihe Baselbieter Gemeinden bestellt für ihre Liegenschaften keinen Atomstrom mehr, sondern nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen. Sollen andere Gemeinden diesem neuen Beispiel folgen?

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60.3%

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39.7%

325 Stimmen


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Sieben Gemeinden haben schon umgestellt

Folgende sieben Gemeinden gaben an, atomfreien Strom vor allem aus Wasserkraft zu beziehen: Arlesheim, Aesch, Bretzwil, Gempen, Lupsingen, Muttenz, Reinach. In zehn Gemeinden ist die Umstellung ein ernsthaftes Thema: Allschwil, Binningen, Bottmingen, Biel-Benken, Birsfelden, Grellingen, Liesberg, Nunningen, Münchenstein und Oberwil.

Die meisten Gemeinden beziehen die Standardlinie mit Strom aus Wasser- und Atomkraft. Einzelne Gemeinden ergänzen dieses CO2-freie Angebot mit einem Naturmix
aus Wasserkraft aus kleinen Werken und Solarkraft.

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Schuld seien nicht er und sein Unternehmen. Schuld seien die vielen Konsumentinnen und Konsumenten, die zwar lautstark gegen neue Kohle-, Gas- und Atomkraftprojekte protestierten, dann aber doch den günstigen Strom aus diesen Quellen bestellten: Mit diesem Argument kontert Hans Büttiker, Direktor der Elektra Birseck Münchenstein (EBM), die häufige Kritik, sein Unternehmen sichere der Region viel zu wenig saubere Energie. Trotzdem wird die EBM nun aktiv. Um mehr Strom aus erneuerbaren Quellen absetzen zu können, plant die Firma eine Imagekampagne für Ökostrom, wie die BaZ vor Kurzem berichtet hat. Grosse Hoffnungen macht sich Büttiker allerdings nicht. Seiner Überzeugung nach kommt zuerst die preiswerte Energie und erst dann die Moral.

Neues Denken

Dabei wäre etwas mehr Zuversicht angebracht. Denn gerade auch in den grossen Unterbaselbieter Gemeinden findet ein Umdenken statt, wie eine Umfrage der BaZ im Einzugsgebiet der EBM zeigt. Sieben Gemeinden beziehen schon jetzt keinen Atomstrom mehr für ihre Liegenschaften und die Strassenbeleuchtung. Für die Umstellung auf erneuerbare Energie haben sich die meisten dieser Gemeinden in den vergangenen Monaten und Wochen entschieden. In zehn weiteren Gemeinden wollen die Behörden den Strommix zudem neu überdenken (mehr dazu im Text rechts). Entsprechend gespannt wartet man dort nun auf die EBM-Kampagne, mit der nach Informationen der BaZ auch eine neue Ökolinie mit Wasser- und Solarstrom aus der Region angepriesen werden soll.

Eine der ganz wenigen Gemeinden, die sich schon vor Jahren gegen Atom entschieden hat, ist Arlesheim. Neben dem vergleichsweise noch preisgünstigen Strom aus Wasserkraft bezieht sie auch den deutlich teureren Sonnen- und Windstrom. «Weil diese Stromarten umweltschonend sind, ihnen die Zukunft gehört und wir als Gemeinde ein Vorbild sein wollen», wie Angelica Dietler, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde, sagt. Ähnliche Überlegungen werden nun in den anderen Gemeinden angestellt, die sich von der Atomkraft losgesagt haben oder dies zumindest erwägen.

Kostenfaktor ausschlaggebend

Leicht fällt der Entscheid allerdings nicht. Denn er kostet. Die Gemeinde Allschwil zum Beispiel müsste nach einer Umstellung vom Standardmix auf atomfrei pro Jahr 520'000 Franken für den Strom zahlen anstatt wie bisher 460'000 Franken, wie der Gemeinderat vor Kurzem auf eine entsprechende Anfrage im Einwohnerrat vorrechnete. Abgehakt dürfte dieses Thema in Allschwil damit allerdings noch längst nicht sein.

Anders ist die Ausgangslage in einzelnen kleinen Dörfern. In Beinwil zum Beispiel ist der Kostenfaktor ausschlaggebend, wie Gemeindepräsident Remo Ankli sagt. Seine Gemeinde bezieht den billigsten Strom, der zumindest zum Teil auch aus unbekannter Herkunft stammt. «Eine finanzschwache Gemeinde, wie wir es sind, braucht das entsprechende Kostenbewusstsein», sagt Ankli. Auf mehr Transparenz setzt man etwas weiter unten im Lüsseltal, in Büsserach. «Wir beziehen den Standardstrom mit dem typischen Schweizer Mix von 60 Prozent Wasserkraft und 40 Prozent Kernenergie», teilt die Gemeindeverwaltung mit. «Das ist ein Produkt mit einer klar ausgewiesenen Herkunft, gegen das wir keine Vorbehalte haben. Kohleenergie ist nicht dabei.»

Weniger wichtig ist die Transparenz offenbar der Wirtschaft. Diesen Eindruck hat jedenfalls Daniel Niederhauser von der Therwiler Abteilung Bau, Raumplanung und Umwelt. In seiner Gemeinde sei der Billigstrom vor allem bei den grossen Bezügern aus Gewerbe und Industrie beliebt. «Dabei wird es entscheidend sein, ob sie für eine Umstellung bereit sein werden – und nicht, ob wir Gemeinden gute Vorbilder sind», sagt Niederhauser. Da klingt sie wieder etwas durch, die Skepsis, die auch Büttiker immer verbreitet. Trotz aller Aufbruchstimmung in den Gemeinden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.03.2010, 07:33 Uhr

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5 Kommentare

Chrigel Basler

19.03.2010, 09:00 Uhr
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Was sich die EBM und im besonderen Ihr Direktor mit Ihren "Kunden" erlaubt kann nur ein Unternehmen welches Ihre "Kunden" auf sicher hat. Aber dass wird sich ja hoffentlich bald ändern. Dann bin ich von diesen "Elektro-Rambassen" weg und gehe z.Bsp. zur IWB. Dort bin ich dann aber ganz sicher das ich kein Atom- und oder Kohle-Strom mehr mitfinanziere. Antworten


steve walker

19.03.2010, 09:13 Uhr
Melden

Das ist doch Augenwischerei: Wasserkraft ist praktisch ausgereizt. Wenn nun einzelne Gemeinden nur noch Wasserstrom statt Wasser+Atomstrom-Mix kaufen, wird einfach der Atomstromanteil bei den anderen Bezügern grösser und der Wasseranteil kleiner. Das einzige, was der Umwelt wirklich etwas bringen würde, wäre der Konsum von Wind-+Sonnenstrom. Aber der kostet halt nicht 5%, sondern 100-500% mehr. Antworten



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