Basel
Gemeinden engagieren mehr Sozialdetektive
Von Franziska Laur. Aktualisiert am 17.10.2012 45 Kommentare
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Fast die Hälfte der Gemeinden der Nordwestschweiz lassen ihre Sozialhilfeempfänger überprüfen. Die Kommunen wollen wissen, ob ihre Klienten zu Recht monatlich Geld beziehen. Ein Sozialdetektiv des Kantons Aargau, Aussendienstmitarbeiter genannt, erzählt aus seinem Alltag. Zu seinem Schutz will er aber anonym auftreten. Die meisten Sozialhilfeempfänger seien freundlich, wenn er in die Wohnung Einlass begehre, berichtet er. «Natürlich sind sie angespannt und gestresst. Doch sie beruhigen sich meist schnell», sagt der Mann.
Im Kanton Aargau hat sich mit Rüfenach kürzlich die hundertste Kommune angemeldet, um Sozialdetektive einsetzen zu können. «Es scheint sich für die Gemeinden auszuzahlen», sagt Cornelia Breitschmid, Leiterin des aargauischen Sozialdienstes. Rein materiell gesehen sind es monatlich rund 40 000 Franken, die im Kanton Aargau mit Sozialdetektiven eingespart werden. Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass die Aargauer Gemeinden im Jahr 2011 immerhin 70 Millionen Franken an Sozialhilfe bezahlt haben.
Doch viel schwerer wiege der Umstand, dass nach einer Überprüfung die Vertrauensbasis grösser wird. «So haben beide Seiten die Gewähr, dass die Angaben richtig sind», sagt Breitschmid. Jeder Antragsteller auf Sozialhilfe muss unterschreiben, dass er einen Aussendienstmitarbeiter ins Haus lässt, um die von ihm gemachten Angaben überprüfen zu lassen.
Rücken auf Verdacht hin aus
Bei der offiziellen Erhebung im Jahr 2009 setzten 12 von 86 Baselbieter Gemeinden Sozialdetektive ein. Heute dürften es rund die Hälfte sein. Anders als im Aargau, wo das Kantonale Sozialamt das Angebot als auftragsbasierte Dienstleistung führt, beauftragen die Baselbieter selbst private Firmen. Wie Matthias Schweizer, Geschäftsleiter des Fachbereiches Sozialarbeit ABS Betreuungsservice AG in Pratteln sagt, leistet sein Unternehmen für etwa die Hälfte der Baselbieter Gemeinden und auch für die Stadt Basel regelmässig Einsätze. Während das Team im Auftrag der Stadt Basel auf Verdacht hin bis zu viermal pro Tag ausrückt, sind die Einsätze im Baselbiet etwas rarer. Dort sind es je nach Grösse der Gemeinde bis zu zehn Abklärungen pro Jahr und Kommune.
«Der Auftrag kommt direkt von den zuständigen Behörden oder den Sozialdiensten. In der jeweiligen Auftragserteilung wird festgehalten, welche Verdachtsmomente vorliegen und was abgeklärt werden soll», sagt Schweizer. In jedem Fall gehen stets zwei Personen auf Hausbesuch. Dieser kann angemeldet oder unangemeldet bei den Klienten erfolgen. «Wir melden dann unsere neutralen Beobachtungen mittels eines Schlussberichtes wieder an den Auftraggeber zurück», sagt Schweizer. Das weitere Vorgehen liege beim Auftraggeber. In etwa der Hälfte der Fälle erhärtet sich der Verdacht der Behörden. Auch wenn der Aargauer Sozialdetektiv auf Tour ist, so läutet er ganz offiziell an der Türe. In der Wohnung klärt er ab, ob keine Vermögenswerte über den tolerierten Wert vorhanden sind, ob der Sozialhilfeempfänger ein Auto besitzt oder ob vielleicht die Einrichtung neu ist. Dies alles würde darauf hinweisen, dass er vielleicht doch eine Einnahmequelle oder Vermögen hat.
Kürzlich habe er einen Mann angetroffen, der recht verwahrlost gelebt habe, erzählt er. «Die Wohnung war in einem schrecklichen Zustand und es hat nach Alkohol gerochen.»
Hilfe bei psychischen Problemen
In einem solchen Fall mache er Meldung an das Sozialamt der Gemeinde und dieses reagiere dann entsprechend. «Viele Klienten schämen sich über ihre Verwahrlosung und sind froh und erleichtert, dass jemand ihre Probleme anspricht», sagt der Sozialdetektiv. «Ab und zu stossen wir auch auf Fälle von vernachlässigten Kindern.»
Im vergangenen Jahr wurden im Kanton Aargau insgesamt 1400 Anträge auf Sozialhilfe abgeklärt – und zwar nicht auf Verdacht hin, sondern routinemässig. Die Erhebung zeigt: 97 von 100 Gesuchen werden korrekt ausgefüllt. In Zukunft hofft der Kanton, dass sich noch mehr Gemeinden für das Angebot der Aussendienstmitarbeiter interessieren. Momentan hat er drei 100-Prozent-Stellen für diesen Job. Kommen noch weitere Kommunen hinzu, müsste man aufstocken.
Fricktaler Gemeinden dabei
Laufenburg war eine der fünf Gemeinden, die sich schon am Pilotprojekt im Jahr 2007 beteiligte und hat nur gute Erfahrungen damit gemacht. Die Gemeinde Kaiseraugst macht seit drei Jahren mit. Konkret habe bislang nach einer Überprüfung eine Person ihr Gesuch zurückgezogen, da sie die Voraussetzung zum Bezug von Sozialhilfe nicht erfüllt hat, sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Dies dürfte der Gemeinde immerhin einige Tausend Franken pro Monat eingespart haben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 17.10.2012, 12:46 Uhr
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45 Kommentare
Dieses Vorgehen kann ich nur befürworten. Habe in nächster Umgebung eine körperlich und psychisch kranke Person. Die schlägt sich mit Behörden um, muss froh sein, wenn sie einen vorsintflutlichen Rollstuhl bekommt während andere ohne ersichtliche Gebrechen nur Forderungen ohne Ende stellen. Antworten
Und wenn dann die IV endlich die Schrebergärten kontrolliert, wird sie auch einige Fälle finden, welche mit trotz Rückenschmerzen einiges auf die Beine gestellt haben. Es wäre schon langsam an der Zeit, dass die IV-Stellen sich mal die Listen der Schrebergarten-Besitzer anfragen !! Antworten
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