Basel

Grippewelle hat die Region erreicht

Von Martin Brodbeck. Aktualisiert am 22.02.2012 4 Kommentare

Die Impfrate unter dem Pflegepersonal ist tief. Nun müssen nicht geimpfte Pflegende und Ärzte mit einer Maskentragpflicht rechnen.

Nicht geimpftes Pflegepersonal muss ku?nftig mit einer Maskentragpflicht rechnen.

Nicht geimpftes Pflegepersonal muss ku?nftig mit einer Maskentragpflicht rechnen.
Bild: Keystone

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«In den letzten Tagen ist die Zahl der Meldungen stark angestiegen», sagt der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr auf Anfrage der BaZ. Zurzeit erhalte er täglich zwei Labormeldungen, welche den Grippevirus nachweisen. Das sei sehr viel. «Den ganzen Sommer lang habe ich nur eine Meldung erhalten.» Allerdings, sagt Schorr, seien die Erhebungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) präziser. Auch der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen verweist auf das BAG. Schweizweit sei eine «erhöhte Grippeaktivität» festzustellen.

Die soeben publizierten neuesten BAG-Zahlen zeigen deutlich nach oben. Danach haben vor allem in der Nordwestschweiz die gemeldeten Grippefälle stark zugenommen. Gab es schweizweit 99 grippebedingte Konsultationen pro 100'000 Einwohner, so waren es in den Kantonen Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn 148. Das BAG klassifiziert den Wert als «erhöht» und «steigend». Nur gerade in den Kantonen Tessin und Graubünden liegt der Wert noch höher: 170 Grippefälle gibt es hier. Die Klassifizierung des BAG: «Weitverbreitet» aber «sinkend».

Warten auf Epidemiegesetz

Dramatisch sind diese Zahlen nicht, auch wenn sie über dem epidemischen Schwellenwert liegen. In den beiden Vorjahren kam die Grippe viel früher und viel häufiger. Im Bruderholzspital hat man laut Direktor André Hug bisher von der Grippewelle nichts gespürt – weder beim Personal noch auf der Notfallstation. Ähnlich verhält es sich im Kantonsspital Liestal und im Universitätsspital Basel. Anders sieht die Situation in den Arztpraxen aus. Dort steigt gemäss BaZ-Informationen der Anteil der Patienten mit Grippesymptomen stark an.

Mit der Grippewelle wird die Frage aktuell, ob sich das Pflegepersonal in Spitälern und Pflegeheimen impfen lassen soll oder nicht. Angeheizt wird diese Diskussion durch Bestrebungen des BAG, welches die Impfpflicht im Pandemiefall einführen will. Grundlage dafür soll auf Bundesebene das neue Epidemiegesetz sein. Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen erklärt, er könne noch keine abschliessende Beurteilung abgeben, da die Planungspapiere zum Pandemiefall und die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen beim Bund erst «in Diskussion und Bearbeitung» seien. Dezidiert nimmt hingegen sein Baselbieter Amtskollege Stellung: «Ich unterstütze diese Bestrebungen voll und ganz.» Dabei geht Dominik Schorr noch einen Schritt weiter: «Pflegepersonal, das sich nicht gegen Grippe impfen will, ist in einem Alters- und Pflegeheim fehl am Platz.» Dasselbe gelte in Spitälern bei der Pflege von Patienten, die geschwächt sind. In den Kliniken gebe es viele hochbetagte Patienten, stellt Schorr fest.

Doch die Impfrate in den Spitälern ist nach wie vor tief. Im Bruderholzspital liegt sie gemäss Direktor André Hug bei 22 Prozent für das gesamte Personal, bei 55 Prozent für Ärzte und bei bescheidenen 13 Prozent beim Pflegepersonal. «Diese Situation ärgert mich», räumt Hug ein. Doch er habe keine rechtliche Grundlage, um die Impfrate zu erhöhen. Er begrüsse daher die BAG-Bestrebungen sehr.

Abnehmende Impfrate

Von einer ärgerlichen Situation spricht auch Andreas Bitterlin von Universitätsspital. Man verzeichne trotz grosser Sensibilisierungskampagnen sogar eine abnehmende Impfrate. Bei den Ärzten liegt diese aktuell bei rund einem Drittel, beim Pflegepersonal im Bereich von 10 bis 15 Prozent. Deshalb seien nun verschiedene Massnahmen im Gespräch, sagt Bitterlin. Einen Impfzwang werde es zwar nicht geben, weil dies ein unzulässiger Eingriff in die persönliche Integrität sei. Hingegen prüfe man ein Impfobligatorium für sensible Bereiche (Intensivstation, Notfallstation, Transplantationszentrum usw.). Nicht geimpfte Pflegende und Ärzte müssten mit einer Maskentragpflicht rechnen. Auch prüfe man, ob künftig das Impfobligatorium Eingang in neue Anstellungsverträge finden soll.

Gegen diesen Weg spricht sich der Liestaler Spitaldirektor Heinz Schneider aus. Man wolle bei der Freiwilligkeit bleiben. Auch bei zwei befragten Pflegeheimen geht man diesen Weg. Sowohl im Zentrum Ergolz in Ormalingen wie im Oberwiler Alters- und Pflegeheim «Dreilinden» baut man auf Aufklärung und einem Impfangebot. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.02.2012, 10:12 Uhr

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4 Kommentare

Roland Greber

22.02.2012, 13:05 Uhr
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Alle Jahre wieder die bereits bestens bekannte Hetzkampanie gegen das Pflegepersonal. Mich nimmt Wunder, wie Herr Schorr 80 % des Pflegepersonales, welches seiner Meinung nach Fehl am Platz ist, ersetzen möchte. Antworten


Erika Mumenthaler

22.02.2012, 11:39 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Macht doch kein solches Theater wegen einer Grippe. Wie mehr das man eine Impfung erzwingen möchte um so mehr wiederstand gibt es. Zudem bin ich der Überzeugung das jeder selbst entscheiden muss ob er dies möchte oder nicht. Das eigene Abwehrsystem muss bei sovielen Impfungen langsam durcheinander geraten und bald nicht mehr wissen gegen was es sich eigentlich noch wehren soll. Antworten



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