Basel

Güterzüge sollen in neue Tunnel

Von Daniel Ballmer. Aktualisiert am 04.10.2012 6 Kommentare

Ein Eisenbahntunnel von Muttenz bis Lenzburg würde die Linien am Bözberg und Hauenstein massiv vom Güterverkehr entlasten. Der Vorschlag stösst auf Interesse.

Der Schienengu?terverkehr soll nur noch im Rangierbahnhof oberirdisch gefu?hrt werden.

Der Schienengu?terverkehr soll nur noch im Rangierbahnhof oberirdisch gefu?hrt werden.
Bild: Mischa Christen

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Es braucht einen Befreiungsschlag. Das steht für Hans-Georg Bächtold fest. Der Generalsekretär des Schweizer Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) ist überzeugt, dass gerade im Raum Basel «kosmetische Massnahmen» im Schienenverkehr nicht mehr ausreichen. Der Verein schlägt daher eine eigene Güterzuglinie durch die Schweiz vor. Denn der Ausbau der Nordsee-Häfen wird zu einer massiven Zunahme im Nord-Süd-Verkehr führen. Wegen des gemischten Personen- und Güterverkehrs stiessen die Schienenkapazitäten aber schon heute an ihre Grenzen. «Der Bau von Güterzuglinien ist eine Idee der Kantonsplaner entlang der Nord-Süd-Achse zusammen mit der ETH», sagt Bächtold. «Da steckt also viel Fachwissen dahinter.» Und es sei jetzt mit der Planung zu beginnen, damit die Schweiz bereit sei, wenn die gros­sen Güterverkehrsmengen auf das Land zurollen.

Gerade beim Bahnhof Basel SBB stellen Güterzüge heute eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung dar. Der Güterverkehr muss für den SIA in Zukunft «zwingend um den Knoten Basel geleitet werden». Als Möglichkeit nennt der Verein einen Tunnel mit Anfangspunkt im Norden von Weil am Rhein, unter dem Rhein hindurch bis hin zum Rangierbahnhof Muttenz. So könnten die Güterzüge aus Frankreich im Norden von Basel rheinquerend nach Deutschland geführt werden. Ab dem Rangierbahnhof Muttenz wäre ein neuer Juradurchstich zu erstellen. Damit würde der Bau des Wisenbergtunnels entfallen. Einmal abgetaucht würde ein rund 30 Kilometer langer doppelspuriger Tunnel den Jura bis in den Raum Lenzburg unterqueren. So würden die Linien am Bözberg und Hauenstein massiv vom Güterverkehr entlastet. Auch würde viel Raum für die Entwicklung des Personenverkehrs frei.

«Aus Platzgründen unrealistisch»

Der Vorschlag stösst auf Interesse – in Liestal wie in Basel. «Gerade die Entlastung des Bahnknotens Basel würde auch für die Entwicklung des Personenverkehrs Kapazitäten schaffen», sagt die Baselbieter Verkehrsministerin Sabine Pegoraro (FDP). Allerdings sei auch zu klären, ob das bestehende Netz ohne Güterverkehr für die Personenzüge langfristig ausreicht oder ob dennoch zusätzliche Ausbauten nötig sind. Klar sei hingegen, dass etwas passieren müsse, ergänzt Pegoraros Basler Kollege Hans-Peter Wessels (SP). Der Anteil des Güterverkehrs sei in der Region Basel viel grösser als sonstwo in der Schweiz. Die Trennung vom Personenverkehr wäre daher ein grosser Vorteil, weil sich die beiden Verkehrsarten gegenseitig behinderten.

Ganz anders beurteilt wird der Vorschlag in Bundesbern. «Allein aus Platzgründen ist ein paralleles Trassee für den Güterverkehr unrealistisch», sagt Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr (BAV). Gleiches gelte für kilometerlange Tunnelbauten, die Milliarden verschlingen würden. Sie seien aber auch gar nicht nötig. Mit Abstimmungen zwischen Langsam- und Schnellverkehr sei viel zu erreichen. «Zudem gehen wir davon aus, dass die Zunahme im Güterverkehr durch bereits geplante Projekte wie die Entflechtungsbauwerke in Pratteln und Liestal mindestens bis 2030 aufgefangen werden kann», sagt Ebinger. Nicht möglich aber sei eine Umfahrung von Basel. So wäre etwa eine Umleitung des Güterverkehrs über Frankreich via Delle-Delsberg völlig unwirtschaftlich. Ebingers Fazit: «Man kann nicht einen vom Verkehrsknoten profitierenden Industriestandort Basel oder einen Rangierbahnhof Muttenz ohne Güterzüge haben.»

Von der ablehnenden Haltung des BAV zeigt sich Bächtold nicht überrascht. Mit Entflechtungen seien die Engpässe aber nicht zu beheben. «Das eigentliche Kapazitätsproblem kommt erst mit der Eröffnung des Gotthardbasistunnels auf uns zu.» Kosmetische Massnahmen reichten da nicht mehr. «Aber der Bund verschliesst bisher die Augen davor», sagt Bächtold. Offensichtlich fürchte man sich in Bern vor der Grösse der Aufgaben und den Kosten. Tatsächlich sei es sehr viel Geld, das in den nächsten Jahren ins Schienennetz zu investieren sei. «Aber was machen wir, wenn all die Güterzüge an der Grenze stehen werden?» Das Problem rolle auf die Schweiz zu. Da gelte es, rechtzeitig zu handeln.

Ähnlich tönt es aus den beiden Basel. Für die nächsten Angebotsschritte dürften die Entflechtungen ausreichen, schätzt Pegoraro. Nach Fertigstellung von Gotthard- und Ceneri-Basistunnel bestehe aber die Gefahr, dass der Jura zu einem Nadelöhr der Nord-Süd-Verbindung wird.

«Pflästerli-Politik reicht nicht»

«Langfristig müssen wir mit der grossen Kelle anrühren», ist auch Wessels überzeugt. «Bei der Realisierung eines dritten Juradurchstichs drängt sich das BAV aber nicht gerade vor. Der Bund scheint sich dem drohenden Engpass noch zu verschliessen.» Dabei wäre ein reiner Gütertunnel wegen viel geringerer Sicherheitsanforderungen deutlich günstiger als ein Tunnel für gemischten Verkehr. Und er wäre eine Alternative zum Wisenbergtunnel.

Das von Wessels präsidierte Gotthardkomitee fordert vom Bund denn auch einen Masterplan Güterverkehr. «Mir fehlt eine langfristige, übergeordnete Planung», sagt der Basler Verkehrsminister. Dazu zähle auch eine gute Anbindung der Rheinhäfen und des Containerterminals Basel Nord ans Schienennetz. «Langfristig reicht die bisherige Pflästerli-Politik einfach nicht.» Sauer stösst Wessels auch auf, dass eine Umfahrung von Basel in Bern bisher gar kein Thema sei. Damit sei die Basler Regierung gar nicht zufrieden und mache entsprechend Druck. Wessels: «Es ist unbefriedigend, dass immer mehr Gefahrengüter mitten durch die Stadt rollen.» Der Vorschlag des SIA zeige hier zumindest einen ­Lösungsansatz auf. Und angesichts der Dringlichkeit des Themas ist es für Bächtold wichtig, zumindest einen Anfang mit der Planung zu machen. «Gebaut wird ohnehin erst in 20 Jahren.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.10.2012, 12:28 Uhr

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6 Kommentare

Pietro Brinner

04.10.2012, 13:56 Uhr
Melden 27 Empfehlung 11

Wieso muss der TransitGüterverkehr durch die Schweiz geführt werden?Wieso nicht vom Badischen Bahnhof auf der Deutschenseite bis Waldshut vondort via Lenzburg-Rotkreuz-Gotthard.So haben wir weniger Lärm.Die Deutschen wollen keinen Fluglärm,wir wollen ihre lauten Transitgüterzüge nicht. Antworten


Peter Huber

04.10.2012, 13:01 Uhr
Melden 14 Empfehlung 4

Die wenigesten Güterzüge führen durch den Bahnhof Basel SBB, die relevante Güterstrecke führt durch den badischen Bahnhof. Kurz im Web nachgeschlagen: Die Umfahrung Basel wurde im trinationalen Auschuss CH-D-F etwa 2009 diskutiert und kommt 2015 wieder auf's Parkett. Ich hoffe das die Experten und Politiker nicht noch mehr Fehler gemacht haben. Achja, ist ja Wahljahr in Basel, das erklärt's. Antworten



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