Basel

Heute wird die letzte Regio-Milch verwertet

Von Andreas Hirsbrunner. Aktualisiert am 18.06.2010 17 Kommentare

Das unerwartete Aus der Regio-Molkerei hat Folgen: Die Abnehmer der Produkte müssen neue Lieferanten, elf Arbeitnehmer neue Stellen suchen. Und auf dem Trümmerfeld zurück bleibt das Ideal einer Milchproduktion mit kurzen Wegen.

Regio-Produkte ade: Was hier künftig produziert wird, ist offen – sicher keine Joghurts mehr. (Bild: Bettina Matthiessen)

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Monatelang bestand noch Anlass zur Hoffnung, doch dann wurde am Montag auf einen Schlag klar: Die Regio-Molkerei muss schliessen. Bedauern Sie das?

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Plötzlich geht alles sehr schnell: Am Montag gab der Sachwalter der Regio Milch beider Basel, Urs Baumann, das Ende der Molkerei in Frenkendorf bekannt, heute wird zum letzten Mal Milch verarbeitet, morgen finden die letzten Auslieferungen statt. Beim gestrigen Besuch der BaZ präsentiert sich die Molkerei mit zwei Gesichtern. Im Erdgeschoss herrscht «business as usual»: Milch wird angeliefert und in die beiden grossen Kühltanks gepumpt, Angestellte füllen Joghurts ab, packen volle Milch-Schlauchbeutel in Kistchen und beladen bereitstehende Camions.

Im ersten Geschoss dagegen wirds immer wieder hektisch. Walter Meyer (61), vom Logistikleiter zum Mädchen für alles mutiert und letzte Stütze aus dem einstigen Kader für den in Konkurs gegangenen Betrieb, wird laufend mit neuen Fragen konfrontiert. So vergewissert sich ein Grosskunde, ob er die Milchprodukte fürs Wochenende noch erhält, und ein Transporteur will nur noch Ware ausliefern, wenn er eine Bankgarantie dafür bekommt, dass seine Entlöhnung gesichert ist. Meyer flucht, fasst sich aber schnell wieder und murmelt vor sich hin: «Mensch ärgere dich nicht, wundere dich bloss.»

Es ging Schlag auf Schlag

Für den diplomierten Käser und seine verbliebenen zehn Mitarbeiter kommt das Finale unerwartet. Meyer: «Ich habe zu 95 Prozent damit gerechnet, dass der Molkereibetrieb weitergeht. Die Verhandlungen fanden hinter verschlossenen Türen statt. Das Resultat wurde mir am Montagmorgen mitgeteilt.» Dann gings für ihn Schlag auf Schlag: abklären, wie lange die Miba noch Milch liefert, Personal sowie die vier Gross- und 15 Kleinkunden – meist Dorfläden im Oberbaselbiet – informieren.

Die abrupte Molkereischliessung zieht einen ganzen Rattenschwanz von Fragen nach sich, doch sind erst wenige Antworten bekannt. So etwa, dass die Milchbauern in der Region die Schliessung nicht zu spüren bekommen. Die Miba nehme ihnen nach wie vor die garantierten Basismengen an Milch ab, sagt Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler. Offen ist hingegen noch, wem die Miba künftig jene Milch liefert, die bisher an die Regio-Molkerei ging. Dazu Eggenschwiler: «Wir sind im Moment am Umplatzieren, haben aber ein breites Verarbeitungsnetz.» Und er relativiert, dass die jährlich rund vier Millionen Kilogramm Milch, die an die Regio-Molkerei gegangen seien, im Verhältnis zu den 250 Millionen Kilogramm, welche die Miba pro Jahr vermarkte, bescheiden seien.

Regio-Idee gestorben

An der Umorganisation sind zurzeit auch die Abnehmer der Produkte aus der Regio-Molkerei (Milch, Rahm, Joghurt, Quark). So sagt Hans Wüthrich vom Milchhüsli Liestal, einem Grosskunden, der in der Region Altersheime, Spitäler und Kliniken mit Milchprodukten beliefert: «Wir arbeiten ab sofort mit der nächstgelegenen Molkerei, der Firma Lanz in Obergerlafingen, zusammen.» Diese fahre eine ähnliche Linie wie die Regio-Molkerei und habe noch Ausbaukapazitäten. Engpässe gebe es keine. Andere bisherige Kunden der Regio-Molkerei steigen auf ihre Hauptlieferanten wie Volg, Spar oder Emmi um.

Kein Thema ist für Wüthrich die eigenständige Verarbeitung von Milch, wie sie das Milchhüsli Liestal vor der Eröffnung der Regio-Molkerei betrieb. Das heisst, dass Milch von Baselbieter Kühen in Zukunft nur noch per Zufall und nach einem Verarbeitungsumweg via eine der grossen Molkereien jenseits des Juras in einem hiesigen Regal landet. Offen ist, was mit Gebäude, Maschinen und Personal der Regio-Molkerei passiert. Die Mitarbeiter würden ihren Lohn bis Ende August erhalten, sagt Meyer. Die ausgebildeten Milchtechnologen fänden relativ einfach eine Stelle, bei den andern sehe es weniger gut aus. (Basler Zeitung)

Erstellt: 18.06.2010, 07:55 Uhr

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17 Kommentare

Fritz Hauser

18.06.2010, 08:45 Uhr
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Das war meine Lieblingsmilch... Antworten


Can Boz

18.06.2010, 09:23 Uhr
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tja wäre der Verkaufspreis tiefer gewesen, hätte die Regio Milch auch einen besseren Absatz gefunden, aber Teuer verkaufen für so ein billiges Produkt, das man neben der Grenze ( ebenfalls Regio Produkt ) um knapp 40 % günstiger bekommt, da geht man lieber dort einkaufen. Regio Milch hatte schlicht ein falsches Konzept gehabt ! Antworten



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