Basel

Heute wird die letzte Regio-Milch verwertet

Das unerwartete Aus der Regio-Molkerei hat Folgen: Die Abnehmer der Produkte müssen neue Lieferanten, elf Arbeitnehmer neue Stellen suchen. Und auf dem Trümmerfeld zurück bleibt das Ideal einer Milchproduktion mit kurzen Wegen.

Regio-Produkte ade: Was hier künftig produziert wird, ist offen – sicher keine Joghurts mehr. (Bild: Bettina Matthiessen)

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Monatelang bestand noch Anlass zur Hoffnung, doch dann wurde am Montag auf einen Schlag klar: Die Regio-Molkerei muss schliessen. Bedauern Sie das?

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Plötzlich geht alles sehr schnell: Am Montag gab der Sachwalter der Regio Milch beider Basel, Urs Baumann, das Ende der Molkerei in Frenkendorf bekannt, heute wird zum letzten Mal Milch verarbeitet, morgen finden die letzten Auslieferungen statt. Beim gestrigen Besuch der BaZ präsentiert sich die Molkerei mit zwei Gesichtern. Im Erdgeschoss herrscht «business as usual»: Milch wird angeliefert und in die beiden grossen Kühltanks gepumpt, Angestellte füllen Joghurts ab, packen volle Milch-Schlauchbeutel in Kistchen und beladen bereitstehende Camions.

Im ersten Geschoss dagegen wirds immer wieder hektisch. Walter Meyer (61), vom Logistikleiter zum Mädchen für alles mutiert und letzte Stütze aus dem einstigen Kader für den in Konkurs gegangenen Betrieb, wird laufend mit neuen Fragen konfrontiert. So vergewissert sich ein Grosskunde, ob er die Milchprodukte fürs Wochenende noch erhält, und ein Transporteur will nur noch Ware ausliefern, wenn er eine Bankgarantie dafür bekommt, dass seine Entlöhnung gesichert ist. Meyer flucht, fasst sich aber schnell wieder und murmelt vor sich hin: «Mensch ärgere dich nicht, wundere dich bloss.»

Es ging Schlag auf Schlag

Für den diplomierten Käser und seine verbliebenen zehn Mitarbeiter kommt das Finale unerwartet. Meyer: «Ich habe zu 95 Prozent damit gerechnet, dass der Molkereibetrieb weitergeht. Die Verhandlungen fanden hinter verschlossenen Türen statt. Das Resultat wurde mir am Montagmorgen mitgeteilt.» Dann gings für ihn Schlag auf Schlag: abklären, wie lange die Miba noch Milch liefert, Personal sowie die vier Gross- und 15 Kleinkunden – meist Dorfläden im Oberbaselbiet – informieren.

Die abrupte Molkereischliessung zieht einen ganzen Rattenschwanz von Fragen nach sich, doch sind erst wenige Antworten bekannt. So etwa, dass die Milchbauern in der Region die Schliessung nicht zu spüren bekommen. Die Miba nehme ihnen nach wie vor die garantierten Basismengen an Milch ab, sagt Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler. Offen ist hingegen noch, wem die Miba künftig jene Milch liefert, die bisher an die Regio-Molkerei ging. Dazu Eggenschwiler: «Wir sind im Moment am Umplatzieren, haben aber ein breites Verarbeitungsnetz.» Und er relativiert, dass die jährlich rund vier Millionen Kilogramm Milch, die an die Regio-Molkerei gegangen seien, im Verhältnis zu den 250 Millionen Kilogramm, welche die Miba pro Jahr vermarkte, bescheiden seien.

Regio-Idee gestorben

An der Umorganisation sind zurzeit auch die Abnehmer der Produkte aus der Regio-Molkerei (Milch, Rahm, Joghurt, Quark). So sagt Hans Wüthrich vom Milchhüsli Liestal, einem Grosskunden, der in der Region Altersheime, Spitäler und Kliniken mit Milchprodukten beliefert: «Wir arbeiten ab sofort mit der nächstgelegenen Molkerei, der Firma Lanz in Obergerlafingen, zusammen.» Diese fahre eine ähnliche Linie wie die Regio-Molkerei und habe noch Ausbaukapazitäten. Engpässe gebe es keine. Andere bisherige Kunden der Regio-Molkerei steigen auf ihre Hauptlieferanten wie Volg, Spar oder Emmi um.

Kein Thema ist für Wüthrich die eigenständige Verarbeitung von Milch, wie sie das Milchhüsli Liestal vor der Eröffnung der Regio-Molkerei betrieb. Das heisst, dass Milch von Baselbieter Kühen in Zukunft nur noch per Zufall und nach einem Verarbeitungsumweg via eine der grossen Molkereien jenseits des Juras in einem hiesigen Regal landet. Offen ist, was mit Gebäude, Maschinen und Personal der Regio-Molkerei passiert. Die Mitarbeiter würden ihren Lohn bis Ende August erhalten, sagt Meyer. Die ausgebildeten Milchtechnologen fänden relativ einfach eine Stelle, bei den andern sehe es weniger gut aus. (Basler Zeitung)

Erstellt: 18.06.2010, 07:55 Uhr

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17 Kommentare

Meyer Vreni

22.06.2010, 14:13 Uhr
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Liebe Baz Mitarbeiter Ich finde den Artikel über den Untergang der Molkerei sehr stimmig und gut. Das Bild von Herrn Meyer mit dem Kommentar * RESTPOSTEN* trifft die Lage gut. Hoffentlich ist nur die Milch ein Restposten und die Mitarbeiter finden alle eine gute Stelle. Antworten


Claude Grieder

19.06.2010, 23:53 Uhr
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Ja das ist wirklich sehr schade. Die Joghurts waren wirklich super und wir haben diese regelmässig bei Coop gekauft. Sie waren nicht einmal teurer als solche mit ähnlicher Qualität. Sogar ein bisschen günstiger! Schade, dass dies nicht mehr unterstützt wurde seitens der Konsumenten. Ich nehme mal an, dass der Konkurs daran liegt, kenne die näheren Umstände nicht. Antworten


Robert Friedli

19.06.2010, 16:55 Uhr
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Schweizer kauft noch mehr Milchprodukte in Deutschland ! So verschwinden noch mehr inlädische Produkte und Arbeitsplätze wndern ab. Joghurts werden mit Deutscher-Milch i Griechenland hergestellt und tausende von Kilometer hin-und her verschoben.Hier kennt der Kosument keien Skrupel. Ich habe die Baselbieter-Milch und Joghurt gerne bei Coop gekauft ! Schade Antworten


rene huber

19.06.2010, 11:41 Uhr
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Sind das die Spätfolgen einer katastrophalen Planung und Ausführung dieser Molkerei? Hier haben Laien eine Molkerei gebaut und damit bereits beim Start Bedingungen geschaffen, die ein erfolgreiches Handeln verunmöglichen (Schimmel, Bakterien.....). Das Bedürfnis scheint da zu sein und trotzdem klappts nicht, schade. Antworten


Keefe Feisst

18.06.2010, 20:04 Uhr
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Es ist sehr schade das die Regio Milch ihre Türen schliessen muss. Ich arbeite 8 Monate in der Regio Milch als Praktikant und wusste das es der Regio Milch nicht gut ging, aber das sie ihre tore schliessen muss dachte ich nicht. Antworten


Ruth Chartrand

18.06.2010, 17:42 Uhr
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Um der Umwelt zu dienen kaufe ich schon seit 3 Jahren keine Produkte mehr die 1'000 km und mehr zurück legen müssen. Ich habe den Versuch für mich persönlich gemacht.: Saison-Gemüse, Milch-Produkte aus der Region, Wenn nichts aus der Region (ich lebe im Welschland) vorhanden ist verzichte ich darauf: Also bei mir kommen Milch + Milchprodudukte nur aus der Region in Frage. Und Erdbeeren v. Wallis ! Antworten


Marlise Herrmann

18.06.2010, 17:32 Uhr
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Solche Projekte verdienten doch kantonale Unterstützung! Antworten


Ruth Chartrand

18.06.2010, 17:01 Uhr
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Interessant.: dazu wurde also ein Kommentarbereich geschaltet. Ich sag es schon lange !! Bei wirklich wichtigen Themen wie bei der EU + Politik in der Schweiz darf sich der Normal-Bürger nicht mehr äussern. Dafür aber über REGIO-MILCH, wo sind wir mit unserer Demokratie gelandet ! Schade eigentlich, es war schön die direkte Demokratie für einige Zeit zu erleben !! Danke für's Lesen bazonline!!! Antworten


Denise Stettler

18.06.2010, 13:46 Uhr
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Wirklich sehr schade. Ich denke die Regio-Milch war zu wenig bekannt in der Region. Erst seit kurzem habe ich Milch von Regio-Milch bei Migros endeckt. Wenn ich gewusst hätte, dass es diese Produkte gibt, hätte ich schon viel früher nur diese Produkte gekauft. @Can Boz Warum soll Milch ein billiges Produkt sein? Mit ihrer Einstellung nützen Sie dem Gewerbe herzlich wenig. Antworten


Marianne Huber

18.06.2010, 12:13 Uhr
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Eine Schande für unsere Region! Haben Bauern keine Lobby? Was meinen die Politiker dazu, oder müssen sie sich schon wieder um die nächsten Wahlen kümmern? Wo sind die Mäzen unserer Region? Die Regio-Produkte waren hervorragend und wurden fleissig verkauft, was lief falsch und wer steckt dahinter? Fragen über Fragen und totales Unverständnis für solche Bewirtschaftung hochwertiger Produkte! Antworten


Shclatter A

18.06.2010, 11:16 Uhr
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Wir haben nur Milchprodukten von Regiomilch konsumiert. Der bio Quark war der beste überhaupt, nach dem kann man keine Versionen von Grossverteiler essen, sie werden nie so fine schmecken. Warum Migros, der so stolz auf seine Bio und Regio Marken ist, den Betrieb nicht unterstützen wollte, ist echt ein Rätsel. Antworten


Henri Ginther

18.06.2010, 11:02 Uhr
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Ab jetzt wird die Milch aus dem Baselbiet mit Lastwagen Hunderte km weggebracht und kommen wieder hunderte km zurück ins Baselbiet , was sagen die grünen zu diesem Zustand? Der Bauernverband (SVP) hätte da nicht eingreifen müssen ? Antworten


Kurt Naef

18.06.2010, 10:59 Uhr
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wo sind jetzt die banken mit den vollen tresoren, die den KMU's helfen sollten? ach ja, ganz vergessen, man musste ja boni bezahlen und die boni für's nächste jahr sichern. es ist eine riesenschweinerei. Antworten


Tim Meier

18.06.2010, 10:44 Uhr
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Schade, dass die Regio-Milch durch Inkompentenz in ein paar Jahren runtergewirtschaftet wurde! Nun wird die Milch wieder sinnlos in der Gegend rumgekurvt. Antworten


Heinz Bärenbold

18.06.2010, 10:18 Uhr
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Wie und wo war diese Firma finanziert? Wer hat definitiv den Hahn zugedreht? Wie kann es sein, dass ein solches Projekt, mit absolut planbaren Umsätzen und mehrheitlich fixen Kosten nach nicht einmal 5 Jahren in Konkurs geht? Ich würde gerne wieder mal einen regionalen Wirtschaftsartikel lesen, der mehr Antworten als Fragen hergibt. Antworten


Can Boz

18.06.2010, 09:23 Uhr
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tja wäre der Verkaufspreis tiefer gewesen, hätte die Regio Milch auch einen besseren Absatz gefunden, aber Teuer verkaufen für so ein billiges Produkt, das man neben der Grenze ( ebenfalls Regio Produkt ) um knapp 40 % günstiger bekommt, da geht man lieber dort einkaufen. Regio Milch hatte schlicht ein falsches Konzept gehabt ! Antworten


Fritz Hauser

18.06.2010, 08:45 Uhr
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Das war meine Lieblingsmilch... Antworten



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