Basel
Hunderte suchten vermissten Knaben via Facebook
Von Jonas Hoskyn. Aktualisiert am 30.08.2012 12 Kommentare
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Ein Vater gab via Facebook eine Vermisstenanzeige auf, nachdem sein Sohn verschwand. Soll auch die Polizei bei der Vermisstensuche auf Facebook setzen?
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Die Vermisstmeldung der Baselbieter Polizei an die Medien ging gestern kurz vor 12 Uhr raus. Der zehnjährige Sasha B. (Name der Redaktion bekannt) war am Tag zuvor in Birsfelden von der Schule weggelaufen, seitdem fehlte von ihm jede Spur. Als die Polizei den Fall kommunizierte, hatten sich in der Region schon HundertePersonen an der Suche beteiligt – wenn auch grösstenteils nur virtuell: Der Vater Yves Ruch und seine jetzige Lebenspartnerin hatten am frühen Morgen via Facebook einen Aufruf gestartet. Der verbreitete sich in Windeseile. «Wir haben gehofft, dass der Aufruf eine grosse Resonanz erzeugt», sagt Ruch. «Doch mit einem solchen Ausmass habe ich nicht gerechnet.»
Zuletzt kursierten im sozialen Netzwerk diverse Suchplakate – alle wurden von mehreren Hundert Personen geteilt. Parallel dazu hatte der Vater in Birsfelden und Umgebung Plakate aufgehängt. «Wir haben die ganze Nacht durchgearbeitet», so Ruch. Mit Erfolg: Mehrere Leute, die den Jungen gesehen hatten, meldeten sich bei ihm.
Wegen Rauferei abgehauen
Eine Stunde nach der Publikation ihrer Vermisstmeldung konnte die Baselbieter Polizei gestern bereits wieder Entwarnung geben. Eine Polizeipatrouille fand den Jungen in Kleinhüningen im Stücki-Einkaufscenter beim Gamen. «Wir haben bei unseren Abklärungen den Hinweis erhalten, dass er sich dort ab und zu aufhält», sagt Meinrad Stöcklin von der Baselbieter Polizei.
Mittlerweile scheint auch klar, was vorgefallen ist. Offenbar war Sasha am Dienstagnachmittag im Primarschulhaus Kirchmatt in eine Rauferei verwickelt. Aus Angst vor einer Sanktion lief der Zehnjährige um 15.40 Uhr von der Schule weg, zwei Stunden vor dem Unterrichtsende. «Dann ist er offenbar zu einem Kollegen, den ich nicht kenne», so der Vater. Dort hat Sasha auch übernachtet. Den Morgen hat er offenbar im Einkaufszentrum verbracht. Sein Handy hatte er die ganze Zeit ausgeschaltet.
Um 22.30 Uhr wandte sich der Vater dann an die Polizei. Diese gab sofort eine Fahndung heraus. Mittlerweile ist das Kind wieder bei seinem Vater. «Ich glaube, er hat die ganze Bandbreite noch nicht realisiert», meint dieser.
Polizei erwägt Facebook-Account
Die Suchaktion auf Facebook ist für Polizeisprecher Stöcklin eine zwiespältige Angelegenheit: «Wir haben damit an sich überhaupt kein Problem und möchten eine möglichst breite Abdeckung haben. Andererseits kann eine solche Aktion auch immer einen übermässigen Rummel auslösen.» Zumal man so immer auch viel Persönliches preisgebe. «Wenn jemand das will, muss er es selber verantworten», sagt Stöcklin.
Die Polizei sei über die Aktion des Vaters informiert gewesen – und wird diese wohl auch genau beobachtet haben. Denn auch bei den Sicherheitsorganen gibt es Überlegungen, in künftigen Fällen auf Facebook aktiv zu werden: «Es gibt ein Dafür und Dawider», sagt Stöcklin. Nicht zuletzt, weil ein Polizei-Account auch bewirtschaftet werden muss, wenn er etwas bringen soll. «Aber letztlich wird es wohl eine Frage der Zeit sein, bis wir auch auf Facebook sind.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 30.08.2012, 07:49 Uhr
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12 Kommentare
Man bedenke die Konsequenzen. Eine Such- oder gar Fahndung auf den bisherigen Wegen, also Such-/Fahndungsplakate, Such-/Fahndungsaufrufe in Radio oder TV etc. haben im Gedächtnis der Menschen einen kurzfristigen Verbleib. Wenn also der Bube nun z.B. auf Lehrstellensuche geht, wird sich kaum einer an dieses Vorkommnis erinnern. Aber Facebook vergisst nichts !!! Meine Meinung: hier Finger weg von FB Antworten
kinder auf diese art sofort zu suchen ist sicher sinnvoller als jahre danach mit bildern auf der milchverpackung. Bei erwachsenen ist das problem der persoenlichkeitsverletzung eher gegeben, es gibt faelle von "bitte melde dich" die gar nicht gefunden werden wollen. Antworten
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