Basel

«Ich bin nur noch gerannt»

Von Alexander Müller, Franziska Zambach. Aktualisiert am 03.11.2011

Ein Tram der BLT ist kurz vor Mitternacht in Münchenstein entgleist und in Haus geprallt. Anwohner und Passagiere erzählen, wie sie den Unfall erlebt haben.

1/11 An der Tramstrasse in Münchenstein ereignete sich am 2. November 2011 gegen 23.30 Uhr ein spektakulärer Tramunfall.
Bild: Polizei BL

   

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Es hat einen grösseren Knall gegeben, als das BLT-Tram der Linie 10 um 23.30 entgleist ist. Das Tram wurde aus der Schiene gehoben und rammte das Haus an der Tramsstrasse 61. Beat Pfluger, der in dem Haus wohnt, hat den Unfall live miterlebt – und enorm viel Glück gehabt. Pfluger hatte den Champions-League-Match des FC Basel gegen Benfica Lissabon im Fernsehen vefolgt und ist nach Spielende mit seinem Hund spazieren gegangen. «Auf einmal habe ich das Tram gesehen, das auf mich zuspringt. Ich bin nur noch gerannt und habe einen 100-Meter-Sprint hingelegt – so schnell war ich noch nie in meinem Leben», sagte er gegenüber der BaZ. «Das war ein Schock.»

Mit dem Schreck davon gekommen ist auch Pflugers Frau, die in der Wohnung war. Es habe im Haus einen lauten Knall gegeben, gab Pfluger zu Protokoll. Danach war an Schlaf nicht mehr zu denken. In der Wohnung selbst sei nichts zu Bruch gegangen. Schaden genommen hat allerdings das Haus selbst, das erst kürzlich renoviert wurde. Einen guten Schlaf hatte hingegen eine andere Anwohnerin, die auf der anderen Seite der Schienen wohnt: «Ich habe um halb sechs Uhr zum Fenster heraus geschaut und gedacht, der Unfall sei eben erst passiert». Sie zeigte sich glücklich, dass nicht Schlimmeres passiert ist.

Weiche falsch gestellt?

Im Tram selbst sassen mehrere Dutzend Passagiere. Eine Frau, die ganz vorne im Trams sass, wurde auf die lange Bank hinter dem Führerhaus geschleudert, wie ein Bekannter der Frau der BaZ sagte. Sie landete auf der Treppe der vordersten Tür und zog sich Prellungen an Ellbogen, Hüfte und Schienbein zu. Gemäss Aussagen der Augenzeugin, war sie nicht die Einzige, die durch das Tram geschleudert wurde. Insgesamt wurden 6 Passagiere verletzt. Der Tramchauffeur kam mit dem Schrecken davon.

Während vor Ort derzeit die Bergung des Trams am Laufen ist, spekulieren zahlreiche Schaulustige über die Ursachen des Unfalls. Kurz vor der Unfallstelle befindet sich eine Weiche, bei der das Gleis in eine Tramschlaufe abzweigt. Ein Arbeiter äusserte vor Ort die Vermutung, dass diese falsch gestellt war. Um in die Tramschlaufe abzubiegen, darf das Tram an dieser Stelle nicht schneller als 10 Km/h fahren. Das Unfalltram sei in der Nacht mit 50 km/h unterwegs gewesen, sagte BLT-Direktor Andreas Büttiker auf Anfrage. Erlaubt sind an der Stelle 60 km/h – wenn die Weiche richtig gestellt ist.

Komplizierte Bergungsarbeiten

Die BLT wurde in den letzten Wochen mehrfach Opfer von perfiden Angriffen: Unbekannte hatten widerholt mit einer Schleuder auf fahrende BLT-Trams geschossen. Nur mit viel Glück gab es bei diesen Attentaten nie Verletzte. Das der Unfall von Mittwochnacht damit in Zusammenhang steht, schliesst Büttiker jedoch aus. Beim aktuellen Unfall stehe eine technische Ursache im Vordergrund. Die genaue Ursache wird jedoch erst der Schlussbericht der unabhängigen Untersuchungskommision des Bundes zeigen. Klar ist: Die Schienen waren mit einem Alter von fünf Jahren relativ jung. «Und die Fahrleitung sowie die Bahnsicherung war auf dem neusten Stand», sagte Büttiker.

Das vordere Tram hingegen hatte schon 35 Jahre auf dem Buckel. Und möglicherweise hat es am Mittwoch seine letzte Fahrt gemacht und wird durch ein Neues ersetzt. Büttiker beklagt zudem einen geschätzten Sachschaden von rund einer halben Million Franken. Bevor die Strecke wieder freigegeben werden kann, muss erst das verunfallte Tram geborgen werden. Dies dürfte eine aufwändige Aktion geben, da das Tram auseinandergenommen werden muss. Büttiker rechnet damit, dass die Linie 10 erst am Samstag oder gar am Sonntag wieder regulär vekehrt. Bis dahin werden Ersatzbusse eingesetzt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.11.2011, 10:55 Uhr

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