Jäger missachten Hasenschutz

Von Andreas Hirsbrunner. Aktualisiert am 09.08.2010 10 Kommentare

Das Image der Baselbieter Jäger als rücksichtsvolle Weidmänner hat einen Kratzer bekommen: Roggenburger Jäger foutierten sich um das freiwillige Abschussmoratorium und erlegten zwei Feldhasen.

Im Visier: Feldhasen können im Baselbiet ganz
legal erlegt werden. Naturschützer regen sich
darüber auf.

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Der erstmalige Abschuss von zwei Feldhasen im Baselbiet seit zehn Jahren sogt für Kritik. Was denken Sie: War der Abschuss richtig?

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271 Stimmen


Pro Natura Schweiz hat mit ihrem neusten Magazin eine Diskussion über die Jagd angestossen. Im Fokus der Kritik der Naturschützer steht nebst der geplanten Lockerung des Schutzstatus von Bär, Wolf und Luchs vor allem die in gewissen Landesteilen immer noch ausgeübte Bejagung von bedrohten Tierarten wie Feldhase, Birkhuhn und Waldschnepfe.

Eine Kritik, die an den Baselbieter Jägern vorbeizielt, so meinte man. Denn weder hört man hierzulande Forderungen nach Luchsabschüssen, noch werden die im Kanton vorkommenden Feldhasen und Waldschnepfen bejagt. Letztere sind geschützt, bei den Hasen verzichten die Jäger wegen des kleinen Bestands seit Längerem freiwillig auf eine Bejagung; der letzte Feldhase wurde vor zehn Jahren von der Jagdgesellschaft Pratteln erlegt.

Null Verständnis

Und jetzt das: Die neuste Jagdstatistik weist aus, dass die Jagdgesellschaft Roggenburg im letzten Jagdjahr (April 2009 bis März 2010) zwei Feldhasen erlegt hat. Ignaz Bloch, kantonaler Jagdverwalter, Kantonstierarzt und selber Jäger, hat null Verständnis für diese Abschüsse: «Ich kann das nur als Dummheit bezeichnen und habe mich masslos darüber geärgert.» Aber eine direkte Handhabe gegen die Hasenjäger hat Bloch nicht, denn die Feldhasen sind im Baselbiet nicht geschützt und der Abschuss war somit legal. Und Abschusspläne, die vorgängig der Jagdsaison zur Genehmigung eingereicht werden müssen, sind nur für das Rehwild erforderlich. Bloch sagt: «Ich gehe davon aus, dass das ein Einzelfall bleibt und die Herren die nötigen Konsequenzen ziehen.» Andernfalls erlasse er eine Verfügung an die Jagdgesellschaft Roggenburg, dass diese keine Hasen mehr schiessen dürfe.

Auch Pascal Cueni, Präsident von Jagd Baselland, schüttelt den Kopf über die Hasenabschüsse: «Die Leute haben zwar nicht gegen das Gesetz verstossen, aber sehr ungeschickt gehandelt. Ich bedaure das.» Der Hasenbestand sei im Baselbiet einfach zu klein für eine Bejagung. Der Vorstand wolle deshalb vor der Herbstjagd vereinsintern seinen Standpunkt nochmals klarmachen, dass keine Hasen geschossen werden sollen. Und Cueni verweist als Tatbeweis, wie sehr den Jägern ein gesunder Hasenbestand am Herzen liegt, auf das Projekt «Hopp Hase». Dieses hat Jagd Baselland vor etwas mehr als drei Jahren zusammen mit Pro Natura Baselland und dem Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverband (BNV) ins Leben gerufen, um den Baselbieter Hasenbestand mit gezielten Massnahmen zu fördern.

Die Geschäftsführer der Projektpartner, Urs Chrétien von Pro Natura und Susanne Brêchet vom BNV, können den Hasenabschuss ebenfalls nicht nachvollziehen. Sie stellen aber ansonsten den Baselbieter Jägern als Ganzes ein gutes Zeugnis aus und sehen auf kantonaler Ebene keine Konfliktherde. Allerdings fügt Susanne Brêchet hinzu: «Die Unterschiede innerhalb der Jäger- Im Visier. Feldhasen können im Baselbiet ganz legal erlegt werden. Naturschützer regen sich darüber auf. Fotos Fotolia (2), iStockphoto schaft sind gross. Es gibt sehr gute Jäger, die auch bei den lokalen Natur- und Vogelschutzvereinen aktiv sind, und es gibt solche, die keine Rücksicht auf ökologische Gegebenheiten nehmen.»

Gefährliche Babyphase

Und wie steht es um die Hasen? Niemand weiss, wie viele dieser Tiere sich im Baselbiet tummeln, denn Zählungen sind sehr schwierig. «Hopp Hase» hat drei Referenzflächen in der Reinacher Ebene, im Laufener Becken und im Wenslinger Feld, wo die Tiere erhoben werden. Der Bestand sei stabil auf tiefem Niveau, sagt Projektleiter und Wildtierbiologe Darius Weber. Das Problem sei die hohe Sterblichkeit bei den Junghasen.

Zum Roggenburger Hasenabschuss will Weber nur so viel sagen: «Für die Hasenpopulation der Nordwestschweiz ist das kein relevanter Schaden. Aber ich mache mir Sorgen, dass das Beispiel Nachahmer findet.» Wäre dem so, bliebe nur ein Ausweg: Der Feldhase müsste im Baselbiet gesetzlich geschützt werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.08.2010, 07:43 Uhr

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10 Kommentare

Henri Lapin

09.08.2010, 13:56 Uhr
Melden

Da mach' ich wohl besser einen grossen Bogen um Roggenburg. Antworten


Sabine Fischer

09.08.2010, 09:40 Uhr
Melden

Wo wollen sich denn die Hasen auch verstecken, wohlfühlen und vermehren, wenn immer mehr Hecken verschwinden und öden Monokulturflächen Platz machen müssen? Wahrscheinlich sind die Wildbestände allgemein schon so arg zusammengeschossen worden, dass einfach alles aufs Korn genommen wird, worauf ein Korn folgt. Dass die Jäger aber schon so manchen Bock geschossen haben, ist ja nun nicht neu. Antworten



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