Basel

Kein Geld für Frühfranzösisch

Von Michael Rockenbach. Aktualisiert am 23.10.2009 10 Kommentare

Das Baselbiet hat bis auf Weiteres kein Geld für Frühfranzösisch und Frühenglisch. Zu diesem Schluss kommt die Baselbieter Regierung und gefährdet damit die ganze Schulreform.

Altes Modell. Französisch wird im Baselbiet weiter erst ab der 4. Klasse unterrichtet. Englisch an der Primar gar nicht.

Altes Modell. Französisch wird im Baselbiet weiter erst ab der 4. Klasse unterrichtet. Englisch an der Primar gar nicht.

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Ist Frühfranzösisch dringend nötig?


Der Baselbieter Regierungsrat verschiebt die Einführung von Frühfranzösisch und Frühenglisch auf unbestimmte Zeit. Ein umstrittener Entscheid. Muss es das neue Angebot möglichst bald geben?

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Konsequent wäre anders. Bis vor wenigen Monaten plante die Baselbieter Regierung, das neue Konzept für Frühfranzösisch (ab der 3. Klasse) und Englisch (ab der 5. Klasse) im Schuljahr 2011/2012 umzusetzen. Der Bildungsrat unterstützte das Projekt, verschob den Start aber um ein Jahr, um den Lehrerinnen und Lehrern mehr Zeit für die nötige Zusatzausbildung zu geben. Anstatt dem Landrat jetzt eine Vorlage zu präsentieren, entschied die Baselbieter Regierung aber überraschend, den Start noch weiter aufzuschieben – auf unbestimmte Zeit.

«Den Ausschlag gaben finanzielle Überlegungen, Kritik am Konzept gab es in der Regierung keine», sagt Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP). In der offiziellen Mitteilung ist die Rede von einer «Verengung des finanzpolitischen Spielraums des Kantons Basellandschaft im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise». Als wäre die Krise ein ganz neues Phänomen. Anfang Jahr pries die Regierung das Sprachenkonzept jedenfalls noch als wichtigen Bestandteil der «guten Schule Baselland» und den geplanten Kredit von 17 Millionen Franken für die Ausbildung der Lehrer als «Investition» in die Zukunft.

Besonders ärgerlich ist der Rückzieher nun für die Lehrerinnen und Lehrer, die in den Fortbildungskursen bereits Französisch und Englisch büffeln – ohne zu wissen, wann sie das Gelernte anwenden können. Und ob überhaupt je.

Verzögerungen

Denn selbst einen vollständigen Verzicht scheint Wüthrich nicht mehr auszuschliessen. «Eine Schmalspurvariante darf es nicht geben», sagt er nur: «Einsparungen bei der Aus- und Weiterbildung können wir nicht in Kauf nehmen.»

Fast ebenso ärgerlich wie für die Lehrer ist der Rückzieher für die Basler Regierung und Bildungsbehörden. Sie wollten die in der Nordwestschweiz geplanten Schulreformen möglichst zeitgleich mit Baselland durchführen. «Im Interesse der Familien, die von einem Kanton in den anderen zügeln, möchten wir ein einheitliches Angebot schaffen», sagt Pierre Felder, Leiter Volksschulen im Basler Erziehungsdepartement: «Das wird nun schwierig.»

Eine Feststellung, die möglicherweise noch untertrieben ist. Denn mit der Einführung des neuen Sprachenkonzeptes könnte sich im Baselbiet die ganze Schulharmonisierung verzögern. Denn Frühfranzösisch an der Primarschule ist auf vier Jahre ausgelegt, Frühenglisch auf zwei. Darum koppelten die Bildungsbehörden das Kernstück der Reform – die Verlängerung der Primarschule auf sechs Jahre – an die Einführung des Sprachenkonzepts. Im Baselbiet wurde der Zeitpunkt dieser Umsetzung auf das Schuljahr 2014/2015 festgelegt. Doch diese Pläne sind nun ebenfalls nur noch Makulatur.

Wie die einst grossangekündigte Reform unter diesen Voraussetzungen noch gerettet werden kann, weiss auch Wüthrich nicht. «Im Falle einer längeren Verzögerung müsste man sich überlegen, die Harmonisierung vom Sprachenkonzept abzukoppeln», sagt er. Klingt nicht unbedingt nach einem klaren Plan. Und einer konsequenten Politik. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.10.2009, 11:49 Uhr

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10 Kommentare

Stefan Bandel

22.10.2009, 11:48 Uhr
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Das ist doch unglaublich. Da unserem Land die Rohstoffe fehlen, wäre ein gute Bildung eine Investition in die Zukunft. Für mich ist das ganz klar der falsche Ansatzpunkt zum sparen. Antworten


Wolfgang Erschwil

22.10.2009, 12:31 Uhr
Melden

Steuersenkungen dafür kein Frühfranzösisch, wenn das einer vor der Steuerabstimmung gesagt hätte. Dies ist eine totale Verarschung der Regierung da Steuersenkungen wichtiger ist wie Bildung. Wenn jetzt noch einer behauptet man habe dies nicht abgesehen, dann müsste er wegen Unfähigkeit sofort abgesetzt werden. Antworten



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