Kein Geld für Frühfranzösisch

Das Baselbiet hat bis auf Weiteres kein Geld für Frühfranzösisch und Frühenglisch. Zu diesem Schluss kommt die Baselbieter Regierung und gefährdet damit die ganze Schulreform.

Altes Modell. Französisch wird im Baselbiet weiter erst ab der 4. Klasse unterrichtet. Englisch an der Primar gar nicht.

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Konsequent wäre anders. Bis vor wenigen Monaten plante die Baselbieter Regierung, das neue Konzept für Frühfranzösisch (ab der 3. Klasse) und Englisch (ab der 5. Klasse) im Schuljahr 2011/2012 umzusetzen. Der Bildungsrat unterstützte das Projekt, verschob den Start aber um ein Jahr, um den Lehrerinnen und Lehrern mehr Zeit für die nötige Zusatzausbildung zu geben. Anstatt dem Landrat jetzt eine Vorlage zu präsentieren, entschied die Baselbieter Regierung aber überraschend, den Start noch weiter aufzuschieben – auf unbestimmte Zeit.

«Den Ausschlag gaben finanzielle Überlegungen, Kritik am Konzept gab es in der Regierung keine», sagt Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP). In der offiziellen Mitteilung ist die Rede von einer «Verengung des finanzpolitischen Spielraums des Kantons Basellandschaft im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise». Als wäre die Krise ein ganz neues Phänomen. Anfang Jahr pries die Regierung das Sprachenkonzept jedenfalls noch als wichtigen Bestandteil der «guten Schule Baselland» und den geplanten Kredit von 17 Millionen Franken für die Ausbildung der Lehrer als «Investition» in die Zukunft.

Besonders ärgerlich ist der Rückzieher nun für die Lehrerinnen und Lehrer, die in den Fortbildungskursen bereits Französisch und Englisch büffeln – ohne zu wissen, wann sie das Gelernte anwenden können. Und ob überhaupt je.

Verzögerungen

Denn selbst einen vollständigen Verzicht scheint Wüthrich nicht mehr auszuschliessen. «Eine Schmalspurvariante darf es nicht geben», sagt er nur: «Einsparungen bei der Aus- und Weiterbildung können wir nicht in Kauf nehmen.»

Fast ebenso ärgerlich wie für die Lehrer ist der Rückzieher für die Basler Regierung und Bildungsbehörden. Sie wollten die in der Nordwestschweiz geplanten Schulreformen möglichst zeitgleich mit Baselland durchführen. «Im Interesse der Familien, die von einem Kanton in den anderen zügeln, möchten wir ein einheitliches Angebot schaffen», sagt Pierre Felder, Leiter Volksschulen im Basler Erziehungsdepartement: «Das wird nun schwierig.»

Eine Feststellung, die möglicherweise noch untertrieben ist. Denn mit der Einführung des neuen Sprachenkonzeptes könnte sich im Baselbiet die ganze Schulharmonisierung verzögern. Denn Frühfranzösisch an der Primarschule ist auf vier Jahre ausgelegt, Frühenglisch auf zwei. Darum koppelten die Bildungsbehörden das Kernstück der Reform – die Verlängerung der Primarschule auf sechs Jahre – an die Einführung des Sprachenkonzepts. Im Baselbiet wurde der Zeitpunkt dieser Umsetzung auf das Schuljahr 2014/2015 festgelegt. Doch diese Pläne sind nun ebenfalls nur noch Makulatur.

Wie die einst grossangekündigte Reform unter diesen Voraussetzungen noch gerettet werden kann, weiss auch Wüthrich nicht. «Im Falle einer längeren Verzögerung müsste man sich überlegen, die Harmonisierung vom Sprachenkonzept abzukoppeln», sagt er. Klingt nicht unbedingt nach einem klaren Plan. Und einer konsequenten Politik. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.10.2009, 11:49 Uhr

10 KOMMENTARE

Anton Bischof

27.10.2009, 09:27 Uhr

Schade, für alles andere haben wir Geld, für das Wichtigste, Ausbildung unserer Jungend, was das Kapital der Zukunft und Wirtschaft ist, reicht das Geld nicht. Schicken wir doch noch mehr für Solidaritätsbeiträge in die Länder welche neu in die EU aufgenommen werden, sie werden es unseren Jungen mal sicher danken mit dem Gang zum Arbeitsamt. Wann denken wir wieder an unsere Stärken der Schweiz?


Hans Walther

26.10.2009, 13:50 Uhr

Der Kanton BL kann einem leid tun, über 30 Jahre nur unfähige Schwätzer als Erziehungsminister, ohne Sachkenntnisse, Engagement und Visionen für Bildung. Offenbar kommen auch die entsprechenden Chefbeamten aus der selben Ecke. Jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass in BL relevante Bildungsideen entstanden noch umgesetzt wurden.


Christian Lischer

22.10.2009, 19:22 Uhr

So wurden die Steuern gesenkt um diesen Kanton als Wohnort für gute Steuerzahler attraktiv zu machen. Wenn die Folge davon nun ist, dass auch die Bildung Federn lassen muss, macht das diesen Kanton ganz sicher nicht attraktiver.


Christoph Layer

22.10.2009, 18:51 Uhr

Kurz nach der Abstimmung über Steuergeschenke muss bei den Schwächsten, den Kindern gespart werden. Für eine unnötige "Sanierung" eines Kreisels bei der MFK war jedoch genügend Geld vorhanden. Strassen nach Liestal dürfen ebenfalls Millionen mehr verschlingen. Wir haben eine jämmerliche Regierung in Liestal!


Marco Lardi

22.10.2009, 15:47 Uhr

Zuerst mit allen Mitteln alles durchboxen und anschliessend alles aus Geldmangel abblasen. Was sind den dass für Unfähige Leute, die da das Sagen haben? Ich erwähne nur die 68 Milliarden die für die Rettung der Profitgeier eingesetzt wurden. Eina Milliarde weniger und wier hätten Früh-engl.- und französich etc.mit einem Privatlerer für jeden einzelnen Schüler, Herr Bildungsdirektor Urs Wüthrich


Alain Pichard

22.10.2009, 15:44 Uhr

Frühfranzösisch ist in keinem Kanton getestet worden, die Wirkung dieses Kurzschlussentscheids höchst umstritten. Ausserdem ist er punkto Harmonisierung ein Rückschritt, weil die Ostschweiz ja mit Frühenglisch beginnt. Viel gescheiter wäre ein permanenter Austausch zwischen Schülern der Romandie und der Schweiz. Effizienter und erst noch viel billiger. Der Entscheid der Regierung ist vernünftig.


Rolf Schlumpf

22.10.2009, 13:35 Uhr

Bildung, gerade die Sprachen, sind Zukunft. Soll nicht heissen, dass man bereits im Kindergarten-Alter damit beginnen muss, lasst die Kinder erst mal spielen und sich austoben. Allerdings sollte ab einem gewissen Alter die Bildung wirklich ernst genommen werden und für sowas zahle ich dann auch gerne Steuern. Die Absage aufgrund finanziellem Engpass ist ein Zeichen in die falsche Richtung...


Fritz Meier

22.10.2009, 12:45 Uhr

Für eine nach wie vor viel zu teure Armee sowie namentlich für überflüssige Kampfflugzeuge scheint Geld immer noch im Überfluss vorhanden zu sein. Bei der Bildung wird jedoch mal wieder gespart. Jeglicher weiterer Kommentar ist da eigentlich überflüssig...


Wolfgang Erschwil

22.10.2009, 12:31 Uhr

Steuersenkungen dafür kein Frühfranzösisch, wenn das einer vor der Steuerabstimmung gesagt hätte. Dies ist eine totale Verarschung der Regierung da Steuersenkungen wichtiger ist wie Bildung. Wenn jetzt noch einer behauptet man habe dies nicht abgesehen, dann müsste er wegen Unfähigkeit sofort abgesetzt werden.


Stefan Bandel

22.10.2009, 11:48 Uhr

Das ist doch unglaublich. Da unserem Land die Rohstoffe fehlen, wäre ein gute Bildung eine Investition in die Zukunft. Für mich ist das ganz klar der falsche Ansatzpunkt zum sparen.



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