Basel

Kritiker drohen mit Giftmüllprozess wie in Bonfol

Von Michel Ecklin. Aktualisiert am 15.02.2012 7 Kommentare

Umweltverbände und linke Politiker sind mit den Sanierungsplänen des Kantons für die Muttenzer Feldrebendeponie unzufrieden.

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Die Deponie Feldreben sei umfassender als geplant zu sanieren, fordern Umweltschützer. Sind die Sanierungsziele ausreichend?

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Neun giftige Substanzen berücksichtigte das Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE), als es im vergangenen Herbst die Sanierungsvorgaben für die Muttenzer Deponie Feldreben definierte. Auf dieser Grundlage will der Kanton demnächst eine Sanierungsverordnung erlassen. Für die Allianz Deponien Muttenz (ADM) sind die neun Substanzen viel zu wenig.

Die Allianz hat sich die Aufgabe gegeben, die Sanierung kritisch zu überwachen. Gestern nun rechnete sie vor den Medien vor, dass in Feldreben über 4000 giftige Stoffe im Boden sind. Davon hätten die Baselbieter Behörden nur 250 untersucht, von denen rund 100 die gesetzlichen Grenzwerte überschritten. «Das wird vom Umweltamt ignoriert», sagte Deponienexperte Martin Forter. Sein Fazit: «Die Sanierungsvorgaben des Kantons haben zu wenig mit der Schadstoffrealität bei der Feldrebengrube zu tun.»

«Die Augen nicht verschliessen»

Die ADM wirft dem Kanton Baselland vor, eine Studie des Basler Professors Peter Huggenberger falsch zu interpretieren. Dieser weise ausdrücklich darauf hin, dass eine Gefährdung des Trinkwassers nicht auszuschliessen sei. 78 Prozent der giftigen Stoffe im Trinkwasser kämen auch in der Deponie vor, sagte Forter. «Das spricht doch sehr dafür, dass die Deponie das Trinkwasser verschmutzt.» Eigentlich seien nach dem Gerichtsentscheid zur Deponie in Bonfol Übersichtsanalysen (Screenings) als Planungsgrundlage allgemein anerkannt, sagte Matthias Wüthrich, Leiter der Chemiekampagne bei Greenpeace Schweiz. Aber das AUE ignoriere die daraus resultierenden Zahlen, indem es nur neun Schadstoffe für sanierungsrelevant erkläre. Wüthrich: «Die Screenings haben uns die Augen geöffnet – jetzt dürfen wir die Augen nicht wieder verschliessen.»

Verdrehung mit System

Linke Politiker aus Stadt und Land erhoben vor den Medien einige Vorwürfe an die Baselbieter Regierung. So meinte Nationalrätin Maya Graf (Grüne): «Verdrehen und einfach mal das Gegenteil behaupten – das scheint im Baselbieter Umweltamt System zu haben.» Dabei müsse die Bevölkerung «mit der Realität konfrontiert werden, dass wir nicht ausschliessen können, dass Gift aus den Chemiemülldeponien von Novartis (NOVN 49.92 0.89%) & Co. ins Trinkwasser fliesst». Nur so könne man endlich das Problem lösen. Zudem ist für die Allianz unverständlich, warum das AUE unter dem damaligen Regierungsrat Jörg Krähenbühl die Deponie Feldreben kaufte. «Jetzt erteilt sich der Kanton selber Sanierungsvorgaben», so Forter.

Die Allianz fordert jetzt «eine schnelle, einmalige und definitive Sanierung» der Deponie. Die Behörden müssten sich der Gefahr aller Giftstoffe stellen und schärfere Sanierungsvorgaben machen. Zudem fordert die ADM Einsitz in die Sanierungsgremien. In einer Medienmitteilung erklärte das AUE schon vor der Medienorientierung der ADM, die Allianz verbreite «eigene Interpretationen der Sanierungsziele». Man werde «zu gegebener Zeit Stellung dazu nehmen». Gleichzeitig betont das Amt, das Vorgehen des Kantons sei vom Bundesamt für Umwelt abgesegnet. Beide Stellen sind überzeugt, «dass es sich bei der Altlastbearbeitung der ehemaligen Deponie Feldreben um den Vollzug der heute gültigen eidgenössischen Gesetzgebung handelt».

Mit allen rechtlichen Mitteln

Demgegenüber hält Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) fest, man werde es «mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen», wenn das kantonale Umweltamt in seinen Vorgaben nicht gemäss Altlastenverordnung alle 4000 Giftstoffe berücksichtige. Deutlicher wurde Greenpeace-Experte Wüthrich: «Falls in Muttenz Behörden und Industrie ihre Haltung nicht ändern, wird der Rechtsweg à la Bonfol auch in Muttenz zu einem realistischen Szenario.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.02.2012, 07:59 Uhr

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7 Kommentare

Andreas Kofler

15.02.2012, 08:11 Uhr
Melden 6 Empfehlung

"Verdrehen und einfach mal das Gegenteil behaupten – das scheint im Baselbieter Umweltamt System zu haben."
Das hat im Baselbiet generell System. Es wäre an der Zeit, diesem etwas in die Länge gezogenen Selbstverwirklichungsprojekt ein Ende zu bereiten.
Antworten


Ronnie König

15.02.2012, 10:26 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Man stehe im Dienste der Patienten..... Das sind die üblichen Sprüche und Floskeln. Kennen wir. Warum verhindern sie denn nicht, dass es keine Chemiezombies gibt, wenn die ganze Brühe mal im Trinkwasser landet? Früher machte man Fehler im Übermut und den goldenen Zeiten. Gut, kann passieren. Aber nun sollen Chemie, Pharma und Kanton die Sauerei sanieren. Alles andere ist verantwortungslos und Mord Antworten



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