Laufentaler sollen im Jura zur Schule

Von Peter Walthard. Aktualisiert am 20.01.2009

In Zukunft sollen die Schüler des Regionalen Gymnasiums Laufental-Thierstein die Möglichkeit erhalten, ihre Ausbildung komplett zweisprachig zu absolvieren. Bereits bestehen enge Kontakte zum jurassischen Lycée cantonal in Porrentruy.

Vive la francophonie: Laufner Schüler könnten bald schon in Porrentruy das Gymnasium besuchen. Foto Elena Monti

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Zwei Jahre in Porrentruy wohnen und zur Schule gehen – für künftige Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in Laufen könnte dies schon bald zum Ausbildungsgang gehören. Im Gegenzug sollen jurassische Gymnasiasten einen Teil ihrer Ausbildung in Laufen absolvieren – auf Deutsch, wie Rektor Isidor Huber erklärt.

«Unser Ziel ist es, echte bilinguale Klassen einzuführen», sagt er. Diese würden jeweils für zwei Jahre am Lycée cantonal in Porrentruy und am Gymnasium in Laufen unterrichtet. Bereits gab es konkrete Gespräche zwischen Huber und seinem jurassischen Amtskollegen Pierre-Alain Cattin. In den nächsten Wochen wollen die beiden Schulleiter mit ihrem Vorschlag an die Kantonsregierungen gelangen.

Stimmen diese zu, wartet auf die Schüler ein anspruchsvolles Programm. «Für manche wäre das wohl ein Kulturschock», sagt Huber. Der Unterricht im Nachbarkanton biete aber die Chance eines echten Austausches: «So kann man in die andere Sprache und Kultur eintauchen.» Mit dem bilingualen Unterricht ziele man ohnehin nur auf eine gewisse Auswahl von Schülern ab, so Huber. Denn was Cattin und Huber vorschwebt, ist nicht einfach ein Austauschprogramm: Der bilinguale Unterricht soll vielmehr in eigentlichen Eliteklassen stattfinden. «Eine Möglichkeit wäre, für die Teilnahme an den Klassen einen bestimmten Notenschnitt vorauszusetzen», so Huber.

Den studierten Romanisten treibt dabei nicht nur die Liebe zur französischen Sprache. Er sieht die Nähe zur Romandie als zentralen Standortvorteil des Gymnasiums in Laufen. Besonders im Jura gebe es schon lange eine starke Tradition der zweisprachigen Ausbildung. «Viele Jurassier studieren in der Deutschschweiz», sagt er. Hier könne das Gymnasium Laufen dem Nachbarkanton wertvolle Dienste leisten.

Standortvorteil

So gibt es in Delémont ab diesem Sommer eine zweisprachige Schulklasse – nicht zuletzt, um gute Steuerzahler aus der Region Basel in den Jura zu locken. «Zweisprachige Gymnasialklassen wären da eine logische Fortsetzung», sagt Huber. Allerdings seien die beiden Projekte völlig unabhängig voneinander entstanden.

Neu ist Hubers Idee nicht: Bereits 2005 wurde im Laufental über eine Konzentration auf den Französischunterricht und eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen im Kanton Jura diskutiert.

Damals ging es darum, das Gymnasium zu retten: Da das Bildungsgesetz ursprünglich verlangt hatte, das alle Progymnasiasten zusammen mit den anderen Oberstufenklassen unterrichtet werden sollten, drohten diesem Schüler abhandenzukommen. Mit einer Spezialisierung auf Französisch hätten Schüler aus anderen Kantonsteilen angezogen werden sollen, um eine Schliessung zu verhindern.

Mit der Zusammenarbeit mit den jurassischen Nachbarn habe das Gymnasium die Möglichkeit, an Profil zu gewinnen, ist Huber überzeugt. Dies sei für die ganze Wohnregion Laufental-Thierstein wichtig. «Die Ausbildungsmöglichkeiten sind ein wichtiges Argument bei der Wahl des Wohnortes», sagt er. Eine bilinguale Matur erhöhe die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und eröffne auch internationale Karrieremöglichkeiten: «Wir wären ja blöd, wenn wir da unsere Kontakte zum Jura nicht nutzen würden.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.01.2009, 16:01 Uhr

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