Liestals kühne Idee gegen den Hagnau-Stau

Der Kanton Baselland schlägt einen Tunnel für den Transitverkehr zwischen Weil am Rhein und Giebenach vor. Die Basler Regierung konnte dazu noch keine Stellung nehmen.

Soll mit einem Tunnel verhindert werden: der tägliche Stau in der Hagnau.

Soll mit einem Tunnel verhindert werden: der tägliche Stau in der Hagnau. Bild: Nicole Pont

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3,2 Milliarden Franken stehen beim Bund noch bereit, um Flaschenhälse auf dem Schweizer Autobahnnetz zu beheben. Geld, das auch für den Ausbau der Basler Osttangente zur Verfügung stehen würde. Nur der Bund und der Kanton Basel-Stadt sind sich noch nicht darüber einig, wie ausgebaut werden soll. Der Bund schlug einen Ausbau auf sechs Spuren vor. Dagegen aber regte sich Widerstand bei der Bevölkerung, aus Rücksicht auf die Wohnquartiere in Autobahnnähe. Basel-Stadt verlangte deshalb vom Bund, dass der Ausbau der Osttangente unterirdisch zu führen sei.

In der Botschaft des Bundesrats zur Engpassbeseitigung auf dem Netz der Nationalstrassen steht die Osttangente immer noch im Modul 2. Das heisst, der Bedarf ist vordringlich, die Finanzierung sollte gesichert sein. Basel-Stadt habe jetzt die Tunnelvariante beim Bund eingegeben und erwarte bis zum Herbst eine Antwort, sagt André Frauchiger, Mediensprecher des Tiefbauamts. Gabriele Crivelli, Mediensprecherin des Bundesamts für Strassen, bestätigt den Eingang der Unterlagen. Der Vorschlag werde jetzt auf seine bau- und verkehrstechnische Machbarkeit hin geprüft. Sollten sich Bund und Kanton allerdings nicht einig werden, dann könnte sich der Ausbau der Osttangente verzögern und andere Projekte könnten vorgezogen werden, sagt Crivelli.

Grossräumiger denken

André Frauchiger betont, dass die Basler Regierung auf jeden Fall auf der Tunnelvariante beharren werde. Dies habe sie in einer Interpellationsantwort vor wenigen Wochen klar zum Ausdruck gebracht. In den letzten Jahren habe sich in der Bevölkerung, weit über die direkt Betroffenen hinaus, entschlossener Widerstand gegen eine oberirdische Erweiterung manifestiert. Auch die politischen Parteien würden ohne Ausnahme monieren, nur eine Variante in Tieflage sei stadtverträglich und akzeptabel, schrieb die Regierung.

Der Kanton Baselland bringt nun eine kühne Idee ins Spiel. «Wir haben den Kartenmassstab vergrössert», sagt Kantonsingenieur Olivier Jacobi. Statt mit kleinräumigen Massnahmen zwischen Augst und Kleinhüningen schnell einmal zwischen eineinhalb und drei Milliarden verbaut zu haben, könnte man sich doch einen neuen Korridor für den Transitverkehr vorstellen, also für den Verkehr, den die Nordwestschweiz gar nicht interessiert, der einfach möglichst schnell von Norden nach Süden und umgekehrt fliessen will.

Ein Tunnel würde vieles lösen

Oliver Jacobi könnte sich zum Beispiel einen Tunnel vorstellen zwischen der A5 in Weil am Rhein und der A2 in Giebenach. Dann würde es wahrscheinlich auf dem bestehenden Netz gar keine zusätzlichen Bauten mehr brauchen. Das sei mal der Denkanstoss, den Baselland nach Bern gesendet habe, sagt Jacobi. Die Basler Regierung könne zu dieser Idee noch nicht Stellung nehmen, sagt Frauchiger.

Soweit die Vision. Konkret aber fordert Baselland, dass nicht nur die Basler Osttangente, sondern auch der Abschnitt zwischen der Hagnau und dem Anschluss Liestal in das Modul 2 übernommen wird. Es staue nicht nur auf der Osttangente, sagt Jacobi. Schon ein unvorsichtiger Spurwechsel nach dem Tunnel Schweizerhalle könne einen Stau bis Augst hervorrufen – die sogenannte Handorgel. Dieser Ausbauschritt aber ist nur in Modul 3, das heisst, dass noch kein Geld dafür bereitsteht.

Auch für Birsfelden dränge der Ausbau der Osttangente, sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Staut sich der Verkehr auf der A2, quelle der Verkehr in die Hauptstrasse. Hiltmann würde ebenfalls einen Tunnel vorziehen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.07.2013, 07:28 Uhr

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