Basel

Mehr Frauen in die Verwaltungsräte

Von Franziska Laur. Aktualisiert am 15.09.2011 12 Kommentare

Die Verwaltungsräte von staatsnahen Unternehmen in der Region sind von Männern dominiert. Eine Projektgruppe will dies nun ändern.

Ungleich verteilt. Nach wie vor dominieren Männer die Verwaltungsräte und Leitungsgremien.

Ungleich verteilt. Nach wie vor dominieren Männer die Verwaltungsräte und Leitungsgremien.

Umfrage

Mit Dossiers von Kaderfrauen will eine Projektgruppe Betriebe dazu bringen, mehr Frauen in den Verwaltungsrat zu holen. Unterstützen Sie dieses Anliegen?

Ja

 
48.3%

Nein

 
51.7%

524 Stimmen


Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Frauen sind in Kaderpositionen und Verwaltungsräten nur selten anzutreffen. Dabei haben inzwischen mehr Frauen als Männer einen Uniabschluss. Das ist nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich ein Verlust.

Damit sich das ändert, haben Initiantinnen um die Landrätin Esther Maag (Grüne) eine Projektgruppe «Frauen in die Verwaltungsräte» gegründet – und rund 20 staatsnahe Unternehmen mit einem Frauenanteil unter 30 Prozent angeschrieben. Dabei pochen sie nicht auf Quoten, sondern sie sandten mit den Schreiben Profile von zwölf gut ausgebildeten Frauen, die sich für Verwaltungsratssitze zur Verfügung stellen würden. «Wir wollen Signale setzen. Schliesslich wird häufig argumentiert, dass sich keine Frauen zur Verfügung stellen würden», sagt Maag.

«Eine originelle und lösungsorientierte Idee», lobt Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG (BLT). Für ihn ist klar, dass Frauen für ein Gremium eine Bereicherung sind. Doch ein Mandat im Verwaltungsrat sei nicht zu unterschätzen: «Der Einsitz sollte keine Frage des Geschlechts, sondern der Persönlichkeit und Qualität sein.»

Auch im Basler Erziehungsdepartement (ED) ist man sich wohl bewusst, dass es im Universitätsrat an Frauen mangelt. «Unsere Rate war auch schon besser», sagt Joakim Rüegger, Leiter Hochschulen im ED. Für die laufende Amtsperiode sei es nicht gelungen, mehr als zwei von elf Uniratssitzen mit Frauen zu besetzen. Wahlbehörden seien die Regierungsräte beider Basel, und da beim Ersatz von Vakanzen ein ganzes Kriteriengeflecht zum Tragen komme, sei es häufig nicht ganz einfach, diese Kriterien mit dem gewünschten Geschlecht in Einklang zu bringen.

Licht nicht unter Scheffel stellen

Zufrieden ist man beim Universitäts- Kinderspital beider Basel (UKBB). Dort sitzen immerhin zwei Frauen im sechsköpfigen Kinderspitalrat. «Seit Conrad Müller Direktor des Kinderspitals ist, hat er überhaupt mehr Frauen in Führungspositionen geholt», sagt die Kommunikationsbeauftragte Sandra Soland.

Knapp 80 Prozent der Stabsstellen seien von Frauen besetzt. Zudem nehmen mittlerweile drei Frauen Einsitz in der Geschäftsleitung, vor drei Jahren war es lediglich eine. So ist der Posten der Forschungsleitung im UKBB seit einem Jahr mit einer Frau besetzt. Offen stehen die Türen bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV). «Für mich ist das ein wichtiges Thema», sagt Geschäftsleiter Bernhard Fröhlich. Bei der BGV sind zwei von acht Verwaltungsratssitzen von Frauen besetzt – und laut Fröhlich wäre man durchaus bereit, diesen Anteil zu erhöhen. Doch das Anforderungsprofil müsse auf jeden Fall erfüllt sein. Allzu häufig mache er allerdings die Erfahrung, dass Frauen sich schlecht verkaufen, während Männer selbstbewusst hinstehen. «Sie dürften ruhig etwas forscher sein», sagt er.

Er setzt auf drei Punkte: Unternehmen müssten Strukturen schaffen, damit Frauen sich nicht zwischen Muttersein und Karriere entscheiden müssen. Und sie müssten das Thema ansprechen – hier windet er der forschen Projektgruppe durchaus ein Kränzchen. Doch dann brauche es auch den Mut der Frauen: Sie sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Hohe Anforderungen

«Es gibt tatsächlich Frauen, die wie beim Tanz warten, bis sie geholt werden», sagt Doris Aebi, Headhunterin. Allerdings erlebt sie, dass sie zunehmend selbstbewusster werden. «Nicht zuletzt aufgrund der markant besseren Ausbildung.» So konnte sie in den vergangenen Jahren über ihre Firma Aebi und Kuehni häufiger Frauen in Spitzenpositionen und Verwaltungsräten positionieren. Nicht ganz unproblematisch findet sie allerdings, Profile blind loszusenden. «Die Anforderungen für einen Sitz im Verwaltungsrat sind hoch und müssen ergänzend auf die Kompetenzen der anderen Mitglieder abgestimmt sein», sagt sie.

Aebi selbst arbeitet aufgrund der Erkenntnis, dass Frauen in Verwaltungsräten stark unterrepräsentiert sind, im Female Board Pool mit. Diese Organisation ist dem Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen angegliedert und arbeitet darauf hin, den Anteil kompetenter Frauen in Verwaltungsräten von Schweizer Unternehmen markant zu erhöhen – erreicht werden soll dies durch Förderung und Vermittlung von geeigneten Personen.

Nur Männer in BVB-Verwaltungsrat

Schritte unternimmt auch der Kanton Basel-Stadt: Die Verwaltung arbeitet an einer Vorlage, die darauf abzielt, dreissig Prozent der Sitze in Aufsichtsgremien des öffentlichen und halb öffentlichen Bereichs an Frauen zu vergeben.

Nötig scheint dieser Einsatz zu sein – die Basler Verkehrs-Betriebe beispielsweise haben bis anhin keine einzige Frau im achtköpfigen Verwaltungsrat und lediglich eine in der siebenköpfigen Geschäftsleitung. «Die Mitglieder des Verwaltungsrats wählt der Regierungsrat », sagt Dagmar Jenny, Mediensprecherin und Mitglied der Geschäftsleitung. Ansonsten sei es schwierig, einen höheren Frauenanteil zu erhalten, solange es keine Vakanzen gebe. «Mehr Frauen wären wünschenswert. Doch ich weiss nicht, auf welchen Mann ich momentan verzichten könnte», sagt sie.

Erstaunlicherweise ist es jedoch gerade der Mann im Bunde der Angefragten, der gesetzlichen Quoten gar nicht mehr so abgeneigt ist: «Zwei Seelen schlagen in meiner Brust – doch manchmal muss man vielleicht mit dem Zaunpfahl winken», sagt Fröhlich. Esther Maag und ihre Projektgruppe wollen auf jeden Fall nicht zuwarten, bis sie jemand zum Tanz auffordert. Sie werden in einem halben Jahr wieder bei den Unternehmen anklopfen und nach dem Stand der Dinge fragen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.09.2011, 07:32 Uhr

12

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

12 Kommentare

Andreas Bächle

15.09.2011, 08:34 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Es mangelt auch an Mütter, die den KIndern Liebe und Geborgenheit geben. Die KInder erziehen und sie auf das Leben vorbereiten! Kinderlose Frauen die Karriere machen wollen, das ist gut so. Aber Frauen die Kinder auf die Welt stellen und dann in fremde Obhut geben, dass ist Egoistisch! Antworten


Christoph Müller

15.09.2011, 09:49 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Von nun an gings bergab....aber wen man (frau) sonst nichts mehr Gescheits vorzubringen hat, toll die Grünen und Linken...leider werde diese von einer mehrheitlich irregeleiteten Bevölkerung (und Sozialschmarotzer) noch gewählt..aber irgendwann erwachen dann diese vielleicht auch noch... Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!