Basel
Pilotversuch mit Trenn-WCs in Liestal am Ende
Mangelhaft: Die «NoMix»-WCs in der Kantonsbibliothek in Liestal werden ausgebaut.
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Ziele der Trennung von Urin und Fäkalien waren, Gewässer vor Mikroverunreinigungen - etwa mit Medikamenten oder Hormonen - zu schützen, die Kanalisation zu entlasten und auch zu sparen. Dazu sammeln so genannte «NoMix»-WCs vorne Urin in kleinen Löchern, und gespült wird nur das grosse Geschäft im hinteren Teil.
Befürchteten Salz-Ablagerungen hatte man mit genug Gefälle und grossen Rohren vorgebeugt und diese mit Säure öfters gereinigt. So hätten die Leitungen keine Probleme gemacht, sagte Gerhard Koch, Leiter Verfahrenstechnik im Baselbieter Amt für Industrielle Betriebe am Donnerstag.
Annahmen widerlegt
In der 2005 eröffneten Kantonsbibliothek zeigte sich aber, dass die NoMix-WCs nicht allen passen: Beispielsweise hätten Kinder mit ihren kurzen Beinen ihr grosses Geschäft teils auf die Urinkanäle plaziert, was dann zum Reinigen «mühsam» gewesen sei. Und mangels Nachfrage entwickelte die Sanitärindustrie die WCs nicht weiter.
Festgestellt hat man in der Bibliothekspraxis ferner, dass mit rund 50 bis 100 Litern Urin pro Woche «wesentlich weniger» zusammen kam als erwartet. Dies schlägt auf die Rechnung durch - die Betriebskosten mochte Koch jedoch angesichts des Pilotcharakters der «sehr kleinen» Objekte nicht beziffern.
Überdies erwies sich auch die ursprüngliche Annahme als falsch, dass der Grossteil der Mikroverunreinigungen durch Medikamente im Urin sei: Tatsächlich war es in Liestal nur etwa die Hälfte. Kostenfaktoren sind im Übrigen auch Lagerung und Transport des Urins zu zentralen Aufbereitungsanlagen, die daraus Dünger machen.
Trotz dieser Erkenntnisse sei das Prinzip der separaten Urin- Entsorgung nicht ganz aussichtslos, sagte Koch: Man müsse aber die Toilettenabwässer insgesamt vorbehandeln. Beim geplanten neuen Kantonsspital Bruderholz fasse man dazu eine kleine Kläranlage ins Auge. Dimensionen und Beträge seien heute noch keine zu nennen.
Chancen in Dritter Welt
Praxis-Probleme mit den NoMix-WCs hatte schon die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) dokumentiert, die das Liestaler Pilotprojekt im Rahmen ihres «Novaquatis»-Forschungsprojektes begleitet hatte. Ihr «NoMix»- Schlussbericht liegt inzwischen vor.
Die EAWAG sieht allerdings grosses Potenzial für Weltregionen, wo die Kanalisation weniger entwickelt und Gewässerüberdüngung ein akuteres Problem sind. Als Beispiel wird darin das Potenzial in der chinesischen Millionenstadt Kunming erörtert. (dw/sda/)
Erstellt: 02.04.2009, 16:05 Uhr



