Basel

Platznot bedroht die freie Gymwahl

Es ist eines der wichtigsten Projekte im Bildungsraum Nordwestschweiz: Die Wahl des Gymnasiums soll überall frei werden. Doch an einzelnen Baselbieter Maturitätsschulen hat es für die Jugendlichen aus dem Einzugsgebiet zu wenig Platz.

Eng. Auch im Gymnasium Münchenstein sind die Raumprobleme akut.

Roland Schmid

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In der Nordwestschweiz sollen alle angehenden Gymnasiasten die neue Schule frei wählen können. Ein Projekt, das indes an Platzproblemen scheitern könnte. Damit stellt sich die Frage: Ist das nötig?

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Das Projekt sorgt für Aufsehen. Nachdem die BaZ vor wenigen Tagen publik gemacht hatte, dass die Gymwahl 2014 in der ganzen Nordwestschweiz frei werden soll, berichteten nicht nur die regionalen Medien darüber, sondern unter anderen auch die NZZ. Die Reaktionen sind weitgehend positiv – aber nicht nur. Kritische Fragen werden nun auch im Landrat gestellt. Urs Berger (CVP) will dort mit einer Interpellation in Erfahrung bringen, welche negativen Auswirkungen die Freizügigkeit aufs Baselbiet haben könnte. Er selber befürchtet vor allem «Kapazitätsprobleme».

Tatsächlich ist es in den fünf Baselbieter Gymnasien in Laufen, Liestal, Münchenstein, Muttenz und Oberwil schon jetzt eng. So eng, dass einzelne Schulen nicht einmal alle Jugendlichen aus ihrem Einzugsgebiet aufnehmen können.

Ausnahme-Klausel

Im Hinblick aufs neue Schuljahr musste die Baselbieter Bildungsdirektion 57 angehenden Gymnasiasten mitteilen, dass sie nicht wie eigentlich üblich in die nächstgelegene Schule gehen können, sondern auf eine andere ausweichen müssen. Ein harter Bescheid. «Bei fünf angekündigten Verschiebungen gab es in der Vergangenheit vier Rekurse – mindestens», sagt ein Schulleiter. Die Betroffenen beschreiben wortreich, wie wichtig ihnen das vertraute Umfeld sei, die vielen Kollegen, die alle ins nächstgelegene Gym gehen dürften, und wie mühsam sich die Fahrt in die Ausweichschule gestalte. Doch die Aussichten auf Erfolg sind gering; in der Regel werden die Rekurse abgelehnt.

Ärgerlich sind die Platzprobleme aber nicht nur für die Abgeschobenen. In Liestal und Münchenstein müssen Schüler und Lehrer auch am Samstag zur Schule, damit die Schulzimmer und Turnhallen an den anderen Tagen nicht doppelt und dreifach belegt werden müssen. Dabei wollten die Bildungsbehörden eigentlich schon vor sieben Jahren mit dem damals neuen Bildungsgesetz die Fünf-Tage-Woche an allen Schulen etablieren.

Abweichende Regelungen möglich

Um teure Ausbaupläne hinauszuzögern, baute die Regierung aber eine Ausnahmeklausel in die Verordnung über das Gymniasium ein. «Eine Schulwoche dauert von Montag bis Freitag», heisst es darin. Abweichende Regelungen dürften aber beschlossen werden, «wenn organisatorische oder räumliche Gründe dies erfordern». Mit den vom Landrat bereits beschlossenen Turnhallenneubauten beim Gymnasium Liestal und mit dem geplanten Ausbau des Gymnasiums Münchenstein sollten diese «organisatorischen und räumlichen Gründe» nun in den nächsten Jahren eliminiert werden.

Danach könnte die Fünf-Tage-Woche auch in Liestal und Münchenstein möglich werden. Für Schüler aus anderen Regionen wird es aber wohl weiterhin kaum oder höchstens wenig Platz geben. «Unter diesen Voraussetzungen wird es schwierig, die geplante Freizügigkeit durchzusetzen», stellt CVP-Landrat Urs Berger fest. Darum habe er seine Interpellation auch eingereicht: «Ich will wissen, ob allenfalls noch zusätzlicher Schulraum nötig wäre. Und wenn ja: Ob wir uns das leisten können.»

«Gelenkte Freizügigkeit»

Zumindest bei der Bildungsdirektion hofft man noch auf eine Freizügigkeit zum Nulltarif. «Die Neuerung wird nicht zu Massenwanderungen führen, weil die räumliche Nähe den Schülern weiterhin sehr wichtig sein wird», sagt Generalsekretär Roland Plattner. Gleichzeitig räumt er ein, dass die «Freizügigkeit als wichtiger bildungspolitischer Anspruch des Bildungsraums Nordwestschweiz» in den vorhandenen «Raumkapazitäten ihre natürliche Limite findet».

Denn Millionen für den weiteren Ausbau einzelner Gymnasien wollen die Behörden nicht ausgeben. Lieber sprechen sie von einer «gelenkten Freizügigkeit». Will heissen: Die Wahl wird frei – sofern die Wunschschule nicht schon überfüllt ist. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.03.2010, 07:32 Uhr

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1 Kommentar

Thomas Wehrli

25.11.2010, 20:41 Uhr
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So was nennt man wohl Etikettenschwindel. Etwa wie die 5. Ferienwoche der Lehrpersonen. Auf dem Papier existiert etwas, aber in der Praxis siehts anders aus. Antworten



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