Basel
Polizeihelfer enttäuscht über Ermittler
Von Jonas Hoskyn. Aktualisiert am 07.07.2012 41 Kommentare
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Heinz Bernauer sitzt zu Hause und schüttelt den Kopf. Vor ihm liegt ein Brief der Staatsanwaltschaft. Ein Wort sticht ihm in die Augen: «Einstellungsverfügung». «Ich kann das schlichtweg nicht nachvollziehen», sagt der 79-Jährige. Und damit ist er nicht der Einzige: Sein Fall ist einer der drei, welche Polizisten Anfang Woche in der BaZ publik machten, um die ihrer Meinung nach lasche Haltung der Staatsanwaltschaft gegenüber Kriminaltouristen aufzuzeigen.
Die Fälle lösten eine Flut von Leserbriefen und Online-Kommentaren aus. Die einstimmige Meinung: So kann das nicht weitergehen. Mittlerweile hat sich auch Sicherheitsdirektor Isaac Reber eingeschaltet. Er will die umstrittenen Fälle und das allgemeine Vorgehen bei Kriminaltouristen mit der Ersten Staatsanwältin und dem Polizeikommandanten genauer anschauen.
Polizei reagiert schnell
Rückblende: Am 19. März klingelt kurz nach 10 Uhr das Telefon des Rentners. Kaum hat er abgenommen, begrüsst ihn die Person am anderen Ende überschwänglich auf Hochdeutsch und macht eine kurze Pause: «Weisst du eigentlich überhaupt, wer dran ist?» Bernauer hat nur einen Freund, mit dem er Hochdeutsch spricht, und fragt leicht irritiert: «Osi, bist dus?» Klar, wer denn sonst, kommt die Antwort und sofort quasselt «Osi» weiter. Er habe gerade ein Stück Land gekauft und seine Bank könne ihm das Geld erst morgen geben. Ob Bernauer ihm wohl für einen Tag 35'000 Franken ausleihen würde? Da wird der Rentner misstrauisch, lässt sich aber nichts anmerken und verspricht, er rufe bei der Bank an. Ein kurzer Kontrollanruf beim echten Osi bestätigt seinen Verdacht. Er hat gerade mit einem Enkeltrickbetrüger telefoniert. Sofort verständigt er die Polizei. Diese reagiert schnell: Als der Mann kurz danach nochmals anruft, hört ein Beamter bereits parallel über Bernauers Handy mit. Beim nächsten Telefonat stehen zwei Polizisten bei ihm im Haus.
Bernauer haut den Betrüger eiskalt übers Ohr und spielt auf Zeit, auch als der Betrüger nochmals anruft und zusätzliche 14'000 Franken erbittet: Um 14 Uhr könne er das Geld bei der Bank holen, teilt ihm der Rentner mit. Ein Taxi mit einem Polizisten als Fahrer holt ihn ab und dieser steckt ihm ein dickes Couvert zu. Auch die Bank ist eingeweiht und spielt mit, schliesslich weiss niemand, ob der Betrüger sein Opfer schon beobachtet. Kaum wieder zu Hause angekommen, meldet sich «Osi», er könne nicht selber vorbeikommen und schicke deshalb einen Kollegen.
Am Nachmittag schliesslich taucht ein unbekannter Mann vor Bernauers Haus in Aesch auf und drückt ihm ein Handy mit dem falschen Osi am anderen Ende in die Hand. Die Falle schnappt zu, zwei Polizisten stürzen sich auf den Mann und nehmen ihn fest. «Du bist ein Sauhund», teilt Bernauer dem Mann am Telefon noch mit, dann bricht die Verbindung ab. Als seine Frau am Nachmittag nach Hause kommt, findet sie das Haus voller Polizisten vor.
Was Bernauer nicht weiss: Nach bereits zwei Tagen war der Verdächtige wieder auf freiem Fuss. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft verzichtete auf einen Antrag auf Untersuchungshaft und fuhr den 40-jährigen Polen an die deutsche Grenze. Dieser hatte bei der Vernehmung angegeben, am gleichen Tag als Tourist in die Schweiz gekommen zu sein. Im angetrunkenen Zustand habe er am Bahnhof eine polnisch sprechende Person kennengelernt, die ihm 300 Franken geboten habe, wenn er für sie ein Päckchen abholen gehe. Dafür habe er ein Handy erhalten, mit dem er weitere Hinweise bekommen sollte. Am Nachmittag sei er dann nach Aesch geschickt worden.
Beweise fehlen
«Diese Schilderungen konnten wir nicht widerlegen», so Michael Lutz von der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Zumal weder Abklärungen zur Person noch DNA-Analyse oder Fotoauswahlkonfrontation mit zwei früheren Betrugsopfern weitere Erkenntnisse brachten. Auch die Nachforschungen nach «Osi» führten ins polnische Mobilfunk-Nirgendwo. Weitere konkrete Beweise, welche hätten ausgewertet werden können, seien keine vorgelegen, so Lutz: «Letztlich liess sich nicht ausschliessen, dass er von den Haupttätern als unwissendes Werkzeug benutzt worden war. Wir fanden die Geschichte auch unglaubwürdig, aber das reicht nicht. Wir brauchen Beweise.»
Bernauer glaubt den Aussagen des Polen kein Wort. «Ich bin von der Staatsanwaltschaft sehr enttäuscht.» Ihm würden vor allem die Polizisten leidtun. «Die haben hochprofessionell gearbeitet, um den Gauner zu schnappen, und schlussendlich war alles für die Katz.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 07.07.2012, 11:26 Uhr
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41 Kommentare
Wenn seitens des Staates nichts passiert, ist dies nicht der Fehler der Polizei.Dass die Polizei schnell reagiert, wird im Text beschrieben.Hier muss eine Gesetzesänderung her, was aber nicht der Polizei sondern die Legislative vornhemen muss.Und dies ist genau Das, was die Bevölkerung enorm stört,dass die Polizei, die Täter, welche sich eigentlich strafbar gemacht haben,wieder laufenlassen muss. Antworten
Basel
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