Basel

Polizisten – verzweifelt gesucht

Von Alessandra Paone. Aktualisiert am 30.10.2011 23 Kommentare

Die Baselbieter Polizei braucht Verstärkung und darf nun Aufstocken. Das Problem: Sie hat grosse Mühe, ihre Ausbildungsplätze zu belegen.

Inseratenwelle: Die Baselbieter Polizei steigert ihre Werbeaktionen – mit geringem Erfolg.

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Bild: Polizei BL

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Die Zeiten sind endgültig vorbei, als die Polizeikorps mit Bewerbungen von Interessenten überhäuft wurden. Heute ist das Umgekehrte der Fall: Die Kantonspolizeien buhlen vermehrt mit Inseraten, Werbespots in Kinos und Radios sowie grossflächigen Plakaten um mögliche Interessenten. Besonders prekär präsentiert sich die Situation im Kanton Baselland.

Jeden Monat schaltet die Baselbieter Kantonspolizei Inserate – vorwiegend in den verschiedenen regionalen Printmedien –, aber auch Bildtafeln auf Telebasel. Dafür wendet die Sicherheitsdirektion 6500 Franken pro Monat auf. Dieser Tage ist die Polizei zudem mit einem grossen Stand an der Berufsschau in Pratteln präsent. Der Erfolg dieser Bemühungen ist allerdings bescheiden. «Es ist immer schwierig zu beurteilen, wie viel diese Werbeaktionen effektiv bewirken», sagt der Baselbieter Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Oft sei es so, dass ein Inserat bei einem potenziellen Interessenten einen lange gehegten Wunsch wecke und dieser sich dann definitiv bei der Polizei melde.

Aufstockung um 15 Stellen

Fakt ist, dass die Baselbieter Polizei derzeit sogar Mühe bekundet, die Ausbildungsplätze, von welchen es je nach Fluktuation zwischen 16 und 20 jährlich gibt, vollständig zu belegen. «Im Moment ist das unter Berücksichtigung des Qualitätsstandards nicht jedes Jahr möglich», bestätigt der Polizeisprecher. Fakt ist auch, dass die Hauptabteilung Sicherheit und Ordnung der Polizei seit der umstrittenen Reorganisation von 2009 auf dem Zahnfleisch läuft. Der Personalverband der Polizei forderte deshalb im September die Regierung und den Landrat in einer Resolution auf, den Personalbestand der Sicherheitspolizei umgehend um 25 bis 30 Vollzeitstellen zu erhöhen.

Die Sicherheitsdirektion hatte bereits im Frühling eine Aufstockung um 15 Vollstellen ins Auge gefasst. Die landrätliche Justiz- und Sicherheitskommission hat dieser Stellenerhöhung in ihrem diese Woche veröffentlichten Bericht bereits zugestimmt. Wie aber die Polizei diese Stellen angesichts der offensichtlichen Rekrutierungsschwierigkeiten besetzen will, ist noch offen. Meinrad Stöcklin will zu dieser Frage nicht Stellung nehmen: «Zum laufenden politischen Prozess möchten wir uns derzeit nicht äussern», sagt er ausweichend.

«Es gibt kaum einen spannenderen Job.»

Die Rekrutierungsprobleme führt Stöcklin aber nicht auf die Arbeitsbedingungen zurück. Der Beruf an sich sei und bleibe ohne Zweifel «hochinteressant, ungemein abwechslungsreich, adäquat bezahlt und sicher». Vielmehr macht er die generell angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt dafür verantwortlich. Denn auch andere Branchen hätten Mühe, geeignetes Personal zu finden. Ein weiterer Punkt sei, dass man Polizisten zuerst ausbilden müsse. «Die finden sich nicht einfach via Personalvermittlung.» Für den Polizeisprecher steht also fest: «Der Beruf des Polizisten ist nach wie vor attraktiv – es gibt kaum einen spannenderen Job.» Deshalb bezweifelt Stöcklin, dass grundsätzlich das Interesse am Beruf abgenommen hat. Aber: Die Interessenten hätten zunehmend Mühe, die Anforderungen zu erfüllen.

Deutlich weniger Sorgen hat die Basler Polizei. «Wir werben nicht mehr als sonst und mussten auch nicht unser Budget aufstocken», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart. Im Unterschied zu Baselland ist im Stadtkanton das Schweizer Bürgerrecht nicht zwingend. «Wir haben auch Afrikaner im Korps, und das klappt bestens.» Mannhart glaubt zudem, dass der Polizisten-Job in der Stadt spannender sei als auf dem Land, wo hin und wieder ein Einbruch gemeldet werde. «Bei uns ist die Situation noch gut», sagt auch der Aargauer Polizeisprecher Roland Pfister. Aufgrund der eingehenden Bewerbungen hätten die 40 zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze jedes Jahr belegt werden können. Die Inserate hielten sich wegen des beschränkten Budgets in Grenzen. Pfister: «Wir setzen auf grossflächige Plakate.» Ganz auf Werbung verzichtet dagegen Solothurn. (Basler Zeitung)

Erstellt: 30.10.2011, 13:56 Uhr

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23 Kommentare

Jonas Baumann

30.10.2011, 14:43 Uhr
Melden 41 Empfehlung

tja leider muss man wie überall einen abschluss ph.d. in atomphysik, einene 3fachen auerbach und gleichzeitig die nationalhymne von absurdistan singen können.
natürlich habe ich da keine chance.
vielleicht solltet ihr mal überlegen wie ihr rekrutiert.
Antworten


Hans Abächerli

30.10.2011, 16:13 Uhr
Melden 35 Empfehlung

Bei dem Ansehen, die Polizisten haben wundert mich das nicht: Wer will sich schon dauernd beschimpfen lassen, täglich Gewalt ausgesetzt sein ohne sich wirklich wehren zu dürfen, unbezahlte Ueberstunden schieben und das zu einem relativ bescheidenen Salär? Und beim kleinsten Fehler hat man den Job los und Mühe, etwas neues zu finden... Kein Wunder, dass es da schwierig ist, neue Leute zu finden! Antworten



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