Basel

Psychohygiene im Klassenzimmer

Klassenstunden sind bei Lehrern und Schülern gleichermassen beliebt. Der grüne Landrat und Sekundarlehrer Jürg Wiedemann setzt sich mit einer Interpellation dafür ein, dass Klassenstunden auch künftig als Freifach angeboten werden können.

Mobbing in der Schule. In der Klassenstunde können auch heikle Themen vom Lehrer aufgegriffen und mit den Schülern besprochen werden.

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Der grüne Landrat Jürg Wiedemann macht sich stark für Klassenstunden. In diesem Fach soll die Sozialkompetenz der Schüler gestärkt werden. Braucht es solche Schulstunden?

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In der ersten Sekundarklasse gehört sie zum Pflichtprogramm: die Klassenstunde. Gemäss Lehrplan handelt es sich dabei um eine Lektion, in der die Schüler lernen, «partnerschaftliche Verhaltens- und Kommunikationsformen in Toleranz, Respekt und gegenseitiger Achtung» zu entwickeln. Psychohygiene als Schulfach, ist das nötig? Ja, sagt Jürg Wiedemann, grüner Landrat und Lehrer an der Sekundarschule in Allschwil. Denn in der Klassenstunde würden beileibe nicht nur Probleme gewälzt, sondern auch pragmatische Themen wie beispielsweise ein anstehendes Lager besprochen. «Zudem haben Kinder dieses Alters immer irgendwelche Anliegen, die sie beschäftigen und die man gemeinsam diskutieren sollte.»

Wiedemann ist nicht der Einzige, dem die Klassenstunde am Herzen liegen. An der Sekundarschule Zwingen gehört diese besondere Unterrichtsstunde gar zum obligatorischen Unterricht während der gesamten Sekundarschulzeit, wie Konrektorin Jutta Büche bestätigt: «In den Klassenstunden können wir wichtige Präventionsarbeit leisten, Aktuelles aufgreifen und bei Bedarf auch Krisenintervention betreiben.» Das bestätigt Simon Esslinger, Schulleiter der Sekundarschule Arlesheim: «Wir sind überzeugt, dass insbesondere Themen wie Mobbing oder Sucht von den Klassenlehrern sofort aufgegriffen werden sollten.» Dazu bedürfe es einer gesonderten Lektion, «sonst müssen die Lehrer Fachunterrichtszeit opfern für die Stärkung der sozialen Fähigkeiten der Klasse».

Auf freiwilliger Basis

Aus diesem Grund bietet die Sekundarschule Arlesheim die Klassenstunde bis zur vierten Klasse an, bisher wie in Zwingen als obligatorisches Schulfach. Neu ist es allerdings auf freiwilliger Basis zu belegen – auf Anweisung des Kantons, wie es im Elternbrief vom 5. Februar heisst.

Klassenstunden als Freifach, das gibt es auch in Allschwil. Allerdings nicht mehr lange, wie Wiedemann sagt: «Die Schulleitung hat uns über den Entscheid der Geschäftsleitung des Amtes für Volksschulen informiert, der besagt, dass die Klassenstunde auch im ergänzenden Bildungsangebot der Stundentafel nicht mehr angeboten werden darf.» Wiedemann hat kein Verständnis für diesen Entschluss, insbesondere, weil die Klassenstunden bei Schülern und Lehrern gleichermassen beliebt seien: «Die meisten Klassen haben sich geschlossen zum Freifach angemeldet.»

Weil der grüne Landrat die freiwillige Klassenstunde nicht kampflos aufgeben will, hat er gestern eine Interpellation eingereicht. In seinem Schreiben wirft er unter anderem die Frage auf, wie eine «derart einschneidende Weisung» vereinbar sei mit der geforderten Teilautonomie der Schulen.

Lektionentafel muss eingehalten werden

Bei der Bildungsdirektion will man den Vorstoss zum heutigen Zeitpunkt nicht kommentieren, da eine Stellungnahme Sache der Gesamtregierung sei, wie Generalsekretär Roland Plattner sagt. Er weist daraufhin, dass es sich bei der erwähnten Entscheidung nicht um eine Weisung gehandelt habe: «Das Amt hat, veranlasst durch Feststellungen von Abweichungen, die Schulen im Sinne einer Dienstleistung darauf hingewiesen, dass die Lektionentafel einzuhalten ist.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.03.2010, 07:38 Uhr

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2 Kommentare

steve walker

12.03.2010, 16:44 Uhr
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Das mag ja an sich eine gute Sache sein. Aber irgendwo anders fehlt dann die Stunde. Wenn ich sehe, wieviele "nichtproduktiven" Stunden meine Kinder heute haben und ich mit meiner Schulzeit vergleiche, wundern mich die Pisa-Resultate nicht mehr. Wenn man diesen Erosionsprozess extrapoliert, haben wir im Jahr 2050 noch je eine Wochenstunde Mathe und Deutsch... Antworten


Conny Schmid

12.03.2010, 09:59 Uhr
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Das Aufnehmen der Klassenstunde in die Stundentafel wäre für einmal eine Reform, die der "Guten Schule Baselland" etwas bringen würde. In anderen Kantonen gibt es die Klassenstunde längst. Sie dient nicht nur der Psychohygiene, sondern auch dem Besprechen wichtiger Themen und dem Vorbereiten von Lagern, Exkursionen etc.und dem Erledigen des zunehmenden administrativen Krams. Antworten



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