Basel

Puff um Bordellwerbung

In Baselbieter Gemeinden hängen Werbeplakate für ein Basler Bordell. Was in der Stadt für Empörung gesorgt hat, stört die Gemeinden nicht. Doch bei Kantonsparlamentarierinnen sorgt die Werbung für rote Köpfe.

Umstrittene Werbung: Ein Basler Bordell geht mit nackter Haut auf Kundenfang.

Umstrittene Werbung: Ein Basler Bordell geht mit nackter Haut auf Kundenfang.
Bild: Mischa Christen

Umfrage

Ein Basler Bordell geht mit Plakaten im Baselbiet auf Kundenfang. Einige Parlamentarier fordern ein Verbot von Plakatwerbung für Prostitution – was halten Sie von dieser Forderung? Sollen Bordellplakate verboten werden?

Ja

 
35.0%

Nein

 
65.0%

Eine blonde Schönheit räkelt sich auf einem Plakat, das an der Binningerstrasse in Bottmingen hängt. Das halb transparente Höschen verdeckt dabei nur gerade das Nötigste. Auf den ersten Blick könnte man meinen, man habe es hier mit einer etwas freizügigeren Unterwäschewerbung zu tun. Allerdings machen Slogans wie «Wöchentlich 4 neue exklusive Girls anwesend» und «sehr diskreter Eingang» doch etwas stutzig. Ein Klick auf die auf dem Plakat genannte Webseite räumt schliesslich mit allen Missverständnissen auf: Es handelt sich um die Werbung eines Basler Bordells.

Ebendieses Plakat hatte in Basel vor ein paar Wochen für einige Aufregung gesorgt. Aber in Bottmingen nimmt man die Rotlichtwerbung gelassener hin: «Wir werden gegen das Plakat nichts unternehmen», sagt Gemeindeverwalter Willi Schweighauser. Er sieht an dem Plakat weder etwas Sexistisches noch etwas Anstössiges oder Unsittliches. Ganz anders als in Basel: Dort hat die Regierung vergangenen Mai nach einem Vorstoss von DSP-Grossrat Felix Eymann das Plakat aus dem Verkehr ziehen lassen. In ihrer Antwort hielt die Regierung fest, dass laut Plakatverordnung Darstellungen von Unterwerfung oder Ausbeutung oder eine «unangemessene Darstellung von Sexualität» diskriminierend seien.

Wo liegt der Unterschied zu einer Unterwäschewerbung?

Bottmingens Gemeindeverwalter Willi Schweighauser kann die restriktive Basler Haltung nicht ganz nachvollziehen. Er sieht keinen grossen Unterschied zwischen der Bordellwerbung und den Unterwäschereklamen mancher Firmen. Und damit steht er nicht alleine da. Auch in Oberwil, wo das Plakat gleich an zwei Stellen hängt, bleibt man gelassen: «Solange wir keine Reklamationen erhalten, sehen wir auch keinen Handlungsbedarf», heisst es bei der Gemeindeverwaltung.

Eine Frau ist von dieser freizügigen Politik allerdings «sehr enttäuscht»: EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger. Sie hatte sich schon letzten Herbst gegen die Basler Sexmesse Extasia und deren Plakate starkgemacht. Jetzt will sie auch gegen die Bordellwerbungen vorgehen. «Dass man es überhaupt nicht tragisch findet, wenn mit dem Verkauf von Sex geworben wird, befremdet mich.» Die EVP plant deshalb einen Vorstoss im Landrat, in dem sie klarere Regeln fordert – ein entsprechender Entwurf existiert laut Augstburger bereits. Darin wird gefordert, dass sich der Kanton stärker einmischen soll, womit geworben werden darf und womit nicht – anstatt diese Kompetenz auf die Gemeinden abzuschieben. «Es müssen klare Grenzen gesetzt werden», sagt Augstburger.

Mit dieser restriktiven Haltung steht die EVP nicht alleine da. Von Fraktionskollegin und CVP-Baselland-Präsidentin Sabrina Mohn erhält sie Rückendeckung. «Ich werde den Vorstoss unterstützen.» Sorgen macht ihr nicht das Plakat an sich, das sie als durchaus «ästhetisch» bezeichnet. Die Internetadresse verlocke jedoch gerade Kinder und Jugendliche dazu, dort reinzuschauen.

«Im Keim ersticken»

Zwar warnen die Homepage-Betreiber auf der Eingangsseite, dass die Inhalte nur von volljährigen Personen konsumiert werden sollten – allerdings weckt laut Mohn, selber Lehrerin, eine solche Warnung bloss das Interesse von Jugendlichen. Auf der Webseite findet man denn neben den Öffnungszeiten des Etablissements etwa die Preise für die verschiedenen Serviceleistungen. «Man muss solche Werbung im Keim ersticken, bevor sie zu einem grösseren Problem wird», sagt Mohn.

In Basel ist man derweil schon einen Schritt weiter. Ein Vorstoss von SP-Grossrätin Ursula Metzger ist bereits eingereicht. Der Anzug, der überdies von Politikern aus fast allen Lagern unterschrieben wurde, fordert ein generelles Verbot von Werbung sexueller Dienstleistungen auf öffentlichem Grund. Und damit dürften dann vermutlich auch Verwechslungen mit Unterwäscheplakaten ausgeschlossen werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.07.2010, 08:02 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

11 Kommentare

Boris Kerzenmacher

03.02.2011, 01:19 Uhr
Melden

DSP-Felix Eymann , der tapfere Kreuzritter von der traurigen Gestalt , träumt noch nachts ... davon , wie er gegen das Plakat (und die Puffs) ...äääh ... gegen die Windmühlen kämpft . Sancho Pansa EVP treu zur Seite ! Ein Bild wie gemalt . Antworten


Stefan Steinfeld

26.07.2010, 15:59 Uhr
Melden

Ein weiterer Meilenstein im fortschreitenden sozialen Verfall der Schweiz. Prostitution ist wohl notwendig - ein Ventil... aber fuer ein Bordell Werbung zuzulassen, markiert ein weiterer Schritt in der Abstumpfung unserer Gesellschaft, weil es die Prostitution salonfaehig erscheinen laesst, wenn sie fuer alle, ausser die desperatesten Faelle, moeglichst im Hintergrund bleiben sollte. Antworten


Peter A. Eger

23.07.2010, 16:09 Uhr
Melden

@Adrian Hartmann: Gröööhl diese Ihre Aussage ist wohl die grösste Lachplatte.... Antworten


Rolf Schlumpf

22.07.2010, 12:38 Uhr
Melden

Denen muss es ja wirklich schlecht gehen, dass für ein Puff Werbung betrieben werden muss. Irgendwie lächerlich, die Aktion... Antworten


Peter Waldner

21.07.2010, 15:01 Uhr
Melden

Ein natürlicher Trieb - folglich auch ein Geschäftsfeld. Der Wahnsinn liegt weniger in dieser Tatsache, sondern in der Verklemmtheit und Ablehnung einer jahrtausendealten Gegebenheit durch die Pharisäer unserer Gesellschaft. Natürlich - sexuelle Verklemmtheit ist mit eine der Grundlagen unserer Religionen, wie auch die Zweitrangigkeit des weiblichen Geschlechts. Beides muss überwunden werden! Antworten


Adrian Hartmann

21.07.2010, 13:45 Uhr
Melden

Nur weil es sich nicht gross von Unterwäschereklame abhebt heisst dass noch lange nicht, dass es gut und recht ist. Das spricht viel mehr für sexistische Unterwäschereklame... Antworten


Monika Müller

21.07.2010, 13:39 Uhr
Melden

Ich verstehe die Aufregung nicht. Auf den ersten flüchtigen Blick, vor allem wenn man mit dem Auto daran vorbeifährt, könnte es sich auch um eine Werbung für Unterwäsche oder Hautcreme handeln. Halbnackte Frauen (und auch Männer) sind doch heute gang und gäbe in der Werbung. Aber mit dem Bild in der Zeitung starrt jetzt natürlich jeder darauf. Eine bessere Werbung für das Bordell gibt es nicht. Antworten


Peter Hofer

21.07.2010, 12:14 Uhr
Melden

Zu den vitalen Grundbedürfnissen des Menschen gehören Essen + Trinken und auch Sex! Darum wäre es wirklich langsam Zeit, offen - auch über das dritte Thema - zu sprechen. Da der Staat auch bei Bordellen kräftig mitverdient, dürfte er auch etwas dafür tun. Welcher Politiker - vielleicht sogar aus Baselstadt - hat den Mut und schafft die Voraussetzungen für eine Anerkennung der Branche? Antworten


Wolfgang Erschwil

21.07.2010, 10:44 Uhr
Melden

Hauptsache es bringt Geld, der Rest spielt keine Rolle. Was passiert eigentlich wenn ein Autofahrer dadurch abgelenkt wird und einen Menschen tot fährt? Sagt dann er Schweighauser und die Gemeindeverwaltung auch: es gibt keinen Unterschied zwischen der Bordellwerbung und den Unterwäschenreklamne? Die Adresse und homepage zu merken dauert etwas lange und das reicht schon für einen tödlichen Unfall Antworten


Michael von Ins

21.07.2010, 10:34 Uhr
Melden

Prostitution wird ja allgemein als "ältestes Gewerbe" bezeichnet und scheint einem Bedürfnis der Menschen zu entsprechen. Also wieso sollte dafür dann nicht auch geworben werden dürfen? Selbstverständlich muss der Jugendschutz gewährleistet sein! Ich verstehe die "Doppelmoral" von CVP und EVP nicht, auch in deren Reihen gibt es bestimmt Personen die hin und wieder (heimlich) ein Bordell besuchen. Antworten


Werner Schweizer

21.07.2010, 08:46 Uhr
Melden

Die Politiker/Innen sollten sich viel mehr gegen ein absolutes Verbot von Gewalt Videos einsetzen als sich über eine Bordellwerbung empören. Im übrigen zeigt dieses Werbeplakat eine hübsche Frau in ästhetisch guter Aufnahme im Gegensatz zu Wahlplakten mancher Politiker/Innen. Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung