Basel
Schwarzfahrer werden immer aggressiver
Von Daniel Ballmer. Aktualisiert am 30.01.2012 7 Kommentare
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Die ÖV-Unternehmen der Region müssen jedes Jahr gut zwei Millionen Franken ans Bein streichen – wegen der Leute, die kein Billett kaufen und schwarz mitfahren. Zwar gibt es heute weniger Schwarzfahrer als auch schon, doch werden sie zunehmend aggressiver gegenüber dem Personal. Haben Sie Verständnis für Schwarzfahrer?
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Ein Billettkontrolleur muss resistent sein. Von allen ÖV-Unternehmen in der Region ist in etwa dasselbe zu hören: «In den letzten Jahren hat die Aggressivität zugenommen», sagt TNW-Direktor Andreas Büttiker. Respektlosigkeit, verbale Schlagabtausche, aber auch Vandalismus und Littering. Gestiegen ist auch die Gewaltbereitschaft – meist an Wochenenden bei jungen Leuten mit einem gewissen Alkoholpegel. «Unser Personal muss sich teilweise üble Sachen anhören», sagt AAGL-Geschäftsführer Roman Stingelin.
Mit renitenten Passagieren sind die SBB nun noch verstärkt konfrontiert. Denn seit Mitte Dezember können Bahnkunden auch im Fernverkehr keine Billette mehr im Zug kaufen. Vorher kauften Schummler gerade auf kürzeren Strecken absichtlich kein Billett. Erfolgte die Kontrolle, wurde das Billett im Zug einfach nachgelöst. Kam keine Kontrolle, war die Fahrt gratis. Den SBB entgingen so jährlich Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich. Das ist vorbei: Wer keine Fahrkarte bei sich trägt, wird gebüsst. Pro Tag verteilen die SBB seither rund 750 Bussen. Das beschert ihnen Mehreinnahmen von rund 67'000 Franken pro Tag oder fast eine halbe Million Franken pro Woche.
Deeskalation und Pfefferspray
Kehrseite der Medaille: Gerade bei Schwarzfahrern kommen die Kontrollleute zuweilen ganz schlecht an. Zur Sicherheit und Prävention sind diese denn auch in Teams unterwegs. Zudem werden sie in Deeskalation geschult, bei den BVB auch in Selbstverteidigung. Auf den Nachtnetzlinien setzt der TNW präventiv Sicherheitspersonal ein. Und bei der BLT durften Kontrolleure auch schon Pfeffersprays mit sich tragen. Anders bei den SBB: Dort gilt es, sich zurückzuziehen, wenn es brenzlig wird. Alles andere ist Aufgabe der Bahnpolizei.
Doch das sind noch immer Ausnahmen: Beschäftigt sind die ÖV-Unternehmen viel stärker mit Schwarzfahrern. Und das, obwohl deren Anteil an den Gesamtpassagierzahlen in den vergangenen Jahren mit intensiveren Kontrollen von zwei auf rund ein Prozent gesenkt werden konnte. Bei jährlich 214 Millionen Fahrgästen im TNW-Gebiet wären das aber noch gut zwei Millionen Beanstandungen. TNW-Direktor Büttiker spricht aber lediglich von 54'000 Meldezetteln, die jährlich ausgestellt würden: «So entgehen uns rund zwei Millionen Franken.» Im Vergleich zum Ausland ist das wenig. In französischen Städten werden 30 bis 50 Prozent Schwarzfahrten registriert, in Italien teilweise mehr.
In Basel hilft den BVB-Kontrolleuren eine spezielle Software, möglichst viele Passagiere ohne Billett zu erwischen. Die Kontrolleure protokollieren ihre Arbeit auf elektronischen Eingabegeräten. Dabei erfassen sie Tram- oder Buslinie, Haltestelle und Zahl der Schwarzfahrer. So werden jene Strecken sichtbar, auf denen überdurchschnittlich viele Schwarzfahrer erwischt werden. «Ich sage aber nicht auf welchen, um nicht einzelne Quartiere anzuschwärzen», erklärt Jenny. «In gewissen Gebieten ist aber sicher ein höherer Kontrolldruck nötig.»
Mehr in der Stadt als auf dem Land
Generell seien Schwarzfahrer eher auf Kurzstrecken unterwegs, also auf Stadtgebiet. Hinzu kommt das TNW-Nachtnetz. Entsprechend wird hier öfter kontrolliert. Etwas tiefer liegt die Quote in ländlichen Gebieten: «Bei uns sind es etwa 0,8 Prozent», sagt AAGL-Geschäftsführer Stingelin. Die ÖV-Unternehmen betonen, dass die Kontrollen nicht zum Spass durchgeführt würden. Die Kosten würden durch die Bussen nicht annähernd gedeckt, betont Büttiker. «Diese dienen vor allem der Prävention.» Und angesichts der Ertragssicherung erzielten sie unter dem Strich eben doch einen positiven Effekt. Im Allgemeinen werde die Kontrolltätigkeit von den Fahrgästen auch begrüsst, ergänzt Stingelin, «mit Ausnahme der Kunden ohne Ticket» (Basler Zeitung)
Erstellt: 30.01.2012, 07:32 Uhr
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