Basel
Selfmade-Unternehmer und Bonvivant
Von Joël Gernet. Aktualisiert am 19.11.2011 8 Kommentare
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Das Onlineinterview mit Philipp Oser, Inhaber des Oberwiler Gourmetrestaurants Viva, hat diese Woche auf der Homepage der Basler Zeitung für heisse Diskussionen gesorgt. Der 46-Jährige äusserte sich sehr deutlich zur Trennung von seinem Chefkoch Erik Schröter – ein Tag, nachdem das «Viva» neu mit einem Stern des Gourmetführers Guide Michelin ausgezeichnet worden war. Unverblümt sprach Oser über die Differenzen mit Schröter, der in seinen Augen ein guter Handwerker ist, aber dessen Auffassung bezüglich Führungsstil und Weiterentwicklung des Lokals ihm nicht entsprachen. Nun äussert sich Oser diplomatischer.
«Ehrlichkeit darf man grundsätzlich nie anzweifeln, vielleicht aber hätte ich für meine ehrliche Kritik nicht ein öffentliches Interview wählen sollen», sagt er. Es sei schwierig, in solchen Interviews die gesamte Situation verständlich darzulegen. Gemessen an den Kommentaren der baz.ch-Leser ist ihm dies offensichtlich nicht gelungen. Aussagen wie «so äussert man sich nicht öffentlich über Mitarbeiter» oder «dieses Interview wird sich als Eigentor entpuppen» gehören zu den harmloseren ihrer Art. Andere Kommentarschreiber wollen hinter den «interessanten Ansichten eines Egomanen» einen «äusserst miesen Charakter» ausgemacht haben. Auch von einem «Viva»-Boykott ist die Rede. Dass Osers unverblümte Worte derart hohe Wellen schlagen würden, hätte der «Viva»-Besitzer nicht erwartet: «Einige der harschen Reaktionen haben mich schon überrascht.»
Kurzerhand ein Restaurant gekauft
Wer ist dieser Mann, der sich als Unternehmer und Geniesser bezeichnet und mit grosser Selbstverständlichkeit Kritik an seinem ehemaligen Chefkoch äussert? Mitte der Achtzigerjahre geriet der gelernte Feinmechaniker als Quereinsteiger in die damals noch junge Computerbranche. Er bildete sich weiter, arbeitete sich nach oben. Mit dem Gefühl, dass er unter Chefs nicht richtig funktioniert, gründete Oser eine eigene Firma. Nach einer Sinnkrise und einer kurzen Tellerwäscherkarriere gründete er das Fundament seines heutigen Informatikunternehmens Redtoo. Im Jahr 2000 verkaufte Oser die Firma, welche seit 2004 wieder in seinen Händen ist.
Ebenso wie das Weingut Villa Tolnay in Ungarn, auf welchem er nun – wieder als Quereinsteiger und Autodidakt – auf 16 Hektaren Wein anbaut. Mit dem Kauf und der Neueröffnung des Restaurants Viva erfüllte sich der Selfmade-Unternehmer Anfang 2010 einen weiteren Traum. Von Anfang an mit im Boot: Chefkoch Erik Schröter, den Oser in Ungarn kennen- und schätzen gelernt hatte. «Erik war mit seiner Situation unzufrieden», erinnerte sich Oser diesen Sommer in einem BaZ-Gespräch. Nachdem er erfolglos eine Stelle für Schröter gesucht hatte, machte der Unternehmer kurzen Prozess und kaufte das «Viva» in Oberwil. Seither wurde das Lokal mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet und vom Magazin «Basel geht aus» zum «Aufsteiger des Jahres» gekürt. Die Krönung dieses steilen Aufstiegs folgte nun diese Woche mit dem verliehenen Michelin-Stern, den das Lokal auch nach Schröters Abgang behält.
Die Entlassung seines Chefkochs bereut Oser trotz der unschönen Begleittöne der vergangenen Tage nicht: «Nein, ich trage die gesamte Verantwortung, auch für die zwölf geschaffenen Arbeitsplätze. Aufgrund der im Interview erläuterten Differenzen musste ich so entscheiden.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 19.11.2011, 13:00 Uhr
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8 Kommentare
Winzer ist ein zum Glück noch ein geschützter Berufsstand, der mit viel Materie und Wissen und Handwerk gepflastert ist, welches man sich hart erarbeiten muss, da gibt es keine Quereinsteiger! Hingegen kann man sich sehr einfach einen Weinbaubetrieb erkaufen, dann ist man Besitzer, aber noch lange nicht Winzer. Der Wein wird beim Rebschnitt vorgespurt und nicht beim Kauf eines Rebbaubetriebes. Antworten
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