Basel

Im süddeutschen Staufen hebt sich der Boden

Von rfd/jg/dpa/pd. Aktualisiert am 23.12.2008 12 Kommentare

Pro Monat hebt sich die Erde im Zentrum Staufens um etwa einen Zentimeter an. Erdwärmebohrungen hinter dem Rathaus könnten die Ursache dafür sein. Nun bittet die Gemeinde im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald um Hilfe.

Spiegel TV: Sinkende Stadt - Staufen vor dem Untergang

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Mittlerweile sind schon 131 Häuser in der Altstadt von Staufen beschädigt. Deshalb bittet die 8000-Einwohner-Gemeinde das Land Baden-Württemberg um finanzielle Hilfe. «Wir werden die Situation nicht ohne Unterstützung aus Stuttgart meistern können», sagte der Bürgermeister Michael Benitz an einer Pressekonferenz.

Nach Ansicht von Experten könnten Erdwärmebohrungen hinter dem Rathaus für die Schäden verantwortlich sein. Eine Erkundungsbohrung soll darüber in den nächsten Monaten Aufschluss geben. Die Stadt Staufen bringt für diese Bohrung zunächst 300'000 Euro auf.

2006/07 wurden Staufens historisches Rathaus und das rückwärtige Rathausgebäude generalsaniert. Bei dieser Gelegenheit beschloss der Staufener Gemeinderat einstimmig, für die Heizung der beiden Rathausgebäude mit Erdwärme (Geothermie) eine innovative Energietechnik  zu nutzen. Eine österreichische Spezialfirma führte im September 2007 die sieben Bohrungen zwischen den beiden Rathausgebäuden durch.

Ende des Jahres 2007 tauchten am Rathaus und weiteren Gebäuden in der Altstadt erste Haarrisse auf, die sich ständig vergrösserten. Inzwischen sind über 120 Häuser in der als Gesamtensemble denkmalgeschützten Altstadt betroffen.

Gutachten nennt keine eindeutige Ursache

Ein erstes Gutachten des vom Landgericht Freiburg bestellten Sachverständigen liegt seit Oktober dieses Jahres vor und seither weiss man, was im Untergrund Staufens passiert: In eine 75 Meter mächtige Gips-Keuperschicht ist Wasser eingedrungen und durch die Verbindung mit Anhydrit bildet sich unter Volumenzunahme Gips. Dadurch hebt sich die Erde in Staufen pro Monat etwa um einen Zentimeter, an einigen Stellen bisher insgesamt 10 Zentimeter – und der Quellvorgang ist nicht beendet.

Das Gutachten nennt allerdings keine eindeutige Ursache. Das Einsickern von Wasser in die Gips-Keuperschicht kann sowohl durch die Geothermie-Bohrungen als auch durch die ständigen tektonischen Verschiebungen unter der Stadt verursacht worden sein. Obwohl die räumliche und zeitliche Nähe der Bohrungen für diese als Ursache der aufgetretenen Schäden spricht, gibt es keine eindeutige Zuweisung durch das Gutachten. Dadurch kann aus juristischer Sicht aber derzeit auch niemand als Schadensverursacher benannt werden. Auch die einzelnen Gebäudeversicherungen kommen nicht für die Schäden auf solange die Ursachen ungeklärt sind.

Um die Hausbesitzer mit dieser Situation nicht allein zu lassen, strebt Staufens Bürgermeister Michael Benitz die Einrichtung eines Hilfsfonds an, aus dem die Schäden bezahlt werden sollen. Das Land Baden-Württemberg prüft, inwieweit es diesen Fonds unterstützen kann, denn die langsame Zerstörung einer denkmalgeschützten historischen Altstadt durch unaufhaltsam wirkende Erdkräfte sei eine tatsächliche Katastrophe, wie die Gemeinde mitteilte.

Lageplan: Staufen im Breisgau

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2008, 11:42 Uhr

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12 Kommentare

Charley Collins

19.12.2008, 21:55 Uhr
Melden

"Sinkende Stadt - Staufen vor dem Untergang" So ein Titel, und dann geht es darum, dass die Stadt sich hebt! Da fragt man sich doch, ob derjenige, der den Titel erfunden hat, den Artikel überhaupt gelesen hat... Antworten


Gero Rubli

19.12.2008, 23:13 Uhr
Melden

So kommt es, wenn man meint, man sei alle Risiken los, wenn man auf neue Techniken nur das Label "Alternativ" draufklebt. Antworten



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